Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 77-78 (25.9.1884)
- Date
- 1884-09-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1282 als auf seiner Fahrt nach New-Iork. Nicht allein das; die Reise viel länger dauerte, seilte Gesundheit war durch die vielen, schrecklichen Strapazen geschwächt. Endlich.^endlich kam die englische Küste in Sicht, und mit wahrhaftem Wonnegefühl stieg Ludwig, nachdem das Dampfboot im Hafen angelegt hatte, ans Land. Die unendliche Sehnsucht nach seinen Lieben lies; ihn auch hier nicht rasten. In England gab es damals schon Eisenbahnen, und so konnte er sehr bald Dover erreichen, von wo ans er auf einem Dampfbote nach Hamburg fuhr. Es war um die Zeit des Chanukah-Festcs als Ludwig in Hamburg ankam, von wo aus er in den heißen Sonunertagen seine Reise llach Amerika angetreten. In Hamburg hielt er sich wenige Tage auf, nothgedrungen, denn seine Kräfte waren erschöpft. Gern hätte er von hier aus den Seinkgen seine Ankunft vorher gemeldet; allein telegraphische Verbindungen gab es noch nicht, und die Posten waren dazumal so beschaffen, daß ein Brief von Hamburg nach M. mindestens eine ganze Woche unterwegs blieb. Ludwig hoffte aber viel früher zu Hause anzukommen. Wiederum fuhr er mit Extrapost, und jeder Tag brachte ihn seinen! Ziele näher. Wie schön malte sich Ludwig die Ankunft in der Heimath aus. Zuerst wollte er die Schwestern aufsuchen. Was würden sie dazu sagen, tvenn der Todtgeglaubte plötzlich vor sie hintreten und ihre Trauer in Jubel verwandeln würde? Dann wollte er den Freund rufen lassen. „Mein armer Ferdinand," sprach er vor sich hin, „was mnßt Dn um mich gelitten haben! Sind wir doch seit frühester Jugend wie Brüder, ja viel mehr als das!" — Nicht, so dachte Ludwig, dürfe er es wagen, die Braut zu überraschen. Die plötzliche Freude könnte ja schädlich, vielleicht gar tödtlich werden. „Arnle Dorothea! Wie sie wohl aussehen mag? Ihre Augen sind vom vielen Weinen geröthet, ihre Wangen eingefallen, ihre Gestalt gebeugt und verhürint! Die Bedauernswerthe, und um meinetwillen hat sie so viel gelitten! Aber von nun an soll sie nur Tage der Freude und des Glückes schauen. Rasch wird sie sich wieder erholen und ihren alten Frohsinn wieder gewinnen. O, ich habe viel gut zu machen, ich muß ihr viele Freude bereiten als Entgelt für den schweren Kummer, den ich ihr verursacht habe!" .. Es ist bereits Abend, da die Postkutsche durch die Thore von M. in die spärlich beleuchteten Straßen einfährt. Der Postillon schinettert lustige Weifen, und hier und da öffnet sich ein Fenster, durch das ein Neugieriger oder eine Neugierige heransschaut, um im Halbdunkel die Insassen der Postkutsche zn erkennen.' Vergebliche Anstrengung! Ludwig hat dem Postillon genau Straße und Hausnummer angegeben. Die Kutsche hält, der Postillon stößt ins Horn; aber Niemand erscheint an der Thüre, kein Fenster öffnet sich. Ludwig steigt aus, belohnt den Postillon und nimmt seine Handkoffer. Das Hans ist hell erleuchtet, Musik ertönt aus demselben. „Was mag da Vorgehen?" fragte Ludwig erstaunt. Ach, der Arme wußte nicht, daß Diejenigen, die er vorn tiefsten Schmerze niedergebeugt sich vorgestellt hatte, droben in ausgelassener Lustigkeit ein fröhliches Fest feierten. Es war. der Vorabend vor Antoniens Hochzeit. Die Musik spielte zum Tanz, und den Neigen der Tanzenden eröffnete das fröhliche Brautpaar: Ferdinand Kopp und Dorothea Frank. Der Unglückliche, der jetzt die Treppe heraufeilte, hatte noch keine Ahnung davon, daß er nach so. kurzer Zeit, schon verschollen und vergessen war. MÄkhfrl. Du sollst des Armen oft Dich 1, 2, 3 Und ständig ihn mit 3, 1, 2 erfreu'; Willst Du auch haben, es soll schmackhaft fein. So mische auch noch 2, 3, 1 hinein; Damit Dir werde sein Gebet und Segen Und froh Du geh'st dem großen Tag entgegen. Das Leben ist ja nur ein 1, 3, 2, Drum sei auch 2, l, 3 und gern verzeih'; Verzeiht der Herr ja auch in seiner Huld All' Deine Frevel und all' Deine Schuld. Bemüh' Dich heiß, Sein Ebenbild zu werden Und froh bist dereinst, wie nun auf Erden. S. Auflösung erfolgt i» Nr. 79. Die Namen der richtig Lösenden werden» wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 30. September zugegangen, in der folgenden Nummer veröffentlicht. Auflösung des Näthsels in Nr. 75: rav»yn — Buße. Hierzu drei Beilage«. Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehman n in Mainz. — Expedition deS „Israelit* gr. Bleiche 45. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz.