Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 77-78 (25.9.1884)
- Date
- 1884-09-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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/ 1278 fein und bleiben, die Träger Meines Namens, die Verkünder der Einheit Gottes auf Erden. Nicht hatte Israel seiner hohen Aufgabe entsprochen. Noch am Fuße des Berges Sinai, auf dem sich Gott ihm offenbart hatte, war es in den ägyptischen Thierdienst zurückgefallen. Aber es waren nur die Geringsten und Schlechtesten im Volke gewesen, welche das goldene Kalb umtanzt hatten. Der ganze Stamm Lcvi war seinem Gotte treu geblieben. Jetzt waren es aber die Priester des Herrn, die Edelsten und Besten des Volkes, welche sich ungehorsam gezeigt hatten gegen die Befehle des Allmächtigen,' und jeder Ungehorsam gegen Gottes Gebot ist eine Art Götzendienst, da man dem Triebe der eigenen Brust mehr gehorcht als dem Herrn des Weltalls, wie ja der Prophet Samuel es ausgesprochen 72Bi7 D'B-im p*a „Das Durchbrechen der göttlichen Befehle ist eine Sünde gleich Götzendienst. (1. B. S.. E. 15, V. 23.) So hatten die Israeliten in der Freiheit sich entwickelt, daß selbst die Edelsten und Besten die gemessenen Befehle des Allmächtigen mißachteten. Und deßhalb fragten die Engel: Wenn dem so ist, warum hast Du ihnen das Meer gespalten? Nicht Zwang und Noth und Unterdrückung entschuldigt sie heute. Es liegt eine gewichtige Mahnung in dieser Erzählung der Weisen. Auch in unserer Zeit ist die traurige Erfahrung zu Tage getreten, daß Israel die Freiheit so schwer erträgt: Kaum waren die Mauern der Ghetti gefallen, kaum waren all die Beschränkungen, Unterdrückungen und Ausnahmsgesetze von unserem Volke hinweggenommen, so vergaßen gar Viele ihren Vater im Himmel und Seine heiligen Gebote. Diejenigen, die sich als die Edelsten und Besten ihres Volkes ansgabcn, die Männer der Wissenschaft und der Kunst, die Frauen, die eine höhere Bildung genossen, die Reichen und Vornehmen in Israel waren es meistens, die sich von Gott abwaudten und dem modernen Götzendienste huldigten. Und wiederum treten die Engel vor Gottes heiligen Thron, erheben Anklage gegen Israel und sprechen: Warum hast Du das Meer vor ihnen gespalten, warum hast Du sie trockenen Fußes hindurch geführt durch das tosende Meer der Verfolgung und Unterdrückung? Sie können die Freiheit nicht ertragen. Aber die heiligen Seraphim entgegnen: Führe uns zurück zu Dir, Ewiger, und wir wollen zurückkehreu, erneue unsere Tage wie ehedem. Unsere Meisen lehren im Midrasch: '718 "i Nil? 7"n"n cnpn 78 pn8 sy n8T2 :npn tdo "n nyc '7 ,8tn 'eo 'p2''i -Jon '7 '2'181 '72 '7t!b N8 Vl287 O'JDÖ '7j> '27 87" 87 n:nn '7j? rwnn du .17O21 i7c?2 '7 — nion '28 D8T2 HCrOE '7P DTt pN C28 87'8 'QQ ,cD'7lB2N Q1'2 'P2*'1 TUEST 2*872 '718 '7P 78gd 72* runc '7p runn üd8? 7nB8 'OO1 78 pn8 82' N8t2 — NQ12 '28 N812 ,2712p7 •empn „Mit diesem soll Aharon (am Versöhnungstage) kommen in das Heiligthum — so heißt es auch (Psalm 27): Gott ist mein Licht und meine Hilfe, vor wem soll ich mich ängstigen? Wenn sich über mich hermachen die Bösen, mein Fleisch zu verzehren, meine Widersacher und meine Feinde, sie straucheln und falten. Wenn Feindeslager sich wider mich lagert, nicht wird fürchten mein Herz, wenn Krieg sich wider mich erheben wird, auf dieses vertraue ich — Gott ist mein Licht am Neujahrsfeste, und meine Hilfe am Versöhnungstage: vor wem soll ich fürchten und vor wem Angst haben? Wenn kriegsgerüstet der Ankläger vor Gottes Thron tritt, auf dieses vertraue ich, ans dieses, da der Hohepriester am Versöhnungstage in das Allerheiligste einzieht." Durch die Tage der Buße und der Einkehr bei uns selbst, die der Allgütige in seiner Gnade uns verliehen, ist der ewige Bestand Israels gesichert. Der Mahnruf dieser erhabenen Tage klingt auch in den Herzen derer an, die sonst im Leben der heiligen Religion Israels entfremdet sind. So ist denn gleichsam eine Handhabe geblieben, an welcher die abgefallenen Sünder zu Gott znrückgeführt werden können. Kinder, die im Elternhanse den heiligen Sabbat gleich einem Werktage behandelt sehen, die dem gesammten jüdischen Leben entfremdet sind, erfahren durch das Neujahrsfest und den Versöhnuvgstag, daß sie Juden sind und als solche besondere Pflichten gegen Gott haben. Dadurch ist die Möglichkeit geboten, daß sie trotz Allem einst den Weg zurückfinden werden zu unserem Vater, im Himmel. Gott ist mein Licht — am Neujahrsfeste, und meine Hilfe — am Versöhnungstage, und wenn der Ankläger mit gewichtiger Klage tritt vor Gottes Thron, so brauchen wir dennoch nicht zu verzweifeln; denn die heiligen Seraphim rufen: Führe uns, o Ewiger, zu Dir zurück, und wir werden zurückkehren. — Die Rückkehr zu Gott, zu der der Versöhnungstag die Gesammtheit Israels aufruft, ist die Bürgschaft unserer ewigen Dauer. Es ist wahr, Israel erträgt nur schwer die Freiheit und das Glück, Sünde und Abfall sind oft mächtig in ihm; aber niemals wird es seiner hohen Aufgabe ganz entfremdet werden. Daher ist nicht berechtigt die Frage: Warum Haft Du das Meer vor