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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1265 voranleuchteude Beispiel rückhaltloser Hingebung an den Willen Gottes gaben. > Wenn daher der Hall des Schosar au die Pforten der verhüllten Zukunft schlägt, zieht alljährlich ein Hauch von aller Vätergröße durch die jüdischen Reihen, ergreift die Väter, ergreift die Söhne, begeistert die Großen und entflammt die Kleinen, würdige Nachkommen solcher Ahnen zu bleiben, und es zu werden, insofern sie diesem Ahncnideal bis jetzt noch nicht entsprochen: Sie blicken empor zum Gott ihrer Väter, der noch ihr Gott, der noch des Bundes eingedenk ist, welcher das Geschick des spätesten Enkels an den ältesten Urahn knüpft; ihr Schofar gewährleistet es ihnen, daß sic nicht erfolglos ihren Vater suchen, daß ihr Blick dem scinigcn begegnet. In derselben Stunde, in welcher der Schofar seine Weihe als Gottessignal für Israel erhielt, wurde ihm auch dieser fürsorgende Gottesblick nNT 'n für alle Zeiten verheißen. Diese fürsorgende Gottesliebe begleitete die zu einem Volke herangewachsenen Nachkommen Abrahams in das Aegypterland nud die ihrer dort wartende Knechtung, sic brach die Sclavcnketten und führte die Erlösten durch Wüsteneien und Meeresfluthen an den Gottesberg zum Gottesgesetz. Alle Wesen der Natur, harrten schweigend der Offenbarung Gottes an die Menschheit entgegen. Kein Vogel zwitscherte, kein Thier brüllte, kein Wasser rauschte, kein Lüftchen wehte, nur der Schofar begleitete die Gottesstimme, welche sich Israel mit den Wnrten verkündete: „Ich bin Gott, Dein Gott!" Seitdem ist der Schofar Zeuge der Göttlichkeit des Gesetzes, welches er mit seinen Klängen in die erschütterten jüd. Geister und Gemüther getragen, aber auch Zeuge des Eides, mit dem ihm alle eutgegengejauchzt, mit dem sie für sich und ihre Kinder gelobten, es durch jede Zeit und jedes Geschick mit treuer Hingebung zu tragen. — Mehr als drei Jahrtausende sind seitdem hingegangen, und mit ihnen alle Völker und Staaten, ihre Religionen und Götzen; das schlichte Widderhorn des Abrahamsbundes aber hat sie alle überlebt, es ist ewig wie das Gesetz, welches cs brachte, und das Volk dem es dasselbe zuführte. Auch an Israel sind die Jahrtausende nicht spurlos vorübergegangeu. Es war die Fürstin unter den Völkern, und ist das am ttefsten Verachtete geworden; aber sein Schofar ging ihm für jede bedeutsame Wendung seiner Geschicke voran. Unter Schofarklang vollzog cs die erste Besitzergreifung des ihm von Gott zugewiescueu Landes und der Schofarmacht des Kriegsgctümmels mußte es weichen, als es Land und Tempel wieder einbüßte. Aber auch ohne Land und ohne gemeinsam nationales Gottcsheiligthum, hat sie mit Gottes Gesetz auch Gottes Schofar in die Zerstreuung begleitet, in keiner Selbstständigkeit und keiner Abhängigkeit, in keiner Stellung und Lage hat sie das Gottcssignal, Haben sie ihren Schofar verlassen. Diese tröstliche, geschichtliche Thatsachc hat in dem Schofargcsetz ihren positiven Ausdruck und ihre tiefe Begründung gefunden, pynm pypim pypin •;E;rnnN 'nmy? '-12 piviy Wenn der Schofar im jüdischen Kreise in jeder Lage und jeder Stellung ertönt, dann hat dieser Heroldrnf des Gottesgesetzcs damit die Verführung entwaffnet, welche ihre Künste gegen den gotttreuen Gehorsam richtet. Diese Verführung vindicirt sich und ihren gottentfremdetcn Zielen Leben und Lebensdauer, während sie Gott und sein Gesetz unter die Tobten wirft und den GotteSgehorsam als „überlebt" verhöhnt. Ihr ist genießen, leben; sie nennt diejenigen, die ans ihrem Taumelkelch der Lebenslust den Todcstrnnk schlürfen: „Lcbe-Männer," während sie der Gesctzestrene und ihren Jüngern die Lebensfähigkeit abspricht, obwohl vier Jahrtausende diese Keckheit Lügen strafen. Das Gegcnthcil ist die Wahrheit. Verführung und Leidenschaft such die Boten des Tobten. «in ynn tip «in ptrn drin rvwsn “|«m Mit dem Gottesgcsetze brachte der erste Schofarruf, der das jüdische. Ohr traf, die Befreiung von alten irdischen Mächten, macht es min frei, selbst vom Tode frei. Seitdem gibt es einen Kreis auf Erden, über den der Tod keine Gewalt hat, weil die Verführung nud die Leidenschaft dort keine dauernde Macht mehr haben und diese Ohnmacht tritt alljährlich zn Tage, wenn das alte Schofarsignal ertönt und in jeder Lage und Stellung das treue Festhalten am Gottesgesetz constatirt. jetwi n« 'smyo ivw njrpn. Wahrlich, wenn wir cs nicht ans Verheißungen der Propheten wüßten, welche einigende, verbrüdernde Kraft dem Schofarruf innewohnt, unter dem sich, wenn einst der große Schofar ertönt, alle Verirrten und Versprengten vom Assyrernud Egypterland wieder zusammensinden, das Wnnder, das der Rösch-Haschauah-Schofar alljährlich vor unseren Augen bewirkt, würde uns diese Schofarmacht ahnen lassen, wenn sie auch nicht durch Gottes Wort uns verbrieft wäre. Was keinen Zeichen der Zeit, keinen noch so wuchtigen Schicksalsschlägeu gelingt, dem Schofar gelingt das alljährlich aufs neue sich vollziehende Wunder, die verirrten und versprengten Brüder einmüthkg zu sammeln, um den Gottesruf zuhören, dem sie sonst Ohr und Herz verschließen. Er ist unter den tausenden von Fäden, mit welchen?

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