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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1264 „Neformirtcn" ihnen sogar das Schweinefleisch verthcucrn, das doch bekanntlich die conservativcn Elemente unserer Glaubensgenossen gar nicht berühren. Also Reformen sind auch keine Gegengifte für die zahllosen, unsäglichen Eutcrbculen des antisemitischen Podagra! Nicht einmal „gothische" Synagogen können unseren Erbfeind versöhnen. Da hat sich ein hiesiger Verein einen herrlichen prachtvollen Tempel erbaut. Sowohl die äußeren Ornamente und Verschönerungen dieser Synagoge, als auch die inneren kunstvollen Einrichtungen derselben entsprechen vollkommen den riesigen Anforderungen der modernen Baukunst. Der Erbauer dieser Synagoge Herr Architekt Fleischer (Israelit) hat also mit diesem gothischen Meisterwerke bewiesen, daß auch die Israeliten den modernen Künsten nicht feindlich gegenüber stehen. Der Tempel faßt ungefähr 500 Personen. Ein leidlicher Umstand für die hohen Festtage, die bekanntlich bei unseren „Großen" als ein.jour fix beim „lieben Herrgott" betrachtet werden. Die Wochen- und Sabbattage begrüßen in diesem Bezirke nur leere Bänke, was also für den Prediger und für den schönen Ehor mit ,,O rg elbeg leitnng" allerdings nicht angenehm sein kann, aber nod) unangenehmer ist der ganze Ban den Antisemiten dieses Bezirkes, deren Ehef Pattai bei der heurigen Gemeinderathswahl einen so glänzenden Durchfall erlitten hat. Die schön „gallonirten" Herren Tempeldiener dieses Bezirkes werden also eine passende Gelegenheit haben, den Herren Antisemiten von Mariahilf die Ordnung aufrecht zu erhalten, falls der Synagogenvorstand das Gesuch der Antisemiten bejahend erledigen sollte. Man will nämlich aus guter Quelle erfahren haben, daß die „Pattaianer" in Ermangelung eines geeigneten Lokales die Absicht haben, die Mariahilfer gothische Synagoge als Versammlungsort zu benutzen und zwar will diese schlaue Rotte beim ersten „Orgeltone" eines jeden Sabbatgottesdienstes zusammenkonnneli, damit die Herren Synagogenvorsteher von Mariahilf wenigstens in der neue»». Synagoge jenes Geld ersparen könnten, das alljährlich für 10 Leute ausgcgebeu wird, die täglich, besonders Samstag in den Tempel gehen „müssen", weil sie für das Beten einen guten Sold in klingender Münze erhalten. Vielleicht möchten gar die Herren Antisemiten billigere „Betkräste" liefern? Ein Umstand, der nicht übersehen werden soll; denn die Herren Mitglieder des Mariahilfer Tempelbauvereins haben ja ohnedies die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Die Gesammtkosten waren auf 70,000 fl. veranschlagt und jetzt erst kostet diese schöne „Gothik" 130,000 fl. Wir wünschen es also unseren Glaubensgenossen mit aufrichtiger Theilnahme, recht bald diese Schuld zu begleichen, sonst ergeht es ihnen wie dem ehemaligen, polnischen Tempel in der Leopoldstadt, der jetzt ein schönes, großes Glaswaarcnmagazkn bleiben muß. Sic transit gloria mundi! (Schluß folgt• Schofar. > , Von Rabbiner Dr. Ehrmann. IH. Man hat die Schofartöne vielfach auS ihren Namen uub Weisen, zu erklären und ihren Eindruck auf Geist und Gemüth des Hörers danach festzuzustellen versucht. Man hat sich dabei auf ein Gebiet begeben, auf dem der Phantasie und der Willkühr ein großer Spielraum überlassen bleibt. Aber selbst zwischen den nüchtern und sachlich gehaltenen Untersuchungen dieser Art und den Tönen selbst besteht immer noch eine Kluft, die wohl wenig ausgefüllt oder auch nur überbrückt wird, als menschlicher Einsicht je die vollständige Begründung irgend einer Mizwah gelingt. In Wirklichkeit dürfte aber auch keine noch' so vollendete Deutung der Schofartöne ihre Tiefe nachhaltiger zum Bewußtsein bringen, als dieThatsache an und für sich, daß an der Schwelle des neuen Jahres, diese von Gott gebotenen Klänge im jüdischen Kreise zu jedem seiner Glieder sprechen sollen. Sie sind nicht nur der laute Jubelruf derjenigen, die sich am Tage des Weltengerichts frei von den Gewalten und Mächten wissen, welche alle übrigen Wesen beherrschen, sie 'sind nicht nur der alljährlich sich erneuernde Huldigungsgruß, mit dem sie Gott als ihrem Vater und König huldigen, sondern DD1? nvr nyrn der Teruahtag und seine Schofarklänge, sind, wie das Gotteswort läutet. Euer eigenstes Eigenthum. Die ganre jüdische Geschichte, von ihren ersten Anfängen bis zu ihren fernsten, letzten Zielpunkten erscheint so durchwoben und getragen von dem Schofar und seinen Klängen, daß sie sich geradezu als der große, weltgeschichtliche Text zu diesen. Tönen begreifen läßt.. ..... .' V„;;i Schon das Instrument, für welches die Vätersitte das Widderhorn empfiehlt, führt die Ueberlie-- ferung auf den ersten Judenauf Abraham und die Akedah, also auf den Moment zurück, in welchem Vater und Sohn das allen folgenden Generationen

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