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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1257 Grenze des heiligen Landes dem Gottesvolke sein Gotteserbe streitig machen wollten. (Josua Cap. 6). Vor diesen Tönen fällt noch heute die Scheidewand, die Abfall und Leichtsinn im Laufe des Jahres zwischen Israel und seinem himmlischen Later anfthürmen möchten. Und wenn cs auch den Versuchungen des Lebens, von denen ja jeder Tag des langen Jahres, seine neuen, eigenartigen brachte, wirklich gelungen wäre, den Gottesbund zu lockern, und uns lauer und gleichgiltigcr für die Erfüllung unserer Kindcspflicht zu machen, der Schofarrnf am Rösch Haschanah führt alte wieder zurück, zur verlassenen Pflicht, zu unserem Vater, den wir vergaßen, der aber uns nicht vergaß, der auch dem Fernsten, Vereinzelten nachgcht und Niemanden in's Leben entläßt, bis die Töne, die das Ohr vernommen, auch Geist und Gemüth ergriffen haben. Tiefe Rückkehr zu Gott nzvirn und die Bitte vor seinem Antlitz, die verfehlte Vergangenheit zu sühnen, und für das neue Leben im neuen Jahre die Einsicht und die Kraft zu gewähren, voll und ganz unserer Pflicht zu genügen n7Cn, mit dem festen Vorsatz eines pflichtgetrcucn Lebens von »im ab für alle Zeiten, die uns auf Erden beschicden ist npnü, diese drei inhaltschwcre Worte mit ihrer tiefen, das ganze Menschenleben umfassenden Bcdeuttmg sind cs, die den Dreiklang des Schofar in Töne kleidet. Der Jude, der von ihnen durchdrungen ist, unterscheidet sich äußerlich nicht von dem, welcher ihnen Ohr und Herz verschließt. Leben und Tod, Rcichthnm und Armuth, Gesundheit und Krankheit tteten an den Pflichtteilen Juden so oft heran als an den pflichtvergessenen. Aber den Inden, der weiß, daß jedes Verhängnis; ihm von Gottes Vatcrliebe beschicden ist, macht kein Mangel arm, keine Krankheit verbittert, wie ihn sein Sterben nicht zum Tode, sondern zn neuem Leben führt. Die rhu nehmen die Schofartöne und das durch sie angeregte pflichtttcuc Leben nicht hinweg, aber sie thun mehr als dies. Tie mu bleibt, aber sie nehmen ihr den Stachel, an dem andere verbluten, sie lernen heiter erttagcn, was andere verzweifelt zu Boden wirft, mun jn P'-P-- (Siche Schluß in der zweiten Beilage.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. O e st e r r. -Ungar. Monarchie. Arad. Die Gebrüder Neumann stifteten zum Andenken an den Besuch, den der Kaiser von Oesterreich ihrer Fabrik abstattcte I0,fl00 fl. mit der Bestimmung, daß die Hälfte der Zinsen alljährlich am Jahrestage des Besuches an fünf Gewcrbschüler, die andere.Hälfte an beschädigte Fabriksarbcitcr oder deren Familien vcrtheilt werden. F r a n k r e i ch. Paris, im September. Wenn ich und andere Berichterstatter Ihnen von Paris G. s. D. meistens gute Nachrichten miltheile, so bcdanre ich außerordentlich, mich heute gezwungen zu sehen, Ihnen über die wahrhaft schrecklichen Verhältnisse betreffs Ausübungen der jüdischen Funktionen Mitthcilung machen zu müssen. — Ich behalte mir vor, über andere Punkte später zu berichten und greife heute nur zn einem der wichtigsten, der Funktion der Mohclim. — Wenn es vor Allem ja schon mißlich ist, daß sich fast alle hier sungircndc Mohelim für das Beschneiden bezahlen lassen, so mußte man doch bestimmt voranssctzcn können, daß die sich mit diesem Geschäfte befassenden Leute, in jeder Weise hierzu eignen; d. h. in erster Linie auf religiösem Gebiete dazu würdig sind. — Dem ist aber leider nicht so. — Und zwar trifft den größten Thcil dieses MißstandcS das Con.slstoirc, welch letzteres über die Mohclim, d. h. deren Ernennung zu bestimmen hat. — Unter Anderen hat das Eonsistoirc vor ca. 2 Jahren einen Tr. Z. (Arzt) als Mohel ernannt, der in den Augen aller Klarschendcn absolut hierzu nicht passend ist. — Davon abgesehen, daß diesem Arzte in einer Provinzialsiadt vor einiger Zeit ein Unglück paffirt (d. h. ein Kind, das derselbe beschnitten, hat sich verblutet und ist gestorben), ist dieser Herr beinahe gar nicht Jude (derselbe fährt und raucht an Sabbat, ißt unerlaubte Speisen k.) — Ja, wie ich ans authenischer Quelle weiß, soll dieser Arzt bis vor einiger Zeit noch nicht einmal Bcrocho bei Vornchmnng dieses Aktes gesagt-haben; erst nachdem demselben der Wink gegeben wurde, daß ihm cvcnt. das Amt entzogen werden könnte, hat sich dieser.Herr hierzu bewogen gefühlt. — Ich bin sicher, daß inan ganz gewiß andere, religiöse Leute fiubcii könnte, die diesen wichtigen Akt vollziehen würden; das Eonsitoire, das leider sehr wenig auf die Religiosität seiner Beamten sieht, dürfte doch endlich cinschen, daß es für sein Geld zum wenigsten andere Ansprüche machen kann. — Ich hoffe, daß diese Zeilen dazu beitragen werden, den erwähnten Mißstand zn beseitigen. Paris. Bei Gelegenheit der Verhandlungen über das Eheschcidungsgcsctz in der Tepntirten-

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