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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1256 mlllg dar, welche alter Berechnungen und Konstellationen spottet, die sonst überall auf Erden maßgebend sind; ohne irdischen Halt, ohne materielle Stütze, ohne alle jene Voraussetzungen, aus denen sich sonst Staaten und Völker zu ihrer Blüthe entwickeln, steht es himmelhoch über allem physischen Zwang, der die übrige Welt beherrscht. Es hat Jahrzehnte lang mit Millionen Seelen ohne Scholle Land und Eigenihnm in der Wüste gelebt, gespeist von Gottes Brod, getränkt von Gottes Trank, geleitet von Gottes Wolken- und Feuerzeichen; cs lebt mm schon Jahrtausende in der „Wüste der Völker" — wie sein Prophetenwort die Zerstreuung Israels über das weite Erdenrund nennt, mtb tritt bei der Verkümmerung alter Existenzbedingung, bei der Verhöhnung aller angeborenen, natürlichen Menschenrechte, die es erträgt und überdauert, als lauter Zeuge für die alte, von seinem scheidenden Führer und Lehrer mithinansgegebene tröstliche Wahrheit ein: „Euch, die Ihr mit Eurem Dasein nicht au der Natur und ihren Gesetzen, sondern nmnittelbar an Gott und seinem Willen hänget, Euch allen ist in Folge dieser Stellung ewig unverlierbares Leben zngesichert. o*\n c"n '8 'he c'Enn crm „Das; Du nicht Dein Auge himmelwärts hebst" — lautet daher die an diese Verheißung geknüpfte Warnung —- „die Sonne siehst, den Mond, die Sterne, das ganze Heer des Himmels, und Dich verleiten lassest, Dich ihnen niederzuwerfen und sie zu verehren. Diese hat Gott allen Völkern unter dem ganzen Himmel zngewiesen, aber euch hat Gott heransgegrisseu, hat euch aus dem eisernen Läuteternngstiegel aus Mizraim geführt, sein zu werden, znm ihm eigenthnmlichen Volke, wie ihr es bis ans diesen Tag geblieben seid. (V. B. M. IV. 19.20). An diesem Tage daher, an dem alle Körper des Himmels und der Erde, alle Mächte der Natur und ihr Einfluß auf die Menschenwelt, aufs neue für die nächste Jahresspanne ihre Bahnen vorgezcichnct erhalten, in der Stunde, in der die Würfel darüber falten, in welches Volk, in welche Hütte der Tod, das Leben, die Fülle oder der Mangel einkehreu, wo das Wasser, wo das Feuer, wo Schwert, Hunger, Dnrst, Sturm und Krankheit in die Menschenkreise dringen werden, wer in sorgloser Ruhe und wer in nnstäter Irre leben, wer in die Tiefe geschleudert, wer in die Hohe gehoben werden soll, an diesem Tage, an dem selbst jene machtgegürteten Gottesboten zittern, und sie Schreck und Beben bei dem Bewußtsein erfaßt und et* 82 mn daß auch für sie der Tag des Gerichts gekommen, an diesem Tage hebt sich der Blick des Juden hoch über das Getriebe der ihn umwogenden Welt, hinauf zu Gottes Laterliebe, und kleidet den Segen in Worte, der sich in der Pflicht beendet, "isisr yiCw'? heute den Schofarruf seines Gottes zu vernehmen. Während alle vor der gigantischen Gewalt der elementaren Mächte, denen sie sich überantwortet fühlen, bangend in die verhüllte Zukunft blicken, dankt es der Jude seinem Gotte, daß er ihn nicht nur am Leben, sondern auch aufrecht erhalten, während sich alle zitternd beugen, und ihn so die Zeit erreichen ließ, in der ihn der Schofarruf seines Gottes wieder grüßt. '8 -icic* *?'p2 ‘n njrnrc Dieser Theruahruf sagt dem jüdischen Ohr, das er trifft: Es gibt eine Macht, die alle übrigen. Mächte um Hkmmelsfernen überragt, es ist die Allmacht Gottes, '8, welcher dieser Ruf entstammt. Es gibt eine Liebe, die allen Gewalten der Erde überlegen ist, es ist Gottes Vaterliebe, 'n, die mit dem Schofarton ihre Kinder aus höchster Himmelshöhe zu sich ruft. An diesem Nus wird die materialistische Lüge zu Schanden, die alles Uebersinnliche leugnen und nur dasjenige als zu Recht bestehend erkennen und anerkennen mochte, was mit den Sinnen gesehen, gehört und betastet werden kann. Dieser 9luf, der dem jüdischen Sclaven die Freiheit, dem Besitzlosen sein Eigcnthum wieder gab, sprengt noch heute die Baude, in welche knechtische, blinde Naturmächtc vrrgötternde Furcht, den znr göttlichen Freiheit berufenen Menschen schlägt. Er weckt das Bewußtsein von Gott wieder, der unser König ist, und wandelt den scheu zitternden Knechtsinn, in lauten, heiter singenden Jubel um. nm nc? nor, nor '8. Vor allem aber garantirt dieser Ruf die ungemeine innige Beziehung, welche zwischen Israel und seinem Gotte besteht. Als diese Beziehung im nichtjüdischen Kreise znm ersteumale allen offenkundigen Thatsachen zum Trotz geleugnet werden sollte, als der Moabiterkönig den heidnischeik Seher zum Mundstück dieser Leugnung machen wollte, sprach er ihm von einer hergelaufenen Volksmasse, die heimathlos aus Egypten gelvandert sei, und sich nun vor ihm niederlassen wolle. Aber Bileam muß ihm das harte Wort sagen: 272''! 78 L"8 8> Gott läßt sich nicht wie ein Mensch von seinen Plänen abbringen. Er sieht nur einmal weder sittliches noch sociales Gebrechen an Israel. 2u hast es für eine führerlose Masse gehalten, aber sein Gott ist sein Führer und König, dafür zeugt seine Ter nah, die in ihrem Kreise tont, wenn er auch äußerlich nicht sichtbar ist. *n n -|?d njmm, loy 8. Vor diesem Ruf sielen die machtstolz znm Himmel emporragenden Festungsmauern, welche an der

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