Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 75-76 (18.9.1884)
- Date
- 1884-09-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ffXV. Jahrgang. * * Erste Beilage M Ur. 73 $c 76 des Israelit. Leitender Artikel. Schofar. Von Rabbiner Dr. Ehrmann. H. Nach unwandelbaren, von Gottes Allmacht vorgeschriebenen Gesetzen, walten und wirken alle Kräfte und Erscheinungen im gesammten Universum. Die Himmelskörper ziehen ihre unermeßlichen Bahnen nach diesen Gesetzen, von ihnen wird der Wechsel im Leben der ganzen Natur bedingt, wie alle menschcugesellschastlichen Verhältnisse durch sie beherrscht werden. Die Gesetze Watten blind, vollziehen sich mit eiserner Nothweudigkeit, aber ihr Einfluß ans die Menschenwett und jedes einzelne ihrer Glieder bleibt Gegenstand göttlicher Bestimmung, die alljährlich um die Zeit erfolgt, in welcher sie einst mit der ganzen fühlbaren Schöpstmg ins Dasein traten. Die Sonne sendet — um dies an einem Beispiel zu veranschaulichen — ihre Strahlen nach bestimmten Gesetzen zur Erde, ebenso erfolgen die aus den verdunsteten Waffermaffen als Regen zu Boden fallenden Niederschläge, nach feststehenden Bestimmungen. Kein Sonnenstrahl und kein Regentropfen fällt mehr oder weniger zu Boden, als "diese Gesetze erfordern und gestatten. Sind nun Sonne und Regen die Faktoren, die Fülle und Mangel, Gedeihen und Verkümmern des Bodensegens bedingen, so wären Ueberflnß und Dürftigkeit dem Ungefähr blind würfelnder Naturmächte Liberantwortet, wenn Gottes Bestimmung hier nicht eingriffe. Aber auch nach diesem Eingreifen fällt kein Sonnenstrahl und kein Regentropfen mehr oder weniger zur Erde. Aber ob Regen und Sonnenschein auf Sand- und Wafferwüstcn, oder auf von Menschen angebauten Boden niederfallen, welch es Land, welcher Boden und in welchem Maße er von ihnen befruchtet wird, ob sie zum Segen oder zum Fluche werden, das bleibt Gottes erziehender Wallung Vorbehalten, die je nach dem sittlichen Verhalten der Menschen ge- *) Eine ausführliche Begründung dieser Sätze enthält die treffliche Abhandlung: „Der pädagogische Werth des Juden- Ihums" von Rabb. Hirsch, in der Gnladungsschrift der Unterrichtsanstalten der isr. Relig.-Gefellschast zu Frankfurt« M. 1873. währt und versagt.') Die Zeit, in welcher der Vater der Menschheit* diese Bilanz zwischen ihrem sittlichen „Soll" und ihrem irdischen „Haben" zieht, in der „die Bücher des Lebens und Todes offen vor ihm liegen", diese Zeit ist eben der pn ov, ist, wie wir auf Grund unserer Uebcrlicfernng wissen n:irn Es ist der Tag des Gerichts, nicht etwa nur für den jüdischen Kreis, sondern '»a i D'nz'iy D'7'i)?, alles Sterbliche zieht an seinem prüfenden Blick vorüber. Die sittliche Menscheuthat erscheint an diesem Tage, als das allein Entscheidende, als das einzige Absolute. In ihrem Dienste steht die gesammte Natur mit ihrem ganzen, aus. der fernen Schöpfnngszeit stammenden Getriebe von Kräften und Gebilden. n'J'iy ntfyo int nn« mp ms' *?r np'.D’i. „Die Thät der Welt ist der Gegenstand Deiner Erwägung, und Du beauftragst mit ihrer Vergeltung alle Geschöpfe der Urzeit." Während so für die gesammte Menschheit die sie umgebende Natur als die Vollzieherin des göttlichen Richtcramtes bestellt ist, sind Länder und Staaten, Völker und Individuen mit ihrem Leben und Geschick mittelbar zwar Gott, aber unmittelbar den blinden Mächten der Natur unterstellt. Sie können für ihren Bodenscgen nicht des Bodens, für ihr Gedeihen nicht der Bedingungen entbehren, an die jede gedeihliche Entwickelung naturgemäß geknüpft ist. Die Thatsache hat zu der heidnischen Vergötterung der Natur geführt, die den Heiden des Alterthums Sonne, Mond und alle gewaltigen Himmelskörper göttlich verehren ließ, wie das moderne Heidenthum unserer Zeit die Wissenschaft der Natur, ihre wirklichen und vermeintlichen Gesetze zu seiner (Gottheit erhoben hat. Höher als diese mit uugcwaltiger Macht wirkenden Gesetze der Natur, dieser mächtigen Dienerin Gottes und Vollstreckeritt seines Willens, steht aber das Gesetz, welches Gott seinem aus der Menschheit erkorenen Volke selber ertheilt hat.-) Während alle Kreaturen dem eiserenen Gesetze der Natur untergeordnet sind, bietet die Entstehung, Erlösung, Erwählung und Erhaltung dieses Volkes von seinem ersten Ursprung bis auf diese Stunde, eine Erschei- 2)Vergl. Psalm 93, V. £«. 5: 'tiv? crvnn cm co mSpa^ *üo w:nj T>my 'n cvra vis* c