Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 75-76 (18.9.1884)
- Date
- 1884-09-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1254 begann der Donner zu rollen und funkelnde Blitze zogen hernieder. Aus der Kajüte herauf ertönte der Jammer der Frauen und Kinder. Da, ein furchtbarer Krach, ein betäubender, schwefellicher Dunst, und das Schiff, vom Blitze getroffen, stand in Hellen Flammen. „Wir sind verloren," schrie der Eapitän, „die Bote herbei!" Sogleich wurden die Bote herabgelassen. Alles drängte sich zu denselben, und in wenigen Minuten waren sie mit Menschen angefüllt. Auch Ludwig wollte in eines der Bote steigen; ein Matrose hielt ihn zurück. „Es ist überfüllt," sagte er, „Sie würden den Untergang der Andern beschleunigen und selbst mituntergehen." Fcldmann, der vom Boote aus den Vorgang mitangesehen, rief höhnend: „Beten Sie doch zu Gott, Mr. Bär, der wird Sie ans dem brennenden Schiffe dem sichern Hafen zusühren." Ludwig antwortete nicht; aber er betete mit heißer Andacht: „Herr, mein Gott," sprach er, „Du bist allmächtig und vermagst Alles, rette mich und laß mich dieser Gefahr entrinnen, auf daß ich Dir danke und Deinen Ruhm verkünde auf Erden. Nicht um nieinetwillen erflehe ich Rettung, sondern um Deines heiligen Namens willen! Siehe, zu Hause wartet mein mit Sehnsucht die geliebte Braut, und wenn ich stürbe, so würde sie ihr ganzes Leben im unendlichen Schmerze vertrauern!" Neben Ludwig waren Grünhut nebst Frau und Kindern niedergekniet. „Allmächtiger Gott," flehte Grünhut, „schenke uns das Leben, und wir werden niemals mehr Deine heiligen Gebote übertreten!" Das Unwetter wurde immer stärker: ein furchtbarer Schrei erscholl — die beiden Bote waren umgestürzt und die Insassen in den Wellen begraben. Auch die auf dem Schiffe Zurückgebliebenen sahen den baldigen Tod vor Angen. Mit lauter Stimme begann Ludwig die Sterbegebete zu beten, in welche die Familie Grünhut miteinstimmte. „Der Ewige ist GotU " Ein lauter Krach, das Schiff war geborsten und versank. Ludwig hatte seine Oberkleider und seine Stiefel abgeworfen. Er war ein guter Schwimmer und suchte sich auf der Oberfläche zu erhalten. Es gelang ihm, einen vom ihm losgelösten Balken zu erfassen und ihn fest zu umklammern. Der Sturm ließ nach und die Sonne durchbrach die Wolkendecke. Eine halbe Stunde lang »lochte Ludwig aus dem Meere umhergetrieben worden sein. Schon verließen ihn die Kräfte. Da, war es eine Sinnestäuschung? Ersah, wie Männer in einem Boote aus ihn zuruderten. Nach wenigen Minuten fühlte er sich ersaßt, und in das Boot gehoben. (Fortsetzung folgt.) HHJ-S MW Steh'st zitternd Du vor Gott im Sterbekleide, Und fühlst Du, daß sich Deine Waage senkt. Tönt Dir ein Hoffnungsstrahl in düsterem Leide: Ich wende ab, was Böses Dir verhängt. Was Bös's Du that'st, ich sühr's zum guten Ende, Und feinem Frommen wird Dein Lohn zu Theil, Schwer bin ich zwar, o Menschensohn, vollende; Kein Blulneupfad führt Dich zum ew'gen Heil. Ion. Lehmann. Auflösung erfolgt in Nr. 77. Die Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 23. September zugegangen, in der folgenden Nummer veröffentlicht. Auflösung des Näthfels in Nr. 73: (Böselvicht) yvi — irA (Reichthum). Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Lebert eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nmnmer. Hierzu drei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit* gr. Bleiche 4L. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz.