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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1253 Amerika ausgewandert waren und jetzt als wohlhabende Leute in die alte Heimath znrückkehrten. Zu seinem Bedauern bemerkte Ludwig, daß diese Leute während ihres Aufenthalts im fernen Westen dem Judenthume oder vielmehr den Pflichten des Judenthums ganz entfremdet worden waren. „Sehen Sie, Herr Lar," sagte ein aus Böhmen stammender Herr, Namens Grünhut, „es war gar nicht möglich. Als armer Junge bin ich nach Amerika gekommen und mußte als Peddlcr*) durch das Land ziehen. Weit und breit wohnten keine Juden. Woher hätte ich da jüdische Speisen nehmen sollen? Später ließ ich mich in einer kleiner Stadt in Maffacusets nieder und verheirathete mich. Meine Frau war die Tochter eines Fleischhauers aus Bayern. Ihr war es gar nicht recht, daß das Fleisch nicht nach jüdischer Vorschrift bereitet werden tonnte. Es wohnten noch fünf jüdische Familien in meinem Orte. Wir beschlossen, einen Lehrer und Eantor zu engagiren, der zugleich die Schechitah besorgen sollte. Ein (Geschäftsfreund schickte uns einen solchen aus Ncw-Mrk. Eines Tages erhält meine Frau eine Lunge, an welcher die Flügel in ganz anormaler Weise znsammengewachsen waren. Sie läßt den Schachet rufen. — Sehen Sie einmal her, mein Lieber, sagte sie zu ihm, der Ochs war ja trepha! — Wirklich, Misses, sagte der Schochet, Sic haben Recht! Wie Sie das so gut verstehen! — Warum aber haben Sie das Stuck Vieh für koscher erklärt? — Hm, sagte der Mann lächelnd, in Amerika nimmt man das nicht so genau. — Wir schickten natürlich den Mann fort. Zwei andere Beamte, die wir nach einander engagirten, waren noch schlimmer. Dann verloren wir den Muth und stellten Niemanden mehr als Schochet an. Was hätten wir machen sollen?" „„Sie hätten sich,"" sagte Ludwig, „„gar nicht an einem Orte nicderlapen dürfen, an welchem es Ihnen nicht möglich war, das jüdische Ncligionsgcsetz zu beobachten."" „Ha, ha, ha," lachte ein Herr Feldmann, der aus Rheinheffen stammte, „Sie haben Ansichten, Herr Bär, die für Amerika nicht passen. Wir sind ein freies Volk, frei in jeder Beziehung. Die Vorurtheile der alten Welt haben für uns keine Bedeutung. Geld zu machen, das ist unser oberster Grundsatz. Wo der Amerikaner Gelegenheit findet, ein Vermögen zu erwerben, da läßt er sich nieder. Alles Uebrige ist ihm Nebensache." „„Und jetzt,"" entgegnete Ludwig, „„da Sie Ihren Zweck erreicht und als wohlhabender Mann *) Hausirer. nach Europa znrückkehren, werden Sie da wieder die Gesetze unseres Gottes beobachten?"" „Fällt mir nicht ein! Wer einmal das alte Joch abgeschüttelt hat, der wird sich nicht wieder darunter beugen. Ich wüßte auch nicht wozu." „„Sie sind undankbar gegen Ihren Schöpfer, der Ihnen so viel Gutes erwiesen hat." „Undankbar? Gutes erwiesen? Ich wüßte nicht, was ich Gott zu verdanken hätte. Was ich geworden bin und was ich besitze, ich verdanke es nur mir allein. Mit Roth und Elend habe ich Jahre lang gekämpft, habe gehungert und gedarbt, bis ich durch Fleiß, Sparsamkeit imd Ansdauer ein vermögender Mann bin geworden. Jetzt will ich mein Leben genießen und denke nicht daran, mir den Genuß durch das jüdische Religionsgesetz beschränken zn lassen." „„Ohne den Schutz und die Hilfe des allmächtigen Gottes hätten Sie nichts erworben, werden Sie nichts genießen können."" „Mein lieber Herr Bär, Sie haben Ihren Beruf verfehlt, Sie hätten Prediger werden sollen!" Die Schisfsglocke, die zum Mittagsmahle rief, ertönte. Die Herren, Damen und Kinder eilten in die Kajüte, wo die Tafel gedeckt war. Ludwig blieb auf dem Verdeck zurück. „Herr, mein Gott," sprach er vor sich hin, „luic vielen Versuchungen setzest Dn doch die Kinder Deines Volkes aus! Wie schwer wird es so Manchem, Deine heiligen Gebote zu beobachten! In der alten Heimath leiden wir unter Verfolgungen und Ausnahmsgesetzen, und im Lande der Freiheit bedrohen uns noch größere Gefahren. Heil dem Manne, der Dein nicht vergißt, dem Erdensohne, der fest an Dir hält; denn die, so Dich suchen, werden ewiglich nicht straucheln, und nimmer werden beschättlt werden Alle, die auf Dich vertrauen!" Ein schriller Pfiff ertönte. Es war ein Signal, welches den Eapitän vom Diner hinweg auf das Verdeck rief. Der Eapitän erschien alsobald. „Wir werden einen Sturm erleben," sagte er im Vorübergchen zn Ludwig. „Wollte Gott, er wäre schon vorüber." Ludwig beobachtete den Horizont, er war heiter und klar. Nur im Westen erschien ein schwarzes Wölkchen, kaum größer als die Hand eines Mannes. Aber schon regten sich die Lüfte, und die bis dahin spiegelglatte Oberfläche des Meeres begann sich zn kräuseln. Wenige Minuten nachher, war der ganze Horizont schwarz umzogen. Hoch thürmten sich die Wellen und hoben das schwankende Schiff empor, um es bald wieder kn die Tiefe zn versenken. Dumpf

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