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Der Israelit · 1884-09-18 · Heft 75-76 (18.9.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 75-76 (18.9.1884)
Date
1884-09-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1250 bei* früheren Kapitel erwähnt haben, zeigt uns, das; auch die Wahrheit um des Rechtes willen manchmal nicht zur Geltung gelangen kann. Schimeon den Schatach sah einen Mann, einen. andern mit gezücktem Schwerte verfolgen. Als er hinzneilte, lag der Verfolgte sterbend am Boden, während der Verfolger das blutgetränkte Schwert in der Hand hielt. Wer der Mörder war, unterlag keinem Zweifel; trotzdem konnte die Wahrheit nicht zur Geltung gelangen, weil das Recht zur Hinrichtung des Mörders zwei Zeugen erfordert. — Ebenso muß manchmal das Recht bei Seite gesetzt werden, um des Friedens nullen. Schimöi, der Sohn des Gera, hatte den fliehenden König David, den Gesalbten des Herrn, verflucht und gelästert; um des Friedens willen durfte der zurückkehrende, siegreiche König dem Rechte seinen Lauf nicht lassen. Joab, der mächtige Feldherr, hatte mit zwiefacher Mordthat seine'.Hand befleckt; um des Friedens willen durfte David ihn nicht bestrafen. — Auch die Wahrheit muß hin und wieder zurücktreten, damit der Friede nicht gstört werde. Viele unserer gesellschaftlichen Redensarten legen täglich davon Zeugnis; ab. Es wird uns ein Fremder vorgestellt, und die Höflichkeit erfordert, zu versichern, daß wir uns der neuen Bekanntschaft freuen, während sie uns im Grunde völlig glcichgiltig ist. Wir erhalten Besuch, der uns in wichtigen und dringenden Geschäften stört; aber wir muffen den ttnmnth hinter einem freundlichen Lächeln verbergen. Wir haben oben bereits berichtet, daß Aharon, der erste Hohepriester, jedem der Streitenden die Versöhnlichkeit des Gegners versicherte; er wich von der Wahrheit ab, um den Frieden wieder herzustellen. Das; cs auch Gelegenheiten gibt, bei denen der Friede gestört werden muß, um die Wahrheit oder das Recht, oder beide zur Geltung zu bringen, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Der Friede ist gleichsam das Gefäß, das geeignet ist, alles Güte zu umfassen; wenn cs aber gilt, die höchsten Güter der Menschheit zu erhalten, die sonst gefährde: würden, so darf man keinen Anstand nehmen, dieses Gefäß zu zerbrechen; ja, der Friede selbst, der dauernde Friede bedingt die Ausscheidung und Vernichtung der zersetzenden Elemente. Als die Kinder Israels den Töchtern Midjans nachbuhlten, da war Pinchas der Störenfried, der in seinem Eifer für Wahrheit und Recht den israelitischen Stammesfürsten und die midjanitische Prinzessin durchbohrte. Und dafür gab ihm Gott Seinen Bund des Friedens; denn der wahrhafte Friede kann nur erhalten bleiben durch die Wahrung von Wahrheit nnd Recht, wenn auch vor ihnen der Frieden im gewöhnlichen Sinn des Wortes manchmal zurücktreten muß. Die jöchste Aufgabe ist, Recht, Wahrheit und Friede tets mit einander im Einklang zu bringen. Ihr gegenseitiger Widerstreit ist immer nur scheinbar. Sollte ein solcher zu Tage treten, so inuß man sich bemühen, einen höheren Gesichtspunkt zu finden, von dem aus der Widerspruch verschwindet. Mit der Mahnung, für Recht, Wahrheit und Friede einzustehen, schließt der erste Abschnitt der Sprüche der Väter.*) Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen. Deutschland. Wreschen, 12. September. Am vergangenen Sonnabend feierte Herr Hanptlehrer Neu seid in Schrimm sein 25jähriges Amtsjubiläum. Zahlreiche Verwandte, Freunde nnd College» waren von auswärts eingetroffen, um den Tag in der Umgebung des Jubilars zu verleben und demselben ihre Glückwünsche mündlich darzubringen. Vormittags 11 Uhr begann die Schulfeierlichkeit im festlich geschmückten Schnllokalc. Ein von der Schuljugend gesungener Choral leitete die Feier ein. In ergreifender Rede entwarf hierauf der Königliche Schul-Jnspektor, Herr PastorBalcke ein Lebensbild des Jubilars, hob dessen unermüdliches Streben und segensreiches Wirken hervor und wies auf den Patriotismus hin, der in der Schule gepflegt wird. Sodann hielt Herr Goltmann als Vorsitzender des Synagogen-Gemeinde- und Mitglied des Schulvorstandes eine Ansprache. Mit beredten Worten schilderte dieser das schöne Verhältnis;, das jeder Zeit zwischen der Gemeinde nnd dem Jubilar herrschte und überreichte ihm zum Schluffe Namens des Schulvorstandes mit einem ehrenvollen Anerkennungsschreiben ein kostbares Ehrengeschenk. Herr Moritz Schreiber, als Mitglied des Fcstcomites, wies auf die Liebe hin, deren sich der Jubilar bei feinen seitherigen Schülern zu erfreuen hat, indem eine große Anzahl derselben, ja solche, die heute jenseits des Oceans wohnen, ihre Erkenntlichkeit durch Uebcrsendnng von Geschenken und Glückwünschen bewiesen hätten, nnd überreichte Namens der Freunde nnd ehemaligen Schüler dem Jubilar ein überaus *) Auch wir schließen für dieses Jahr diese unsre Abhandlungen, um sie unter göttlichem Beistände mit dem Beginne deS nächsten Sommers wieder aufzünehmen. '

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