Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1884)
- Date
- 1884-09-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1240 guten Rufes unserer Stadt, daß es der Polizei gelingen möge, die Verüber dieses abscheulichen Streiches zu ermitteln. Frankfurt a. M. Unsere Stadt, die' sich durch ihre vielem:, in großartigstem Style gehaltenen gemeinnützigen Anstalten so rühmlich auszeichnet, wird in wenigen Tagen ein neues derartiges Gebäude der allgemeinen Benutzung übergeben: den Schlachthof mit seinen Schlachthäusern für Kleinnnd Großvieh. Auf der linksmainischen Seite, in der Nähe der Obermainbrücke gelegen, nimmt derselbe eine Grundfläche von 94 3, und 30 qm ein. Durch ein großes Thor mit dem darailstoßenden Viehhof verbunden, erhebt sich neben seinem Hauptzugang, am Mainquai das Verwaltungsgebäude, in dessen Partcrrestock die Büreaux der Verwaltung und Fleischschau, sowie ein Portierzinuner und die sogenannte Meisterstube sich befinden. Darüber im ersten und zweiten Stock liegen die Wohnungen des Verwalters und Fleischbeschauers und im Dachstock diejenige des Portiers. Das folgende Gebäude ist das Schlachthaus für Kleinvieh, in welchem 12 Schrägen für das Schlachten von Hämmeln und 6 dergleichen für dasjenige von Kälbern sich befinden. Demselben gegenüber auf 20 m Entfernung steht das Schlachthaus für Großvieh mit 54 Schlachtstellen westlichem Ein- und östlichem Ausgang, einer Stube für Metzger und einer solchen für die Schächter. Bei der augenblicklich so vielfach zu Tage tretenden Agitation gegen das Schächten, ist diese Rücksichtnahme eine doppelt anerkenuenswerthe, zumal dieselbe von vornherein in den Plan des Gebäudes ausgenommen war, wie dies aus dem 1881 erschienenen Werke „Frankfurt am Main in seinen hygienischen Verhältnissen und Einrichtungen" ersichtlich ist, wo dieser nunmehr fertig gestellten Institution ein besonderes Capitel gewidmet wird. Als vor mehreren Jahren in der freien Schweiz die Agitation gegen das Schächten an dem Verhalten der Negierung scheiterte, indem dieselbe das jüdische Schlachtverfahren für zulässig erklärte, suchten sich einzelne Communen dadurch zu revauchiren, daß sie dem Schächter durch ihre Schlachthäuser Schwierigkeiten bereiteten, indem sie deren Benutzung für diesen Zweck zu erschweren und ganz zu hiutertreiben suchten. Vielleicht lernen jene Kreise aus dem Frankfurter Beispiel ihre vorgebliche Liebe für die Thiere auch auf ihre Mitbürger zu übertragen. Der Schlachthof ist nach den Entwürfen und Plänen des genialen Bauinspectors R ü g e m e r ausgeführt, und nimmt unter den vielen Bauwerken, die Frankfurt diesem im Dienste der Stadt ergrauten Künstler verdankt, eine ganz hervorragende Stelle ein. Frankfurt a. M. Auf der Oldenburger Landwirthschaftlichen Ausstellung hat der Heidelbeerwein des Herrn I. Fromm hier die erste Preismedaille erhalten. Teterow i. Mecklenburg, im September. Herr Moses Fränkel und Frau Hierselbst, feierten am 3. September c. im Kreise ihrer Kinder und Enkel ihre goldene Hochzeit. Eingeleitet wurde die Feier durch eine Morgenmusik der städtischen Kapelle. Unser allverehrter Landesrabbiner Herr Dr.Feilchenfeld, erfreute das glückliche Ehepaar durch ein prachtvolles Gratulationsschreiben. Se. K. H. der Großherzog sandte ein huldvolles Gratulationsschreiben, sowie ein großes Bild des hochseligen Großherzogs in prachtvollem Goldrahmen. Magistrat und Bürgervertretung gratulirten in corpore, worauf die Glückwünsche sämmtlicher hiesiger Gemeindemitglieder, sowie anderer Corporationen und Vereine folgten. Telegramme, Briefe u. s. w. von auswärtigen Verwandten, Freunden und Bekannten, nahmen den ganzen Tag hindurch kein Ende. Im Uebrigen wurde das Haus bis zum späten Abend von Gratulanten nicht leer und mag dies als der beste Beweis gelten, von der Einigkeit zwischen Juden und Christen hiesiger Stadt, sowie von der allgemeinen Achtung, welche das Jubelpaar sich erfreut. Und mit Recht! Denn, wo es gilt, einen Wohlthatigkeitszwcck erfüllen, ist das Fränkel'sche Ehepaar innner voran, es erstreckt sich ihre Menschenliebe auf alle Classen der leidenden Menschheit und ist ihnen Jude und Christ ganz gleich, wenn er der Hülfe bedürftig ist. Ihr Wohlthätigkeitssinn tragt beständig das Gepräge der Freundlichkeit und Milde und das Geben hat immer den Anschein, als geschehe ihnen, den Gebern, mehr Gefallen, als den Empfängern. Mit einem Wort, es sind Juden int wahren Sinn des Wortes. Es vergeht kein. Sabbat, an welchem Herr Fränkel, trotz seiner 7.8 Jahre, nicht das Gotteshaus besucht; natürlich ist an diesem Tage das Geschäft geschlossen. Am Abend des Festtages fand im Fränkel'schen Hanfe ein solennes Souper statt, welches durch Toaste ernsten und heiteren Inhalts gewürzt wurde. Beim Nachhausegehen wurde der allgemeine Wunsch ausgesprochen; es möge km Jubelpaare vergönnt sein, bei nngeschwächter Rüstigkeit seine Diamanthochzeit zu feiern.! /U I. Dudelhetm, . Cantor und Religionslehrer.