Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1884)
- Date
- 1884-09-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Txv. Jahrgang. Seilage zu Ur. 74 des Israrlit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Würzburg. Mit dein Beginne des nächsten Monats wird das hiesige Hospital seiner Bestimmung übergeben werden. — Die Spitalverwattung hat bereits die Stelle eines Hausvaters zur Concurrenz ausgeschrieben, und es wäre im Interesse der neuen Schöpfung zu wünschen, daß sich hiezu nur ganz geeignete Persönlichkeiten meldeten. — Es versteht sich fast von selbst — und in den Satzungen des Spitals ist es hinlänglich verbrieft — daß der Bewerber genügende Nachweise über sein religiösesVorleben und Verhalten liefern muß..— Da die Stelle ein Vertrauensposten ist, so wird die Spitalverwaltung sich auch über den intakten und makellosen Charakter des Reflektanten in sittlicher und moralischer Beziehung zu überzeugen suchen. — Die Stelle wird vorläufig nur in widerruflicher Weise besetzt. Wenn aber der Anzustellende obigen Forderungen entspricht, und sich durch seine Führung und gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten die Zuneigung und das Vertrauen der Verwaltnng zu sichern weiß, so kann er nicht allein viel Gutes wirken und sich große Verdienste erwerben, sondern seine Stelle wird auch sehr bald eine definitive und eine sehr lukrative werden. —nn— Mellerichftadt (Bayern), im September. Zurückgekehrt vom Besuche meines Sohnes zu Burgpreppach, sehe ich mich veranlaßt, dem Lesepublikum dieses geschätzten Blattes meine Wahrnehmungen dort über die Talmud-Thora-Schule hier niederzulegen. An der Spitze, als Begründer, Leiter und Lehrer dieser vielbesuchten Schule (63 Zöglinge), steht der hochgeachtete Distrikts-Rabbiner Herr Hirsch. Sein unermüdliches Streben, um eine bessere Jugend zu schaffen, sie jüdisch religiös zu erziehen, mit jüdischen, sowie mit weitgehenden profan-wissenschaftlichen Kenntnissen auszustatten, ist vom Ansang - bis jetzt seine Lebensaufgabe geworden und wird sie auch ferner bleiben. Er lebt nur dem vorerwähnten heiligen und edlem Zwecke, an sich denkt er nicht, denn er bezieht für seine Lehrthätigkeit keinen Deut aus den Einnahmen des Instituts. Außer Herrn Rabbiner Hirsch wirken vier Lehrer, ausgezeichnet tüchtige Lehrkräfte an dieser Schule. Zunächst ist sie eine Vildungsaustalt für jüdische Schulpräparanden; aber auch diejenigen, welche sich für den Kaufmannsstand auszubilden suchen, finden hier Grund und Boden dazu. Man nimmt sehr gern solche junge Leute, die die Schule in Burgpreppach besucht haben, als Lehrlinge ins Geschäft. Ich spreche nicht pro domo, denn ich stehe dieser Anstalt durchaus fern. Aber in Anbetracht, daß gerade jetzt die Frage an viele Eltern hcrantritt, wo man mh besten seine Kinder zur Erziehung und Ausbildung unterbringt, plaidire und empfehle ich die Talmud-Thora-Schule zu Burgpreppach. Man sollte nun meinen, daß diese so wohlthätig wirkende Schule mit den nöthigen pekuniären Mitteln ausgestattet wäre, nichts weniger als das. Viele arme Schüler werden unentgeltlich in Pension und Unterricht, soweit die Mittel reichen, ausgenommen, undsucht Herr Rabb. Hirsch dieK osten durch Inanspruchnahme der Privatwohlthätigkcit zn beschaffen. Auch in dieser Richtung erlaube ich nlir die Bitte an die '2'iz zu richten, daß wer, was im Monat Ellul stets der Fall, npim nmo ist, keinen edleren Zweck fördern kann, als erwähnte Schule zu unterstützen. Sollte ich durch vorstehende Deduktion in der einen oder andern Richtung mus1? bcigetragen haben, bin ich höchlich belohnt. Ottensoser, Direktor. Landau, 8. September. Wir haben heute leider über einen Akt der unglaublichsten Rohheit zu berichten. An der neuen Synagoge wurde heute Nacht eine Scheibe der Rosette über dein Hauptportale eingeworfcn und an dem Triumphbogen vor der Synagoge die Tücher und die Inschriften heruntergerissen und zerfetzt und erstere an der Ecke der Weißquartierstraße in der Nähe der alten Reitschule verbrannt. Hoffen wir im Interesse des