Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1884)
- Date
- 1884-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1205 zeihnng und Vergebung in reicher Fülle entgcgeubringt, Wohlwollen an Allen übt, die er aus Körper und Geist gebildet, und niemals daS Böse so hcimzahlt, wie es geübt worden; wie er uns selber die dreizehnfache Wallung gelehrt, in welcher seine Liebe sich äußert, wie er darauf das drcizehnfach geknüpfte Büudniß mit feinem Volke gegründet, dessen Geheimnis; er in grauer Urzeit schon seinem bewährten Diener mitgethcilt, als er damals in die Wolke gehüllt vor seinem Antlitz mit dem Rufe vorübcrzög: 'n 'n Gottes Liebe bleibt dieselbe, vor wie nach der Sünde, Gott ist die Allmacht, die liebe- und gnadeuvolle, langmüthig, reich an Liebe und. Wahrheit, jede Gntthat tausenden von Generationen bclvahrend, jeden Frevel ertragend tvie den Abfall und Leichtsinn, und jeden rein sprechend, der reuig zu ihm zurückkehrt. Hoch am Firmaneut glänzten die Sterne, deren mildes Licht die finstere Nacht durchdrang und die Beter geleitete, als sie die gemeinsame Stätte ihres Gebets anfsuchten. Vor dem neu erstandenen Tage haben sie sich zurückgezogen, um, wenn das Gebet der Beter erhört, am Ausgange des Versöhnungstags, die vom himmlischen Vater gewährte Versöhnung mit ihrem Lichtgruß zu besiegeln. Bis dahin aber sind es nicht nur die Morgenstunden mit ihren Selichoth, sondern alle Aenßcrnngcn des uns umgebenden täglichen Lebens, denen der Ernst des Angenbicks in seiner ganzen Bedeutsamkeit ausgeprägt ist. Der Vogel, der seine bessere, zweite Hcimath anssncht, die Sonne, die ihre lebten Gluthstrahlcn zur Erde sendet, die Blume, die ihren Schmelz ablegt, die Frucht, welche ihrer lebten Reife eutgcgcustrebt, die Stürme, welche auf ihren rauhen Schwingen, die lebten Sommcrfreuden zu entführen drohen, alle bekunden sie laut das Ende, welches der Schofar im jüdischen .Streife verkündet. Diesem Ende entzieht sich nichts. Alle sind sie dem wandellosen Gesetze des Kommens und Gehens, des Blühens und WelkenS, des Lebens und StrebenS unterworfen. Noch wenige Tage und der Vogel ist entflohen, der Sonnenstrahl i st gebrochen, die Blume ist abgestorben und hie Frucht abgefallen. Lauter tosen die Stürme über das schneeige Leichentuch des Winters hin, und Verwesung folgt ans die Vollendung, deren sich alle Gebilde der Natur erfreuten. Auch der Elul-Schofar verstummt — aber nur für einen Tag. Jedoch ans der Schwelle des neuen Jahres und Lebens lebt er als Tischri-Schofar wieder auf. Es ist der >)lnf, der das Ende überdauert, dem sonst alte Geschöpfe der Natur verfallen, es ist der Ruf, der die Gräber sprengt, weil es der Ruf ist, der Gottes Gesetz an den Menschen, der Menschheit gebracht hat. Auch der Mensch, der jüdische Mensch, zahlt mit dem, was irdisch und sterblich an ihm ist, diesen Tribut dem Gesetze der Natur. Freiwillig mahnt er sich früh und spät alle Tage des letzten Monats hindurch, durch den Schofarrnf, daß auch sein irdischer Theil dem Schicksal aller Natnrgebilde verfällt. Aber am Rüfttage zu dem neuen, von Gott gewährten LebenSanschnitt verstummt seiu Ruf dibh njrpn p p'DDnS nr imn njpprv, um den tiefen Gegensatz zwischen seinem und dem von Gott gebotenen, von Gott selbst ausgehenden Schofarrnf sich zum Bewußtsein zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Zcitttttgsnachrichte» und (Korrespondenzen. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Prag, U. Sept. Am 12. Octyber werden es gerade 100 Jahre, seitdem der als Philantrop bekannte Sir MoseS M o n t e f i o r e das Licht der Welt erblickte. Der Vorstand des neuen israelitischen Tempels z u P r a g beabsichtigt in dankbarer Erinnerung der vielen und großen Verdienste, die sich der greise Jubilar nicht nur um daSJudenthnm, sondern auch um die nothlcidende Menschheit im Allgemeinen erworben, eine humanitäre Stiftung zu errichten, welcher der Name des Gefeierten beigclegt werden soll. Bereits am Jnbeltage gelangen an l 00 Hilf sbedürftige ohnellnterschied derEonfession Geldspenden zu Verthcilnng. Die näheren Modalitäten dieser Stiftung sollen in der nächsten Vorstandssitzung den Gegenstand der Berathung und Beschlußfassung bilden. Pesth. Unlängst verbreiteten die antisemitischen Blätter Ungarns die Mittheilnng, ein gewisser Jude Namens Heinrich Hossmann in der Stadt Alberti, hätte seine alte Mutter ermordet und seinem Vater einen Finger abgcbissen. Daraus schlossen die Antiseniitcn sofort, daß ein so grausames Volk Ausrottung verdiene, als ob unter Nichtjndcn die grausamsten Mordfälle, Vater-, Mutter- und Gattenmorde gar nicht Vorkommen. Aber nicht lange dauerte der Triumph der Antisemiten, denn schon mußten die Blätter ihre Notiz dahin berichtigen, daß der betreffende Mnttermörder kein Jude, sondern von Geburt ein Ehrist sei und zu den heftigsten Antisemiten der ganzen Gegend gehöre. (P. B.)