Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1884)
- Date
- 1884-09-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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12.lt Schritt verhüllt auf Gott vertrauen, der über uns lvacht, wenn wir von den Banden des Schlafs überwältigt regungslos darniederlicgen, so ist jeder neu anbrechende Morgen die glänzende Rechtfertkglrng dieses Vertrauens, die Bürgschaft der uncrschöl'flichcnGottcsliebe 7ni>72 inaiirtti ,-pDn 7p22 i^.T7. Tritt so aber Gottes Liebe mit dem Frühstrahl eines jeden neuen Morgens in ihrer ganzen, das Universum umfassenden nrmächtigcn Waltung zu Tage — o*cmn iprsn mictfna — so begreift sich der Hinweis unserer Altvordern rb'bn oy ovn 12177, ans diesen Moment der Nacht- und Tagscheidt, als mächtig anregendes Mittel, zur Festigung unseres Gottvertranens und unserer Zuversicht auf Gottes Gnade, inüib jir: nniw ntr«, die uns so sicher verbrieft ist, wie auf jede Nacht ein Morgen folgt. Ans dieser Anschauung fließen unsere mnPD, sie sind der treue Doltmctsch aller nächtigen Schrecken, und der sie überwindenden Gottcsgnade. Diese Gnade hebt uns über Nacht und Grauen zur unverlierbaren Lichthöhe empor, wenn uns nur das beschämende Bewußtsein unserer Gesunkenheit erst lebendig geworden ist. n^Drvvi^ 1371, npiün 'n *]7. Das eine Wörtchen das unsere nin'7D einleitet, ist im Gründe genommen, die Uebcrschrift, der Schlüssel für altes Folgende. Hat der Vater der Menschheit uns ans alten Völkern herausgegriffen, hat er mit den Worten '7 vnn cnm sich mit uns vermählt, wie mit '7 die Gattin das Heilkgthnm des Gatten wird, dann kann sich die Sehnsucht, das alte locker gewordene Band wieder neu zu festigen, in keinen prägnanteren Ausdruck kleiden, als in das dem göttlichen '7 entsprechende menschliche -p, das in der üblichen Vortragsweise vielleicht auch deshalb ganz selbstständig ohne Zusammenhang mit dem Folgenden seine scharf nüancirte Betonung erhält. Und wenn unser ganzes znrückgelegtcS Leben, eine fortgesetzte Höhnnng des ernsten, heiligen Bandes gewesen wäre, über welches Gott sein '7 in der Stunde unserer Grwählnng einst ausgesprochen, in dem Augenblick, in dem uns die Sehnsucht nach diesem Bande wieder ergreift, in dem wir es uns geloben, daß uns fortan keine Macht der Erde von Gott und feinem Geseke weglocken und wcgdrohen solle, in demselben Angcnblicke, in dem wir vor Gott den ernsten Vorsatz fassen, ^7, von nun ab, Dein und nur Dein zu sein, von diesem Augenblicke an, ist Gottes Wohlwollen bereit, nns in Liebe wieder aufznnehmen. Selbst die Scham ans unserem Antlitz, weit entfernt davon nns zur Beschämung zu gereichen, plaidirt als die treue Wächterin und Schätzerin alles Guten und l5dlen, als Mahnerin und Warnerin vor allem Schlechten und Gemeinen zn unferen Gunsten. Wer sich noch schämen kann, war nach nicht völlig schlecht. Die Tugend der die sich rkncs begangenen Unrechtes noch schämen können, zählt unter die hervorragendsten, jüdischen Cardinaltngendcn. Wer sich nicht mehr schämen kan», de» wird kein Gedanke an das mit welchem Gott sein Riecht aus jede jüdische Seele geltend macht, von feinem verfehlten Leben ausscheuchen, um ein reuiges zu sprechen, ja, wer sich nicht mehr schämen kann, zu dessen Ahnen hat am Sinai jenes v niemals gesprochen! itvcn ncy «7iy yws D'io nra ü •td .in >y Vor diesem Gottesgedanken, schwindet die Nacht. In dem Augenblick, in dem nns GotteS Allmacht in ihrer ganzen Licbesgroße zum Bewußtsein kommt, wird's Helte. 137 iwi *n n. — Wer je die mächtige Innigkeit empfunden, mit welcher unser Leben und Geschick an Gottes '7 geknüpft ist, und sich's gelobt hat, mit jedem Denken und Fühlen, allem Wollen und Streben „Dein" und immer „Dein" zu sein, für den verliert das Leid sein Weh, der Schmerz seinen Stachel, vor dieser Gesinnung weicht die Nacht, jeder Gedanke, jedes Wort, jede That, die ans solch wackerem Vorsatz erblüht, ist, p'W ynt "na, ist eine in alten Lebensfnrchen gestreute Lichtsaat, ans.der ewige, ungetrübte Tageshctte erblüht: uv -p! Drückend und beengend wird der Gedanke an'Gott nur für denjenigen, der ihm nicht ganz mit allen seinen Conseqnenze» Rechnung trägt. Wer mit seinem Denken und Wollen in der Zeitlichkeit, ihren Freuden und Sorgen wurzelt, wer in erster Reihe der Welt und ihren Ansprüchen, und in zweiter Reihe erst Gott und seinen Gesetzen huldigt, wer dem Augenblick und seinen Forderungen ganz, Gott »nd seinem Willen aber nur „auch" gehört, dem wird der Gottcsgedanke durch den Lebensgennß nnd der Lebensgenuß durch den Gottesgedanken vergällt und getrübt n7'7 "|7 Deshalb ringt sich in den Morgenstunden dieser Tage das Bekenntnis; unserer nationalen und individuellen Unvollkommenheit, unserer Schwäche und Hinfälligkeit, unserer Unzulänglichkeit und Fehlbarkeit aus dem bewegten Herzen über die betenden Lippen. Aber jedes einzelne Bekenntnis;, hebt uns höher und höher, zeigt uns ndu 7y 2i2v» -po □'cm Gott und seinen aus Liebe und Erbarmen gewobenen Königssitz, zeigt nutz „Liebe" als die Signatur seiner Waltung, wie er die Verirrungen seines Voltes verzeiht, jeden Fehler zum ersten nnd zweiten Male noch übersieht, aber selbst den gewohnheitsmäßigen und principiellen Sündern Ber-