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Der Israelit · 1884-09-15 · Heft 74 (15.9.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 74 (15.9.1884)
Date
1884-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1233 Schofar. Von Rabbiner Dr. Ehrmann. (Fortsetzung.) Dem ersten Schofarton, den das jüdische Ohr traf, mußten „Tage der Abgrenzung," mußten mirno und niiripnn Absonderung und Selbstheiligung vorangchen, um die Herzen für diesen Gottesruf empfänglich und die Schofarstimme „ansprechend" zu machen. Ohne diese unerläßliche Vorbedingung der Arbeit au sich selber, wären wohl die grollenden Donner und die zuckenden Blitze, wäre Gottes und des Schofars Stimme ohne nachhalügen Eindruck geblieben; und wir konnten uns wundern, wenn Diejenigen, die zwar mit ihren Feiertagskleidern, abermtt ihren Werktagsgesinnungen wenn diejenigen, die ohne Rüste, ohne Weihe, am Jom Teruah, Tckiath Schofar hören, nicht davon angesprochen und ergriffen werden? Deßhalb begnügt sich die sinnige jüdische Sitte nicht mit dem Schofar an Rosch Haschanah, sondern schon Tage und Wochen vorher, wenn das scheidende Jahr zur Neige eilt, geht der ernste Schofarruf, der-uns am Ausgang des jüngsten Versöhnungstags in das neue Leben des begonnenen Jahres geleitet, früh und spät durch die jüdischen Reihen, weckt die Gedanken und Empfindungen, mahnt an die Vorsätze und Entschließungen, deren Zeuge er in der hehren Scheidestunde des heiligen Jom Kippur war, und die nun noch vor Abschluß des Jahres ihrer Erfüllung und Verwirklichung harren. Hier tritt der disparate Gegensatz in seiner ganzen Schärfe zu Tage, der zwischen der alten heiligen Vätersitte und der leichtlebigen modernen Unsitte besteht. Während der kritische Weisheitszahn der letzteren sich keck an die heiligsten Heiligthümer wagt, und selbst vor dem klar und bündig ausgesprochenen Gotteswillcn nicht zurückschrcckt, lagert sich jene schützend und schirmend um jede einzelne Bestimmung des Gottcsgesetzes, nur cs gegen menschliche Schwäche wie mit Schild und Panzer zu decken. Während die moderne Weisheit selbst vor dem herannahenden pnn ov ihre anmaßende Keckheit nicht verliert, und statt sich vor Gottes Richterstuhl zu wissen und Gott selber und seinen Schofarruf den pnn qv anznkündigen wagt, begnügt sich die heilige Vätersittc nicht mit der Erfüllung des Wortes njrnn ov or"? n\T, sondern sic läßt noch dem Schofar am Rosch Haschanah den Ellul-Schofar vorausgchen und stattete durch diesen ans freien Stücken geübten Brauch die Erfüllung des Gottcsgcbotcs am Rosch Haschanah rnit der wahren Weihe menschlicherHingebung an Gottes heiligen Willen aus. Au dieser freiwillig über das gebotene Maas; hinansgcübten Pflichterfüllung, wie sic die alte Bätersitte lehrt, zerschellen die flachen Versührnngskünste kurzsichtiger Wcltlinge. Der Verführer, der den Tischri- Schofar unästhetisch zu finden vorgibt, kann ihn nicht der Verachtung Preis zu geben wagen, in einem Kreise, der schon Wochen vorher freiwillig dem Elnl-Schofar lauscht; hatte doch die Weisheit der Weisen, wenn sic die Verblüffung und Eonfternirung des Verführers geradezu als eine der Ursachen des Elul-Schofars bezeichnet, auch vielleicht diese Kategorie von Verführern im Auge liub sic so schon von vornherein unschädlich gemacht. 7Y78 iytj pypm vrrir T-rrn irpnn p7 78^2" N8 Tnrrf? nr irinn 721 rutri mir 722 ne);etrn »in 22iy7 '121 '121 nr.irn iirjrir .('8Dpn #'d n"8 Hat erst der Elul-Schosar einen Wiederhall in den jüdischen Herzen gofnnden, dann gesellen sich ihm noch die Sclichoth-Tage zn, um die Geister und Gemüther für den Jom Teruah würdig vorzubereiten. Die Gedanken und Empfindungen, die sein Ruf geweckt, gewinnen in den letzten Tagen des scheidenden Jahres noch an Innigkeit und Tiefe, durch das jede Brust durchzittcrnde Sühnebcdnrfniß, welches nach einem Ausdruck in den Sclichoth-Gebeten ringt, die diesen Tagen ihren Namen und ihr eigenartiges Gepräge verleihen. Als gälte cs den ihm noch bcschicdcncn letzten Rest des scheidenden Jahres künstlich zu verlängern, finden diese Tage den Juden bereits gerüstet und mit seinen Brüdern im Gottcshanse versammelt, bevor noch der erste Dämmerstrahl des anbrcchcnden Morgens die Nacht durchdrungen. Das Bewußtsein der Verantwortung, die ihn in wenigen Tagen schon vor den Richterstuhl seines Herrn und Meisters fordert, läßt ihn nicht ruhen, und zieht mit unwiderstehlicher Macht durch nächtiges Dunkel in das erleuchtete Gotteshaus. Betend erwartet er, das Schwinden der Nacht, betend grüßt ihn der Lichtstrahl des dämmernden Morgens, und wie jede Nacht znm hellen Tagesglanz sich emporringt, so lernt er denselben lichten Ausgang für die trübste Gesunkenheit erhoffen,-die ja nie so trübe und so gesunken sein kann, daß nicht ein Strahl von Gottes Vaterliebe auf sie fiele, der neu mit jedem Morgenlicht die Zuversicht belebt, laeoirtt 1181 8'sintr. Jeder neue Morgen ist ein neuer Garant, der die Nacht und ihre Schrecken verscheuchenden Gottesliebe. Lehrt die Nacht, die den Blick umflort und den

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