Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1884)
- Date
- 1884-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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I2:i2 nicibcn lernen. Sei wahrhaft gegen Deine Mitmenschen! Lasse selbst in glcichgiltigcn Dingen kein Wort der Unwahrheit, der Uebertreibung oder der Verkleinerung der Thatsachen über Deine Lippen kommen. Wenn Du etwas versprochen hast, so halte fest an Deinem Worte und weiche nicht davon ab. Wenn Du ein Unrecht begangen hast, so suche es nicht durch Unwahrheit zu verheimlichen. Gestehe cs ein und schäme Dich dessen. Das ist das beste Mittel, die Wiederholung des Unrechts zu vermeiden. Es ist das allerdings sehr schwer und kostet manchmal furchtbare Ueberwindung. Allein bedenke, das; der Bestand der menschlichen Gesellschaft davon abhängt, daß es Menschen gibt, welche die Wahrheit über Alles lieben. Rede nicht anders als Du denkst; heuchle nicht Liebe und Freundschaft denen, die zu hassen Du Dich berechtigt glaubst. Menschen, die sich als Freunde zeigen, während sie Haß im Herzen tragen, sind für den Bc- > stand der menschlichen Gesellschaft die gefährlichsten. Wer stets die Wahrheit spricht, wird das Vertrauen seiner Mitmenschen erringen. Ohne gegenseitiges Vertrauen kann die menschliche Gesellschaft nicht bestehen. Selbst die einfachsten Verhältnisse müßten durch gegenseitiges Mißtrauen untergraben werden; Handel und Wandel würden zerstört werden, und die menschliche Gesellschaft müßte zu Grunde gehen. Sei wahrhaft gegen Gott! Bedenke, daß Er der Allwissende ist und daß Du Ihm nichts verheimlichen kannst. Das Siegel Gottes ist.die Wahrheit (Sabbat 55 a.). Gott haßt Diejenigen, die anders reden als sie.denken (Peßachim ll3lr.). Wer zweideutig spricht und dadurch seine Mitmenschen zu täuschen sucht, macht sich einer Sünde schuldig, die so schwer ist, wie Götzendienst, da er durch ein solches Benehmen gleichsam die Allwissenheit Gottes leugnet (Sanhedrin 92 a.) *) Gott verabscheut selbst dann die Lüge, wenn sie als Mittel zn guten Zwecken dienen soll; denn nach der Lehre des Judenthums heiligt der Zweck die Mittel nicht (Sabbat 149 d). Daß die Wahrheit besteht und die Lüge vergeht, ist in der heiligen Sprache schon durch die Form und die Stellung der Buchstaben angedentet, aus denen die Worte nr-8 und iptr bestehen. Das 8 steht fest auf zwei Füßen, das v ruht auf breiter Grundlage, das n steht fest auf zwei Füßen; daher kann n"D"N, die Wahrheit nicht wanken. Siehe Dir dagegen die Buchstaben in ip!?,. Lüge, an. nSü vraia ruiüo '»v, wv>e) no« ipSntn hjiSh-'i vw.'(*; •.a'VA» mäy j Das b» ist oben breit und unten schmal, p und n stehen auf einem Fuße, ja, der Fuß des p schwebt sogar in der Luft — ein Hauch, und lyv, Lüge, fällt mit. Und noch eine andere Eigenthümlichkeit haben diese Buchstaben. Das jüdische Alphabet hat deren 27 (22 Anfangs- und 5 Endbuchstaben). Davon ist 8 der erste, v der 14. und n der 27. Es find also diese drei Buchstaben so weit von einander entfernt wie irgend möglich: Der erste, der mittlere, der letzte. Die Wahrheit widersteht allen Entfernungen des Raumes und überdauert alle Entfernungen der Zeit. Dagegen befinden sich die Buchstaben des Wortes ipir, Lüge, im Alphabet ganz nah bei einander. Die Lüge verträgt kein Auseinanderreißen; sie wird bald entlarvt. 8Ettnp '8p 8*? 8'ip'ty '8p „die Wahrheit besteht, die Luge vergeht." (Sabbat 104 a.) Noch eine andere Andeutung haben weise Männer in dein hebräischen Worte r>C8, Wahrheit, gefunden, gleichsam ein Synibol der Unzerstörbarkeit und Ewigkeit derselben. Der Zahlenwerth der drei Buchstaben n"ti"8 beträgt 441, die Quersumme derselben 9. So vielfach man auch die Zahl 9 verdoppelt und vermehrt, so wird die Quersumme immer wieder 9 betragen; zweimal 9 gleich 18; die Quersumme beträgt 9; dreimal 9 gleich 27, die Quersumme beträgt 9, cilfmal 9 gleich 99, die Quersumme 18 und von dieser wieder 9; und so ins Unendliche fort. Keine andere Zahl hat diese Eigenthümlichkeit und ist damit die Unzerstörbarkeit von nv8, Wahrheit, angedentet. - Alles Nebel, das die Weltordnung zerstört, entspringt der Unwahrheit, der Lüge, während die Wahrheit die Grundlage alles Guten und Edlen ist, das die Ordnung der Welt erhält. Auch die so sehnsuchtsvoll erhoffte Erlösung wird durch die Wahrheit herbeigeführt werden, wie es Heißt (Secharjah C. 8. V. 3). . -. D'bcn' -pra Türen y'2 *?8 TQtf.'T m -; in N1822 *T im nmn m „Also hat der Ewige gesprochen: Wenn ich zurückgekehrt sein werde nach Zion und thronest werde inmitten Jerusalems, dann Wird genannt werden Jerusalem die Stadt der Wahrheit; und der Berg des Ewigen Zebaoth der heilige Berg." (Fortsetzung folgt!)