Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1884)
- Date
- 1884-09-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1221 Chronik, daß die Juden im Jahre 1401 aus der Stadt vertrieben worden feien. Von teuer Zeit an bis zu den letzten Jahrzehnten des achtzehnten Jahrhunderts scheinen sich in Eisenach keine Juden wieder ansässig gemacht zu haben. Zwischen 1770 und 1780 ließ sich der Hoffaktor Herr Mchael Rothschild aus Stadtlengsfeld hier nieder und gründete hier ein Geschäftshaus, daS sich jetzt noch im Besitze seines Sohnes befindet. Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts gesellten sich diesem noch drei Familien zu. Nachdem im Jahre 1848 die Gleichstellung der Juden mit den Bekennern anderer Confessionen im Großherzogthum Sachsen-Weimar erfolgt war, vermehrte sich die jüdische Einwohnerschaft Eisenachs durch Zuzug aus benachbarten Ortschaften, so daß am 10. December 1863 achtzehn stimmberechtigte Mitglieder hier wohnten. An dem genannten Tage constituirten sich dieselben zu einer Religionsgemeinde und wählten Herrn Salomon Backhaus zu ihrem Vorsteher, nachdem sie kurze Zeit vorher Herrn Jakob Heidungsfeld zu ihrem Lehrer und Vorsänger bestellt hatten. Beide walten noch heute ihres Amtes. Kurz nach der Constituirung der Gemeinde, im Jahre 1864, kaufte dieselbe ein Haus und richtete in demselben einen Betsaal und eine Wohnung für den Lehrer und Vorsänger ein. Der Betsaal mußte, um dem Bedürfnisse oer anwachsenden Gemeinde zu entsprechen, mehremal vergrößert werden. Nach der Proklamirung der Freizügigkeit in Deutschland erhielt die Gemeinde durch Zuzug von Außen allmählich einen solchen Zuwachs, daß sie jetzt aus 350 Seelen besteht. Der vorhandene Betsaal konnte, trotz der stattgefundenen Vergrößerung, schon seit Jahren an den hohen Festtagen die Zahl der Beter nicht mehr fassen und mußte deßhalb jedesmal noch ein . Nebensaal in Miethe genommen werden. Die hieraus entstehenden Mißstände und Unannehmlichkeiten wurden in der Gemeinde schon lange unangenehm empfunden, und bildete darum der Plan eines Synagogenbaues schon seit sehr geraunrer Zeit ein Gegenstand lebhaftester Erörterung, welche endlich im Jahre 1883 einen definitiven Entschluß herbeiführte, dem auch die rasche That auf dem Fuße folgte. Möge diese That eine Quelle des Segens für die Gemeinde werden und bleiben für alle Zeiten, und möge es dem schönen Gotteshause zu jeder gottesdienstlichen Stunde nie an andächtigen Betern fehlen! O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Krakau. Jüdenfreundliche Kundgebungen aus Galizien sind eine solche Seltenheit, daß sie registrirt zu werden verdienen. Die Lage unserer Glaubensgenossen hierzulande ist durch die eigenartigen politischen und socialen Verhältnisse, wie sie hier herrschen, eine in hohem Grad precäre. Als vor einigen Jahren das polnische Element die Oberhand gewann, schlossen sich ihm auch vielfach Israeliten an, ttotz der Warnungen, welche die besonnene jüdische Presse dagegen fort und fort erhob. Erft ganz kürzlich hat der „Hammagid" die dortigen verhängnißvollen Zustände, auf die er wiederholt warnend hingewiesen, in klarer, überzeugender Weise beleuchtet. Das Fraternisiren mit den Polen ist den galizischen Israeliten schlecht bekommen. Sie habe» sich dadurch zu den Russen, Rutheneu und Oesterreichern in eine schiefe Stellung gebracht, bei den Polen selbst aber haben sie nur Hohn und Zurückweisung gefunden. Das Polen von ehemals war den Juden allezeit fteundlich gesinnt. Die galizischen Polen haben in ihrem übermüthigen Gebühren die ihnen gewährte Autonomie dazu mißbraucht, die österreichischen Staatsgrundgcsetze geradezu zu verhöhnen, die Ruthencn den Russen in die Arme zu treiben und die' Israeliten Galiziens in schnöder Weise von sich zu stoßen. So schließt das Statut der galizischen Ackerbauvereine, indem es den „christlichen Glauben" als Aufnahmebedingung stellt, die Juden von der Mitgliedschaft aus. Diese Intoleranz hatte eine Kundgebung zur Folge, die wie eine Oase in trostloser Wüste erscheint, und die es daher verdient, weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden. Sie ist von dem Grafen Isidor Dzieduszyki an den leitenden Ausschuß in Lemberg gerichtet und hat folgenden Wortlaut: „Der Absatz des § 7 besagt, daß Mitglieder der Ackerbauvereine nur christlichen Glaubens sein können, die ein tadelloses Leben führen. Hier, meine Herren, verlassen Sie auf Grund einer mir unbegreiflichen Intoleranz das Gebiet der materiellen Interessen und betreten dasjenige der Confession. — Sie verletzen hierbei das für uns theuerste „lebendige Wort" und schaffen uns Feinde aus einem gleichgiltigcn, oft irrenden, leider bis nun unaufgeklärten Elemente — aus den Israeliten.