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Der Israelit · 1884-09-11 · Heft 73 (11.9.1884) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 73 (11.9.1884)
Date
1884-09-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sie behaupten gewiß, meine Herren, daß wir uns bei Zulassung von Personen jüdischen Glaubens in unsere Vereine dafür die ganze christliche Geistlichkeit zum Feind machen würden! Ich wage es, dem zu widersprechen. Derjenige Geistliche, ob er mm Bischof oder Vicar wäre, welcher der Aufnahme eines tadellosen Bekenners einer anderen Religion in euren Ackerbauverein entgegen sein könnte, der Ware eben hierdurch nicht mehr Vertreter der Grundsätze der christlichen Religion, welche wenigstens bis nun als der Ausdruck der Liebe und Versöhnung galt, er würde hierdurch aufhören ein christlicher Priester zu sein und sich in einen heidnischen, des Bedauerns und der Verachtung würdigen Pfaffen verwandeln. Indern der Bezirksackerbauvereirr in Krakau im Sinne des Referats seiner Commission beantragt, daß jeder Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechtes, wenn nur tadellosen Lebenswandels, Vereinsmitglied werden könne, hat er den Fehler des von Ihnen acceptirten Statuts eingesehen und sich in seinem bescheidenen Wirkungskreise auf die Höhe der durch den Zeitgeist und durch die richtige Auffassung der gegenwärtigen Lebensbedingungen dictirten civilisatorischen Ausgaben gestellt. Er hat sich damit auch Derjenigen angenommen, welche Sie, meine Herren, ungerechter Weise von der Arbeit für das Landeswohl ausschließen und hierdurch zwingen, die Einen Vereinigungen unter dem Schutze des russischen Adels zu bilden (die Ruthenen), 'und die Anderen weiter in ihrer für das Land verderblichen Absonderung zu verharre» (die Inden). Hören wir doch endlich einmal auf, uns gegenseitig, sei es wegen Verschiedenheit der Confeffion oder Verschiedenheit der Abstammung auszuschließen. " ' Wir wissen es nur zu gut, wohin wir einst gelangt sind, als wir das Princip der Religion^ freiheit verletzten, welches noch im 16. Jahrhundert als eine Bedingung der polnischen Gesellschaft swv qua non anerkannt wurde. Wie nun dürfen wir es heutzutage bei der Neige des 19. Jahrhunderts wagen, Jemanden blos deshalb aus einem zur Hebung des Landeswohls geschaffenen Vereine auszuschließen, weil er von' Gebnrt ein Masure, Jude, Deutscher, Armenier oder Ruthene ist, das übersteigt mein Verständniß. Wer in diesem Falle Pole sein wird, weiß ich nicht, und es scheint mir, daß auch Sie nieine Herren, es nicht wissen. Diese meine Worte sind weder ein Vorwurf noch eine Drohung, sondern nur eine aus dem Herzen kommende Bitte, daß Sie den der nationalen Entwickelung so sehr verderblichen und jedenfalls dieselbe retardirenden Weg verlassen und aufhören mögen, äe facto unwillkürliche Hemmnisse jenes Fortschrttts zu sein, dessen vorzüglicher Schutz und Stütze Sie in Ihrem Denken, Fühlen und Streben sein sollen." Je weniger , diese, treffenden . Worte-zur Zett Aussicht auf Beachtung und praktischen Erfolg haben, um so höher ist der Muth anzuschlagen, der es wagt, durch humane, vernünftige Erwägungen dem polnischen Zelotismus entgegen zu treten. * Für de« folgenden Theil ist die Medaetio» nicht verantwortlich. MF- Abonnements- und Jnseraten-Annahme für Frankfurt a. M. beiI. Kaüffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A. Goldschmidt, Buchhandlung, Kohlhöfen Nr. 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergaffe 7; für München bei N. Bettelherm, Färbergraben 29; für Fürth in Bayern bei M. Dörnberger, hebr. und deutsche Buchhandlung; fiir Böhmen, Mähren , und österr. Schlesien bei Jacob B Branders, Buchhandlung in Prag. : i Für Israeliten! Nürnberger Myrtheu sind nbzugrben bei Kunst- und Handelsgärtner Emil Schmdt, 4597) Nürnberg, untere Feldgasse 4.!rm rab GratulationSkarteu in größter Auswahl empfiehlt die Buch- und Papierhandlung von Sigismund Carfch in Wen. Wiederverkäufern hohen Rabatt. (4578 Lehrling gesucht für mein Schuhgeschäft, Samstag und isr. Feiertage geschloffen. Rudolf Greif, 4539 Bad Schwalbach.

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