Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1884)
- Date
- 1884-09-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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121$ unfern guten Emmerthaler Käse nicht; rümpft auch nicht die Nase, wenn ich am Sabbat Geld ausgebe." „„Weißt Du, Salomon,"" antwortete Frau Marianne, „„Du könntest ihn, wenn er unser Schwiegersohn würde, in Dein Geschäft nehmen."" „Das ist ein guter Gedanke." Die beiden Schwestern Ludwigs schienen bei der traurigen Nachricht untröstlich zu sein; aber es schien nur so. Trostreich war ihnen der Gedanke, daß sie nunmehr reiche Erbinnen seien und glänzende Partieen machen könnten. Da . sie nach den Gesetzen des Landes noch unmündig waren, so stellte ihnen das Gericht einen Vormund, der ihr Vermögen verwalten sollte. Das Geschäft mußte liquidiren. Genaue Erhebungen wurden in Amerika veranstaltet, und als es sich mit Gewißheit herausstellte, daß Ludwig Bär sich unter den Passagieren des untergegangeuen Dampfbootes „Aviso" befunden hatte, so erklärte ihn das Gericht für tobt und übergab sein Vermögen dem Vormunde seiner beiden Schwestern. Nicht lange währte es, so bewarben sich zwei junge Leute, die in M. an der Spitze eines großen Schuhwaarengeschäftes standen, um die Liebe der beiden Schwestern. Bernhard Reich und Philipp Rubiusohn waren beide Söhne vermögender Eltern und erfreuten sich auch als Geschäftsleute eines sehr guten Rufes. Den beiden jungen Mädchen gefielen die liebenswürdigen Männer, und der Vormund hatte nichts gegen sie eiuzuwenden. Bernhard Reich warb um Antonie und Philipp Rubinsohn um .Klothilde. Die beiden Verlobungen fanden an einem Tage statt. „Dorothea," sagte Ferdinand eines Tages zu der Braut seines verstorbenen Freundes, „lvollen Sie ewig um den Dahingeschiedenen trauern? Jetzt darf ich es Ihnen gestehen: Ich habe Sie schon geliebt, als der arme Ludwig noch lebte. Mit Gewalt mußte ich meine Gefühle zurückdrängen, um an unserer Freundschaft kein Berräther zu werden. Ost habe ich Ludwig gemahnt und ihm vorgeworfen, daß er das große Glück nicht genugsam würdige, das ihm durch Ihren Besitz zuTheil werden sollte. Dorothea, ich glaube Grund zu haben, annehmen zu dürfen, daß Ihre ©Item den Bund unsrer Herzen segnen würden. Seien Sie die Meine! Ich werde Sie auf Händen trageil, und meines ganzen künftigen Lebens heißestes Bestreben soll sein,. Sie glücklich zu machen." „„Wie können Sie, der Sie sein Freund waren, verlangen, daß ich das Angedenken an ihn verdränge? Müßte nicht immerwährend sein Schatte» trennend zwischen uns treten?"" „Nicht doch, Geliebte! Der verklärte Geist unseres verewigten Freundes wird aus de» himmlischen Höhen segnend auf uns herniederschauen, beglückt durch das Bewußtsein, daß die zwei Menschen, die er auf Erden am meisten geliebt hat, sich zum innigsten Bunde vereinigt haben." „„Meinen Sie das wirklich,^ Ferdinand, verblendet Sie nicht Ihre Liebe zu mir? Begehe ich kein Unrecht gegen unfern armen Freund, wenn ich statt seiner einem Andern angehöre?"" „Ich bin fest überzeugt, daß, wenn Ludwigs verklärter Geist zu uns reden könnte, er frenbtg und gern unfern Bund segnen würde." „„So sei es denn,"" sagte Dorothea, dem Freunde die Hand reichend. . Der Eltern Freude war groß, als sie den Entschluß der Tochter vernahmen. Ferdinand Kopp mußte sofort seine Stelle aufgeben, um in das Geschäft seines künftigen Schwiegervaters als Theikhaber einzutreten. Dorothea erlangte bald ihre alte Heiterkeit wieder. Kein Schatten verdunkelte mehr ben Horizont ihres jungen Glückes. Ludwig Bär aber war verschollen und vergessen. (Fortsetzung folgt.) Hlälysek. * Wohl höre ich zu Gottes Gaben, Doch kann der Arme mich nicht haben. Und viele, die mich heiß erstreben. Bracht' ich um Ehre, Glück und Lebe». Und wenn gar vorueu hinten ist. So freue Dich, daß Du 's nicht bist. L. St. in P. Auslosung erfolgt in Nr. 73. Die Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Bormittag den 9. September zugegangen, in der folgenden Nummer veröffentlicht. Auflösung des Räthsels in Nr. 71: , s . «» •: Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Lebe» eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* gr. Bleiche 4L. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. --