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Der Israelit · 1884-09-11 · Heft 73 (11.9.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 73 (11.9.1884)
Date
1884-09-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Raschkow (Rabz. Posen). Unsere bedeutende Nachbargemeinde Ostrowo hat, wie Sie bereits berichtet haben, einen sehr großen und tief erschütternden Verlust erlitten; Herr Rabb. Dr. Fr ei mann, tnd 7*nar» ma a-an p'is 7n^n p*on 3in;"üt, der 13 Jahre daselbst segensreich wirkte, wurde ihr an VAk nm '2 av durch den Tod entrissen. Der Verklärte, der einer Familie entstammte, von der man sagen kann: rov airna nun war der Schwiegersohn des weltberühmten prra Rabbi Jakob Ettlinger zu Altona. Rabbiner Dr. Freimann 7"U?, nicht allein wissenschaftlich gebildet, sondern auch eine Capaütät auf dem unermeßlichen Gebiete der heiligen „Thora," deren Studien er Tag und Nacht oblag, war auch ein ausgezeichneter Kanzelredner, und da die höchste und reinste Gottesfurcht sein Schatz war na« min «uroa nrvn, so athmeten seine gottbegeisterten Reden den wahren Geist der Gotteslehre. Die unverfälschten Gottesworte, die er die Gemeinde lehrte, waren von der intensivsten Wirkung. Der Verewigte war ein Gotteskämpfer; aber wie trefflich verstand er's, seine Energie mit Sanftmuth, seinen heiligen Eifer mit milder Leitung zu vereinen. Die Gemeinde erblickte in ihm daher eine Leuchte und folgte dieser, wie einst unsere Väter der leuchtenden, göttlichen Feuersänle nachwandelten. Dr. Freimann war ein piri p im Sinne der Worte, wie Je von unfern Weisen s. A.. gedeutet worden p -p mina paiyti» -a n1?« pTin. Frei war er von Eigennutz und Selbstsucht; frei von Zorn und Leidenschaft; frei von Hockmuth und Herrschsucht awa pya rrtrn a'221 -pn iw'aai, in Frieden und Gradheit wandelte und wirkte er, und umsomehr gelang es ihm Viele von Sünde abzuhalten. Die Gemeinde zu Ostrowo, die den reinen und edlen Charakter ihres Oberhauptes, dessen gute und herrliche Eigenschaften und besonders seine Wahrheitsliebe erkannte und zu würdigen wußte, vertraute sich kindlich seiner Leitung auf dem religiösen Gebiete an und belohnte ihn mit wahrer Liebe und reiner Ehrfurcht. Den ausgesprochensten Ausdruck fand diese Liebe in den letzten Tagen des Verklärten. Als?rn pnün am am Sabbat n*n na erkrankte, entstand in der Gemeinde eine unbeschreibliche Aufregung, und diese bot alle möglichen Mittel auf, um das geliebte Oberhaupt am Leben zu erhalten. Außer den Ortsärzten, die fleißig den würdigen Patienten besuchten, berief die Gemeinde zwei Professoren ans Breslau. Tagtäglich versammelte sich fast die ganze Gemeinde im Gotteshause, m a'?nn unter heißen Thräncn und mit zerknirschtem Herze» gebetet wurde. Ein Gleiches geschah in allen umliegenden Gemeinden und auch in Posen und Kalisch. Eine sichtliche Niedergeschlagenheit bemächtigte sich der ganzen Gemeinde, und wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, daß ein reiner Geist der naivn in aller Herzen einzog. Aber leider imya wurden die immensen Ansttengungen nicht von dem gewünschten Erfolge, gekrönt, irnpn pi82 witf a'pirrai a^fcm die höher» Wesen stritten mit den Frommen der Erde, um den Besitz der heiligen Lade und die erstere trugen den Sieg davon. Zur Beerdigung, die am Sonntag >17» stattfand, fanden sich sieben von den behufs Heßpedhalten von der Gemeinde berufenen Rabbiner, unter ihnen Herr Rabb. Dr. S. Cohn aus Berlin ein, die dem Velklärten tiefergreifenden Trauerreden hielten. Von nah und fern strömte eine Menschenmenge zusammen, die nach vielen Tausenden zählte und bildete einen Conduct, der Höcht imposant war. Herr Rabbiner Dr. Freimann war ob seines biederen Charakters und seiner vortrefflichen Eigenschaften auch in nichtjüdischen Kreisen eine beliebte Persönlichkeit, und sowohl während seiner Krankheit als bei seiner Beerdigung, bekundeten viele Männer, die zur Elite der hiesigen christlichen Bevölkerung gehören, durch ihre Anwesenheit, die wärmste Thellnahme und das regste Belleid. Es herrscht nun in der Gemeinde eine gedrückte Stimmung, und eine dumpfe Trauer lagerte sich wie ein Mehlthau auf jede Heiterkeit. Die Theünahme für die Hinterbliebenen ist ebenfalls die größtmögliche und die bewährte Munificenz der Ostrower Gemeinde wird sich denselben gegenüber in leuchtender Gestalt zeigen. Wir haben bisher meistens den Verlust der Gemeinde Ostrowo betont, weil die vom Tode gerissene Lücke hier so inächtig entgegen gähnt; weil hier das ra mn n:o das grellste Kolorit erzeugte, thatsächlich aber rvrO 128 p'iü hat das ganze Jndenthum einen nicht leicht zu ersetzenden Verlust erlitten. Seine n*m nsmp, seine min naam kamen der ganzen Welt zu gut. Proben von seinem Geistesreichthum hat der Verewigte in den letzten Jahren bei der Edition der beiden Theile des Tntni ibd mit seinem vortrefflichen Kommentare mirr 'O2y der Gelehrtenwelt gegeben. Es sind auch mehrere Manuseripte hinterblieben.

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