Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1884)
- Date
- 1884-09-08
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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— 178 Endlich brach einer von ihnen das Schweigen und sprach: „Brüder, auf diesem Hügel wollen wir das Fundament für das grosse Werk legen, das wir begonnen haben. Es wird für Viele, die einen ähnlichen Weg wandeln wollen, ein gutes Vorbild sein; nennen wir deshalb diesen Ort Tnfo-xmri. („Anfang für Zijon“). Sie gaben sich schweigend die Hände, erfüllt von dem Gedanken an die Schwierigkeiten ihrer Aufgabe und gaben sich eine Zeit lang einem dumpfen Brüten hin, bis sie von der Sonnenhitze ermahnt wurden, ihre Zelte aufzuschlagen. Hier will ich über den Ankauf des Bodens berichten: Am 9. Ab 5612, an demselben Tage, an dem die Regierung erklärte, dass sie sich der Ansiedelung russischer und rumänischer Juden widersetzen und die Landung derselben in Jaffa nicht gestatten würde, an demselben Tage wurde der Boden für "JVX1? gekauft, nämlich 3360 Dunam für 12,900 Francs. Neun Käufer waren beim Ankäufe betheiligt, die es im Verhältnisse des Beitrags folgendennassen vertheilten: Libuntin bekam 1680 Dunam, Frimaun 400, Ismann 300, Finberg 300, Isbend 200, Chonkin 140, Libuntin 120, Judlibitz 120 und Abramovitz 100 Dunau. Libuntin trat hierauf 350 Dunam an sechs arme Familien ab, die den Kaufpreis binnen fünf Jahren abzutragen haben. Dieses Geld bestimmte Libuntin für die Errichtung eines Bethauses. Das angekaufte Land wurde jedoch an die einzelnen Käufer nicht abgegeben, um es einzeln zu bestellen; denn die erste Hebereinkunft lautete: Das Land wird nicht vertheilt, sondern gemeinschaftlich nach Bestimmung eines zu wählenden Vorstandes bearbeitet, und Jeder der Gemeinde, welcher arbeitet, wird aus gemeinschaftlicher Kasse mit einem Franc täglich bezahlt. Der Ertrag wird im Verhältnisse des Bodenbesitzes getheilt. Jeder zahlte nun 1 Franc pro Dunam an die gemeinschaftliche Kasse, um alle Ausgaben damit zu bestreiten. Fahren wir in der begonnenen Erzählung fort: Die fünf Männer übernachteten an der Stelle. Am anderen Morgen trafen noch weitere fünf Männer ein. Man wählte nun einen Aufseher, um die Feldarbeit zu leiten und miethete noch Fellachen als Hilfsarbeiter. .Zuerst machte man Wege für die Wägen; dann suchten sie einen Ort, um einen Brunnen zu graben. Von der naheliegenden Colonie „S arona“ waren die deutschen Ansiedler gekommen, um die Juden bei der Arbeit zu sehen. Sie stellten sich sehr erfreut und riethen ihnen, den Brunnen auf dem Hügel zu graben, wo sie gewiss bei 20 Meter Tiefe schon Wasser finden würden. Die Leute gruben nun bis zu 28 Meter Tiefe,’ ohne Wasser zu finden; sie sahen ein, dass der Rath der Deutschen ein falscher gewesen und begannen am Fusse des Hügels zu graben. Nun trat eine Zeit grosser Noth ein; die Hitze stieg von Tag zu Tag, und es gab noch kein Wasser. Sie mussten es von dem eine Stunde entfernten Dorfe "]H 7P3" auf Eseln holen. Dazu kam, dass sie, wenn der Tag mit ungewohnter harter Arbeit in Hitze und Durst vorüber war, in der Nacht ihr Vieh vor den diebischen Arabern hüten mussten. So vergingen drei Monate; das Geld in der Kasse wurde knapper, und sie mussten sich entschliessen zum zweiten und später sogar noch zum dritten Male einen Franc pro Dunam zusammen zu legen. Ihr Vieh, mit dem sie nicht recht umzugehen verstanden, wurde schlechter, Einigen unter ihnen missfiel die gemeinschaftliche Arbeit, und bald bildeten sich zwei Parteien. Die Beschwerden nahmen von Tag zu Tag zu, die Arbeit war hart, Essen und Trinken | schlecht, manchmal hatten sie nur Melonen, Wohnungen waren noch keine gebaut und sie mussten auf dem Boden schlafen, der von allerlei Ungeziefer bedeckt war. Als nun die Regenzeit herannahte, sahen sie die Nothwendigkeit ein, Häuser zu bauen, aber sie fürchteten sich damit zu beginnen, bis Herr Chonkin endlich den Anfang machte, wodurch auch Andere bewogen wurden, mit dem Bauen zu beginnen. Einigen jedoch, die den Willen hatten, fehlte das nöthige Geld zum Bauen. Allmählich bedeckte sich der Himmel mit Wolken und der Früh regen trat ein, die Zeit der Aussaat war da, aber es fehlte selbst den Vermögenderen an Geld. Der Brunnen, den sie bis auf 18 Meter Tiefe gegraben hatten, stürzte ein, und mit ihm entfiel auch der Muth den Ansiedlern. Sie sahen, dass sie die Hilfe ihrer Mitbrüder in Europa in Anspruch nehmen müssen. Allein auch diese Hoff-