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Der Israelit · 1884-09-08 · Heft 72 (8.9.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 72 (8.9.1884)
Date
1884-09-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. . . l - : Beilage zu Ur. 72 des Israelit. Leitender Artikel. Anträge zur taknmdischen Sprach- und Sachkunde. Vonvr.LL—11. m. Im Talmud findet sich sehr häufig der Ausdruck it “pr in, wenn in der Discussion ein Wendepunkt eintritt oder wenn der Gegner ein neues Moment zur Beweisführung heranziehen will. Der Sinn ist immer: „Geh' doch diesen Weg, d. h. fasse diesen Gesichtspunkt in's Auge!" Auch sonst steht bei Aufforderungen das Wörtchen z. B. Sanhedrin 38 v.; Ehagiga 14 a. 7LN -,72 „Nichte deine Aufmerksamkeit auf die Vorschriften von: Aussatze!" B. Mezia 22 a. niv' 7üN -pr „Geh' zu den befferen d. h. nimm die Hebe von den besseren Früchten!" Soweit ist der Sinn des Wortes klar und unzweifelhaft. Schwierig ist nur die Etymologie des Wortes “pr; denn im ganzen Bereiche der semitischen Sprachen gibt es kein Verbum dieser Form mit der angegebenen Deutung. Es muß daher ein Compositum sein, welches durch das Bestreben der Kürze verstümmelt worden ist. Siegftied-Strack in der jüngst erschienenen Neuhebräischen Grammatik nehmen es als zusanunengesetzt von -pi rt7r „Vollende und geh," „mach ein Ende." Diese Erklärung ist aus Levy'sNeuhebräischem Wörterbuche 8. v. entnommen. Demnach müßte das Wort gelesen werden. Aber diese Zusammenziehung zweier Sätze ist so gewaltsam und sprachwidrig wie möglich. Wo sollte denn das Waw bei dieser Zusammeüschweißung hingerathen sein? Außerdem ist diese Erklärung nur dort passend, wo der Angexufene aufgefordert wird, seinen Gegenstand, der ihn jetzt beschäftigt, zu verlassen und etwas Neues zu beginnen. Wir finden aber den Ausdruck an vielen Stellen angewendet, wo von einem Verlassen der früheren Rede oder Thätigkeit keine Rede sein kann, sondern nur eine bloße Aufforderung ohne Rücksicht aufdie frühere Thätigkeit gemeint ist. So z. P. Moed Katon 21 lr., wo der Arzteinem Kränkelt zürnst '7LN -pr „komm zu mir" und wo der Ausdruck -^i nVr gar keinen Sinn geben würde. Die einzig richtige Erklärung dieses schwierigen Wortes ergibt sich aus der Vergleichung des Babli mit dem Talmud Jeruschalmi. All verschiedenen. Stellen — ob an allen, kann ich nicht angeben — wo im Babli “pr steht, heißt es im Jeruschalmi “p nr7 „geh dir" ähnlich dem biblischen -p vgl. Jeruschalmi Joma n '7n 'n pio mit Babli das. 55 a. Aus -p nr7 wurde int Idiom des Talmud Babli -pr, und diese Umbildung ist weder anormal noch gewaltsam, sondern nach den Lautgesetzen der hebräischen Sprache ganz gerechtfertigt, wie wir dies sogleich Nachweisen werden.*) Bereits im biblischen Hebräisch ist es Regel, daß ein einsylbiges Wort ein Dagesch bekömmt, wemt ihm ein Wort mit betoiltem Lb vorausgeht, wie nNt nnp7 l.M. 2, 23. Es ist dies das sogenannte pm der Grammatiker. Dies beweist, daß diese beiden Worte so rasch zusammengesprochen wurden, daß sie si-ch wie ein Wort in der Aussprache ausnahmen. Darauf bei-uht auch die Schreibung nto 2. M. 4, 2. u. □r7ö Jes. 3, 15. Die Schreibung -)7 nr7 im Jeruschalmi ist daher nur orthographisch, denn in Wirklichkeit wurden die beiden Worte zusammengesprochen, als wenn sie nur ein einziges wären. Die Orthographie des Babli ist dagegen der Aussprache gemäß ohne Rücksicht auf die Abstammung des Wortes. Was nun die Aphärcsis des Lamed betrifft, so ist sie nicht weiter auffallend, da sich diese sowohl bei rein hebräischen Worten, np für np7 als auch bei Fremdwörtern 'itq für '27127 vorfindet. Freilich ist hier zu bemerken, daß bei nr? vom Stamme -p' bereits der erste Stammbuchstabe abgeworfen und mit der Abwerfnng des Lamed das Wort nur noch einen Stammbuchstaben behält, dies ist aber nicht weiter auffallend, weil für das Sprachbewußtsein nr7 bereits ein selbstständiges Wort geworden ist und weil die hebräische Sprache auch sonst bestrebt ist, Wörter, die nach hinten wachsen und einen Sylbenansatz annehmen, vorn zu verkürzen, um die ursprüngliche Dreizahl *) Auch sonst werden im Babli Worte zusammcngezogen, die. im Jeruschalmi getrennt stehen. Bergs, z. B. im I. vw Sy, wofür im B. nnVsA.

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