Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1884)
- Date
- 1884-09-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1204 der Stammconsonanten wieder herzustellen. Unser Wort muß daher ^2 gelesen werden. Es bleibt T T nur noch übrig mit einigen Worten den Beweis, den Levy für seine Etymologie beibringt, zu widerlegen. In Sanhedrin 67 d. heißt es ni2 -pi, wofür in den Parallelstellen “pr steht, daraus will er beweisen, daß das letztere Wort aus den beiden ersteren entstanden sei. Aber selbst wenn diese Lesart richtig wäre, so läßt sie sich hier nicht als Beweis verwerthen, weil eben an dieser. Stelle eine andere Version vorliegt.*) Umsoweniger, da doch die beiden Worte durch das dazwischenstehende -jrvninD getrennt sind. In Wirklichkeit ist diese L. A. mehr als verdächtig. RabbinowiH im ynpi d'idid bringt verschiedene Mss., die das -p aar nicht haben, andere Ausgaben lesen auch hier -p2, so daß von einer kritisch so verdächtigen Stelle, kein Beweis für Levy's gezwungene Etymologie herzuleiten ist. Zum Ueberfluß finde ich nachträglich, daß auch Nasch! Sabbath 145 b. meine obige Ableitung hat. Seine Worte lauten: •-]*? piybn -M'j-V ^2 nzb Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Buryhaslach (Bayern). Im Jahre 1859 gründete dre hiesige isr. Gemeinde eine eigene Volksschule und berief Herrn M. Marschütz als Lehrer an derselben. Seit dieser Zeit wirktderselbe ununterbrochen an dieser Schule. In geheimer Sitzung wurde von der Gemeinde der einstimmige Beschluß gefaßt, ihm zu seinem Jubiläum ein Zeichen der Anerkennung in angemessener Weise zu überreichen. Nach beendigtem Gottesdienste am D rcw o'EEt« versammelte sich die ganze Gemeinde und sämmtliche Schüler im festlich geschmückten Schulsaale. Eine Deputation der Vorstandschast holte den Jubilar aus seiner Wohnung ab und geleitete ihn dahin. Dort wurde er mit einer Anrede des Herrn Dr. med. Neuburger begrüßt und ihm Namens der Gemeinde zwei sehr schöne silberne Leuchter überreicht. Nachdem der Jubilar in bewegten Worten seinen Dank ausgedrückt, beglückwünschte ihn die ganze Gemeinde und die einfache aber würdige Feier schloß hiermit. *) Bergs, einen ähnlichen Ausdruck Brrachoth 10 &: .wn tpnoj nVa Bei dieser Gelegenheit sei noch die Bemerkung gestattet, daß inr Großen und Ganzen hier noch religiöser, jüdischer Sinn herrscht und daß die hiesige Gemeinde gegenüber so vielen anderen bayr. Gemeinden nicht nur nicht ab-, sondern um mehr als 30 Prozent seit einem Vierteljahrhundert zugenommen hat. Es bekundet den Gemeinsinn und religiösen Eifer, wenn hier noch gesagt wird, daß die Gemeinde vor 15 Jahren aus eignen Mitteln eine sehr schöne, neue Synagoge und ein neues Schulhaus erbaute und noch so manche segensreiche, wohlthätige Institution in derselben Boden gefaßt hat. Möge die Gemeinde auf dem bettetenen Weg rüstig weiter sortschreiten, sich immer mehr entwickeln, blühen und gedeihen, p©' pi tot p Berlin, 2. September. Die Ausweisungen russischer Juden nahmen in den letzten Tagen in geradezu erschreckender Weise überhand. In der jüngsten Woche sind wieder Dutzende von Familienvätern in dein allen Berlinern wohlbekannten „grünen Wagen" nach dem Molkenmarkt gebracht worden, wo ihnen eröffnet wurde, daß sie innerhalb acht oder vierzehn Tagen Berlin zu verlassen hätten. Auch für di e s e Maßregel fehlt auch nur der leiseste Anhaltspunkt. Die antisenlitischen Bertheidiger der Polizeibehörde haben bis jetzt allein den Grund vorgebracht, daß die Ausweisungen gegen anarchistische Umtriebe gerichtet seien. Nun ist es aber geradezu lächerlich, behaupten zu wollen, daß die hier ansässigen russischen Juden geheime Nihilisten wären, und nur Dynamit und Revolver kennen, sie, die kaunr wissen, was das Wort „Politik" bedeutet und froh sind, wenn sie von Niemand belästigt werden. Das Elend, welches die Ausweifungsmaßregeln in den meisten davon betroffenen Familien hervorgerufen haben, ist unbeschreiblich. Wohin sollen sich die Unglücklichen wenden? Sollen die ausgewiesenen Juden — denn um solche handelt es sich zu {95°/o, wie die Reptilkenpreffe mit Freude constatirt, — nach Rußland zürückkehren, wo sie die gewiß nicht sehr verlockende Aussicht haben, eines schönen Tages von einem ausgehetzten Pöbel maffacrirt zu werden? Sollen die Armen ihre Habfeligkeiten verkaufe», deren Erlös knapp für eine Schiffskarte hinreicht,und nachdem Lande der „Freiheit", nach Amerika fahren, um unmittelbar nach der Landung zunicktransportirt zu werden, weil sie kein. Vermögen von hundert Dollars vorweifen können? Oder sollen sie auf den Straßen Londons verhungern, von wo immer noch die vorjährigen Opfer russischer Intoleranz in Massen zurückkehren? Jüngst haben sogar schon die Ausweisungen in der Um-