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Der Israelit · 1884-09-08 · Heft 72 (8.9.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 72 (8.9.1884)
Date
1884-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1202 Mannschaft, die mit Todesverachtung zur Rettung der Einwohner und des Hauses hcrbeigeeilt war, gelang cs nur wenig zu retten. Ein junges Mädchen, die mit den Waisen ihres kurz zuvor verstorbenen Oheims im . Oberstock des Hauses wohnte, rettete mit stannenswerther Aufopferung die armen, verlassenen, kleinen Wesen. Leider aber fand dieses edle, heldenmüthige Mädchen selbst den Tod in den Flammen, in diesem Augenblicke, wo sie ihr schönes Rettungswerk von Erfolg gekrönt sah. Aus dem untern Stock gelang es der Fcuerwehrmannschaft eine Dame ans B..., die sich hier geschäftlich aufhielt, mit Brandwunden ganz bedeckt, aber noch lebend zu retten. In demselben Zimmer fand man auch den Leichnam eines aus dem Dienste entlassenen Lieutenants, der seinem Leben durch einen Schuß ein Ende gemacht, was zu der Annahme berechtigt, daß hier ein Verbrechen vorliege." Nathansohn sprang auf und hielt sich mit beiden Händen den Kopf. „Mein Kind, mein armes Kind!" — entrang es sich schluchzend aus seinem beklommenen Herzen— „0 Gott, wie werde ich diesen Schmerz ertragen können! Wie soll ich meinem armen Weibe vor die Angen treten!" Wie rasend lief er durch das Zimmer und sein Unglück drohte ihn niederzudrücken. Frau Sara, die das Aechzcn und Stöhnen ihres Mannes in der Küche vernahm, stürzte zum Tode erschreckt in das Zimmer. „Was ist geschehen Heinrich?" — frug sie athemlos. — „Was fehlt Dir denn? Wie blaß Du aussiehst!" „Nichts, gar nichts fehlt mir!" — keuchte Nathansohn. — „Nur etwas Magenweh habe ich bekommen!" — stotterte er mit Beklemmung, als ’ er seine Frau ungläubig mit den Schultern zucken sah. — „Das Essen scheint mir nicht gut gethan zu haben!" „Alter, Alter!" — sagte Frau Sara kopfschüttelnd. „Seit wann hast Du es gelernt, Deinem treuen Weibe die Wahrheit zu verheimlichen? Meinst Du, ich kenne Dich noch nicht genug, um zu wissen, daß Dich so ein Bischen Magenweh nicht ganz außer Fassung bringt! Es muß etwas ganz Entsetzliches sein, das Dich in diesem Augenblick so sehr erregt!" Mit großer Hast nahm Nathansohn die Zeitung und schob sie in seine Brusttasche. / „Was stand in der Zeitung, Heinrich— uhr Sara fort zu fragen. — „Welches Verhängnis; stand darin beschrieben? Welches Unglück suchst Du mir zu verheimlichen?" „Nicht doch, liebe Sara!" stöhnte Nathansohn. — Nicht doch! „Ich habe ja die Zeitung kaum gelesen!" „Au, au;" — schluchzte er und ein Strom zurückgehaltener Thränen perlten aus seinen Augen. — „Ich kann den Schmerz nicht mehr ertragen! Ich muß zum Doctor! Mein Magenweh bringt mich noch um!" Er nahm seinen Hut, setzte ihn auf und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. „Heinrich, lieber Heinrich!" — schrie Fran Nathansohn laut und ergriff seine Hand — „lieber Heinrich o, sprich doch, steht das, was Dn in der Zeitung gelesen, nicht im Zusammenhang mit dem Ausbleiben unseres lieben Kindes? O, sage mir Alles, was Dil weißt. Mag es noch so entsetzlich sein, ich werde es leichter ertragen, als diese qualvolle Ungewißheit!" „Lasst das, liebe Sara!" — stieß Nathansohn mit heißerer Stimme hervor, und rieb sich die Thränen aus den Augen — „Du siehst ja, ich vergehe vor Schmerz. An, au, ich muß zum Doctor, laß mich also gehen!" „Wenn Du solche Schmerzen empsilldest", — wandte Sara ein — „dann wird es wohl besser seill, wenn Du Dich in's Bett legst und ich will den Doctor Priester ersuchen lassen. Dich zu besuchen." Erdfahle Blässe bedeckte Nathansohns Gesicht. Die Lust im Zimmer drohte ihm zu ersticken. Er nlußte um jeden Preis ins Freie. Aber, wie dorthin zu gelangen, ohne die Besorgniß und den Kummer seiner Fran noch zu steigern? Er rang krampfhaft mit den Händen und stand ganz rathlos da. Da wurde an die Thüre gepocht. Frau Sara rief herein. Die Thüre wurde aufgerissen, und Rebb Jauno, der Schames, flog mit großer Eile in das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung der Erzählung »Verschollen und vergessen* erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des »Israelit", gr. Bleiche 45. " Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz,.

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