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Der Israelit · 1884-09-04 · Heft 71 (4.9.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 71 (4.9.1884)
Date
1884-09-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1180 Die Schlußworte: „Denn Ich der Ewige bin Dein Arzt" sind nicht recht verständlich; denn, wenn man nicht krank wird, wie Gott es im Vordersätze verheißen, so bedarf mau ja keines Arztes. Allein, diese Schlußworte beziehen sich nicht nur auf das unmittelbar Vorhergehende, sondern auf den ganzen Satz. Der allgütige Gott ist nicht ein solcher Arzt, den man nur in Krankheitsfällen in Anspruch nimmt, sondern ein solcher, der durch die Verhaltungsmaßregeln, die er gibt, eine jede Krankheit verhütet. Diese Verhaltungsmaßregeln sind Seine heiligen Gebote und Satzungen, deren Gründe wir häufig nicht begreifen, die aber trotzdem unser zeitliches und ewiges Wohl begründen. Die trefflichsten ärztlichen Vorschriften jedoch sind nutzlos, wenn man sie nicht befolgt. Was hilft es, wenn man sie kennt und nach ihnen nicht sein Leben einrichtet? Daher ist nicht das Forschen die Hauptsache, sondern das Thun. Ja, selbst für den guten Erfolg der Forschung ist das Thun nothwendig. Und so lehren die Weisen (Jebamoth f. 109 b.): min «ni^* 17 p« *iDi«n Vu idi« Di' n «do 2Tio« «DM '«d ,1 *7;'« min ll?'D« m'ühl 12L" w'L'M 12L"L' >2 OnDpl GmD^l «ip •m'D72 lr« 12«D17 „Jeder, der. sich nur mit dem Studium der Gotteslehre beschäftigt, ohne die gottgebotenen Thaten zu vollziehen, dem wird das Erwerben der Thorakenntniß nicht gelingen, wie es heißt (5. B. M. E. 5. V. 1.) „Und ihr sollt sie lernen und sie thun *). Und die Erfahrung bestätigt den Ausspruch der Weisen; zur richtigen Erforschung der Gotteslehre ist die Beobachtung der Gottesgeboie unbedingt erforderlich. Wer die Thora nur als Wissenschaft betrachtet, wie jede andere Wissenschaft, durch die er seine Kenntnisse erweitern will, wird nie etwas Ordentliches lernen. Es fehlt ihm der göttliche Beistand, der es nur denen ermöglicht, tief einzudringen in die gewaltigen Tiefen der Gotteslehre, welche die reine Absicht haben, die heiligen Vorschriften derselben gewissenhaft zu befolgen. Und daher können wir die hier in Rede stehenden Worte auch so deuten: . n^yen «*?« ip'yn «in innen «Vi Selbst in Bezug auf den Erfolg des Studiums ist die Forschung nicht die Hauptsache, sondern die That. *) Der Vers, wie ihn die Gcmara hier citirt, findet sich nicht in der heiligeil Schr ft: an der angezogenen Stelle heißt es: onwyS cm:m erm« camaV» „ihr sollt sie lernen und sie beobachten, sie zu thun;" der Sinn ist derselbe. «!2n «DD c">2*t nmen 7ri- „Und Jeder, der viel Worte macht, bringt Sünde." Rabbon Schimcon ben Gamliel will uns hier nicht wiederholen, was der weise Könia (Sprüche C. 10. V. 19) uns schon mitgetheilt MO 7"in' «7 Dnrr m „Durch die Fülle der Worte wird Vergehen unvermeidlich sein." Der weise König spricht von unnützen Reden und eitlem Geschwätz, wodurch so viele Vergehen tagtäglich hervorgerufen werden. Der Weise unserer Mischnah will uns etwas Anderes lehren, daß nämlich sogar bei solchen Dingen, bei denen das Reden geboten ist, wie beim Gebet und bei Beobachtung der Gottesgebote überflüssige Worte zu vermeiden seien. Durch solch ein überflüssiges Wort hat einst unsere erste Mutter unsägliches Unheil über all ihre Nachkommen gebracht. Gott hatte dein ersten Menschcnpaare verboten, vom Baume der Erkenntniß zn essen. Chawah aber sprach: Gott hat gesagt: Ihr sollt nicht davon essen und sollt nicht daran anrühren (1. B.M. C. l. U. 17, C. 2. B. 3.) py-u 'T1? n«2 -poV man nO'Din, die von ihr zu viel gesprochenen Worte 12 lyjn «Vi „und ihr sollt nicht daran anrühren" verursachten die Uebertretung des Gottesgebotes. Die Schlange veranlaßte sie zilnächst zum Berühren der verbotenen Frucht, und, als die Strafe ausblieb,, vermochte., sie leicht, sie zum Genießen derselben zu verführen. ’ Etwas Aehnliches finden wir bei Channah, der edlen, fromme» Mutter des großen Propheten Samuel. Als sie ihren Sohn dem Dienste des Ewigen weihte, sprach sie: D^iy ny dü> um. „Und er soll im heiligen Tempel dem Dienste Gottes geweiht sein bis in Ewigkeit." Die Worte cViy ip „bis in Ewigkeit" waren überflüssig. Der Sin» konnte nicht sein, daß Samuel ewig leben sollte, da Gott einmal den Tod über das Menschengeschlecht verhängt hat; sie mußten vielmehr die Bedeutung haben wie (2. B. M. E. 21. B. 6.) nuyi *?ui' hu iD*?iy ,dVi^ „und der Knecht, der freiwillig auf seine Freilassung verzichtet und dessen Ohrläppchen deßhalb durchbohrt wurde, soll seinem Herrn dienen in Ewigkeit, das heißt bis zum Ende der fünfzigjährigen Jobel-Epoche — wie wir auch bei den Leviten, und Samuel war ein Levkt, eine fünfzigjährige Dienstzeit finden. •DTO D'lV fe D'D7iy ,dV|J? C21* •miuyn «2LQ zier» n:i* v'L'vn poi -id«:i? mv Und so geschah es; nur fünfzig Jahre, von seiner frühen Kindheit an gerechnet, lebte Samuel noch. Die überflüssigen zwei Worte, die seine

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