Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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rede: „Der Fortschritt ist unser Motto; das patriotische Gefühl zu festigen, brüderliche und Nächstenliebe zu verkünden und uns gegen jede entgegengesetzte Strömung im öffentlichen Leben entschieden zu verwahren, den Volksunterricht und die Kultur auf sichere Grundlagen zu stellen, das sind jene. Principien, welche wir auf Grund unserer durch die constitutionlle Autonomie gesicherten Rechte verbreiten müssen. Wie jedem Rechte auch eine Pflicht gegenübersteht, so müssen auch wir die aufgetauchten Uebel prüfen, nach ihren Quellen forschen, und wir würden Unrecht thun, die Verbreitung dieser Nebelstände nicht zu hindern, wenn wir gleich der öffentlichen Meinung gegenüberstündcn, welche, augenblicklich auf Abwege gelenkt, sich in entgegengesetzter Richtung äußern kann, aber gewiß wieder in die rechte Bahn znrückzngehen geneigt ist, wenn sie dahin geleitet wird. Unsere Kirche muß auf der reinsten Liebe und der Rechtsgleichheit basiren; nur durch die Verbreitung dieser Principien und der Aufklärung unter dem von uns geleiteten Volke sind wir im Stande, den Frieden in der Kirche und mit den Bürgern verschiedener Sprache und Konfession aufrechtzuerhalten. Der District-Convent gibt den einzelnen Gemeinden die Richtung an, in der Stunde der Gefahr beherrscht er noch immer die Situation, und er war in der Lage, zu beweisen, daß er seine Aufgabe kennt und seine Pflicht unverdrossen erfüllt. So müssen wir insbesondere dann unsere Stimme erheben, wenn die brüderliche und die Nächstenliebe angefochteu erscheint, und wir müssen auf unsere Districtual-Verordnungen Hinweisen, die Gesetzeskraft besitzen und sagen, daß die Anhänger unserer Konfession mit anderen Konfessionen in Frieden, christlicher Liebe und Einigkeit leben sollen. Der patriotisch aufgeklärte Geist des Districtual- Konvents bietet eine Garantie dafür, daß auch die Beschlüsse dieses Convents zum Wohle unserer Kirche, zur Hebung ihres Ansehens und zur Festigung des konfessionellen Friedens dienen werden. Die Einigkeit aber wird uns Kraft geben und Segen über unsere Thätigkeit bringen. In dieser Hoffnung begrüße ich wiederholt den geehrten Convent und bitte ihn, seine Thätigkeit zu beginnen." (Lebhafter Beifall.) Holland. Haag, im August. Vergangenen Sonntag feierte der Oberrabbiner der niederl.-port.-isr. Gemeinde, Herr I. v. I. Terrares, im Familienkreise seinen achtzigsten Geburtstag. Möge dem 1168 ehrwürdigen Greise noch manches frohe Jahr geschenkt sein. Scheveningen, im August. Endlich geht man hier mit dein Gedanken um, eine Synagoge zu erbauen. Wir glauben, daß es nachgerade hierzu Zeit sei, und wünschen denen, die sich darum bemühen, recht guten Erfolg. Aus dem Leöen eines arlßodo«» HiaMners. Skizze von Dr. Sta . . . (Fortsetzung.) „Ein eigenthümlicher Mensch"' — bemerkte Dr. Priester. — „So unsympathisch er sonst im Umgang auch sein mag, so verdient er doch seines Edelsinnes wegen die Achtung Aller. Vorigen Winter wurde ich zu einer Wöchnerin geholt. Wir Aerzte sind gar oft Zeugen der Noch und des Elends der Armen, doch hat der Anblick des Drangsals und entsetzlicher Armuth mich niemals so erschüttert, wie in jener Hütte der Armen. Der Mann der Armen war Bremser bei der Bahn und wurde bei einem Zusammenstoß der Züge getödtet. Er hmterließ seine Gattin und vier Kinder vollkommen mittellos. So lange die Frau noch als Taglöhnerin Arbeit fand, konnte sie sich und ihre Kindrr vor Verhungern schützen, je näher aber die Zeit chrer Niederkunft heranrückte, desto mehr waren die Quellen ihres Erwerbes gehemntt. Ein Stuck nach dem Andern wanderte aus ihrer Wohnung ins Pfandhaus, bis zuletzt nur noch die kahlen Wände in der Hütte übriggeblkeben waren. Sie und die Kinder schliefen auf dem harten Boden und waren glücklich, wenn sie ein Bündel Stroh als Unterlage anzuschaffen im Staude waren. Ich fand also die arme, unglückliche Frau auf dem Boden liegen und trotz der starken Kälte war kein Feuer im Zimmer. Ich empfand so viel Mitleid mit der Bedauert