Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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man ihm einen gesunden, billigen, kräftigen Trank bieten, so wäre dies allerdings ein großes Glück, sowohl im Allgemeinen, als im Besonderen; da dieS aber für jetzt noch nicht möglich ist, und da es scheint, daß Schnaps getrunken werden muß, so können wir keinen Unterschied absehen, ob ein Jude oder ein Christ diesen Schnaps verkauft. Oder glaubt man vielleicht, daß wenn der Kabakhalter Peter hieße, statt daß er Jtzko heißt, vielleicht weniger Schnaps getrunken würde, daß derselbe weniger verderblich wäre, Gesundheit und Wohlstand weniger untergraben würde?! Wir glauben, die Frage liegt nicht darin, wer den Schnaps verkauft, sondern daß er überhaupt verkauft resp. fabricirt wird. So lange aber der Staat die Spiritusfabricationnothwendighat, solange die privilegirte, Stände für gut finden Schnaps zu brennen, so lange fie kostspielige Fabriken zu diesem Zwecke anlegen, so lange selbst der Adel es seinem Namen und Stammbaum entsprechend findet, unter die Industriellen zu gehen und die möglichst große Rente aus dieser plebejischen Industrie zu ziehen, so lange man es besonders praktisch findet, Inden und nur Juden als Pächter anznstellen, so lange werden sich immer unter diesen einige arme Schlucker finden, die fich zu diesem unglücklichen Geschäfte hergeben — und darum dieses ewige Geschrei von „Exploition." Denken wir uns das Verhältniß einmal umgekehrt, es wären hochgestellte, oder wenigstens hoch hinaufreichende Juden, die diesen brennenden Tod fabricirten, und durch arme Christen an das Volk verkaufe» ließen, wie herrlich ließe sich da phantasiren von einem tief angelegten, höllischen Plan, der die arme ahnungslose Christenheit erst moralisch vergiftet und dann physisch, erst einige Christen zu HaMangern herabwürdigt, die dann die Massen insgesammt ruiniren muffen. Auf dieses herrliche Thema muß man eben leider verzichten, es ist und bleibt nichts weiter, als daß einige Hunderte, sagen wir einige Tausende von Juden als Handlanger in dem Engrosgeschäft des großen Grundbesitzes dienen, — nun denn, das Thema bleibt dasselbe, nur mit einigen Variationen, das Motiv klingt und athmet durch. Nun geben wir zu, daß auch das jetzige Verhältniß traurig ist, es wäre uns wahrhaftig viel lieber, der arme Jude fände auf irgend eine anständigere Weise seinBrod, als in dieser nkchtswürdigen Faullenzcrei, die ihn verdammt, unter der Thüre zu stehen und zu warten, bis irgend ein armer, vielleicht schon halbangetrunkener Mensch ihm seine letzten paar Kopeken zuträgt; aber was soll er thun, er, der keinen Nahrungszweig, keine Thätigkeit hat, der nicht auswandern, nicht überfiedeln, sich nicht rühren kann, soll er aus purer Tugendhaftigkeit die Offerten des reichen Grundbesitzers, der ihm Schnaps und Wohnung (d. h. die Möglichkeit zu leben) gkebt, zurückweisen und lieber hungern, als das berüchtigte Labsal aus des Adels Faß in des Bauern Glas gießen?! Aber, entgegnet man weiter, eben in diesem Vermitteln liegt ja das Unglück, gäbe sich der Jude nicht zum Vermittler her, so würde das Verderben keine so weite Ausdehnung finden. Wie aber, wie ftehts in den Provinzen, in denen gar keine Juden wohnen, folglich auch keinen Schnaps verkaufen können, wird dort weniger getrunken, ist der Schnaps dort weniger verderblich, ist das Volk dort gesitteter, mäßiger, wohlhabender? Ein Blick in die Statistik zeigt deutlich genug, daß nicht der Jude cs ist, der das Volk verdirbt, sondern der Schnaps, und die unselige Neigung der Massen sich zu berauschen, vergessen zu wollen." Einen solchen Blick in die Statistik, wollten wir durch diese Zeilen ermöglichen. Die Fabrikation des Branntweins besorgen in Preußen dieselben Kreise, wie in Rußland, die Branntweknschänken befinden sich in christlich-germanischen Händen, und das Resultat? In Preußen wird ‘/s mehr Schnaps coufumirt, als selbst in Rußland! Oester r. - ll n g a r. M o n a r ch i e. Pefth, 20. August. Heute beginnt hier der Kirchenconvcnt des Montandistrictes A. C. seine Berathungen. In einer gestern Abends abgchalteitcii Vorkonferenz wurde auf Antrag des Inspektors Theophil Fabinyi beschlossen, daß dieser in seiner heutigen Eröffnungsrede energisch gegen die antisemitische Strömung austreten und die in Folge derselben sich zeigende Lockerung der Tisciplin seitens einzelner Pastoren rügen werde. Pefth, 26. August. In der heutigen Sihunsi des Conventes des Montandistrictes A.C. hielt der Inspektor Theophil Fabinyi die folgende Eröffnungs-