Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1165 nahet sie, die erhabene Königin des Tages, selbst Nebel und Gewölk verklärend und durch den Wiederschein ihrer emporsteigenden Strahlen das ihr Entgegenstehende mit wundervollem Glanz übergießend. Endlich tritt sie heran in aller ihrer Pracht, und die Nebel müssen verschwinden l So der Fromme; er mag seinen Verlästerern gegenüber schweigen; sie werden vor seinem reinen Glanze verschmelzen, wie die Nebel vor der ausgehenden Sonne! Wohl kann es kommen, daß finsteres Gewölk eine Zeit lang den Sonnenball verdeckt; aber nicht für die Dauer. Sollte es auch lange währen, sicher wird konimcn der Tag, an welchem der Sonne Licht das dunkle Gewölk verscheucht, und das glänzende Gestirn ungetrübt in alter Schöne und Herrlichkeit sich erhebt und emporsteigt. So der Fromme. Sollte es auch seinen Verlästeren! gelingen, seinen guten Namen eine Zeit lang zu verdunkeln — sicher wird kommen der Tag, an welchen! er rein und unverdnnkelt erscheinen wird wie die Sonne in siegreicher Kraft. (Fortsetzung folgt). Die Winisterialverfügung und das „Deutsche Hageölalt." Berlin, den 29. August. .Die Erregungwelche die Verfügung des Herrn Kultusministers hier hervorgerufen, hat sich nunmehr auch weiterer Kreise bemächtigt, nachdem der antisemitische Moniteur, das „Deutsche Tageblatt", am 26. d. eine mit der Chiffre M. Unterzeichnete Zuschrift veröffentlicht, worin mit einer alle Begriffe übersteigenden Verlogenheit das gesetzestreue Judenthum angegriffen wird. Der semitische Verfaffer der „Zuschrift," ein Subjekt, das sein verfehltes Dasein durch Brandschristen gegen Talniud und Judenthum kümmerlich zu fristen sucht, lügt ungefähr Folgendes zusammen: Die Ministerialverfügung habe in der „rabbinischen Presse" einen gewaltigen Sttmn erregt; man suche die unbedeutende Sache zu einer Religionsfrage „aufzubauschen", man wolle der Regierung nur Verlegenheiten bereiten nnd sie dem Auslande gegenüber discreditiren (wörtlich!). Der Minister hätte sich doch sicherlich erst darüber informiren lasten, ob der Erlaß auch nicht gegen die Vorschriften einer vom Staat anerkannten Religion verstoße, und in der That das Schreiben amSonnabend sei kein mosaisches Gebot, sondern nur eine rabbinische Satzung. Nun könne kein christlicher Staat auf „rabbinische Albernheiten" Rücksicht nehnien oder seine. Pflanz- und Lehrstätten nach rabbinischen! Muster einrichten. Der Talmud belege auch jeden Juden mit einem Fluch, der sein .Kind Griechisch lernen ließe und gebiete sttcng die Kopfbedeckung selbst bei Nichtausübung einer religiösen Handlung. Ueberdies gestatte eine der größten talmudischcn Autoritäten, Rabbi Moses Jsserles, den Inden in nichthebräischer Schrift am Sonnabend zu schreiben. „Und da bekanntlich lateinische Extemporalien nicht mit hebräischen Lettern geschrieben werden, so sieht man gar nicht ein, warum dieser große Lärm im Lager Israels. Das ganze Geschrei ist nur, um der Sache einen antisemitischen Anstrich zu geben, weil die Angelegenheit speciell das Talmnd-Judenthum betrifft, und.gleichzeitig als Handhabe zum Angriff gegen die Negierung zu dem bevorstehenden Wahlkampfe diene." Wie tief muß es mit der Moral eines Blattes stehen, das sich von jedem obscuren Zwanzigpfennig-Reporter die i n f a in st e n Lügen aufbinden läßt, ohne sich vorher von der Richtigkeit der Mittheilung zu überzeugen! — Der Minister erläßt' eine Verfügung, welche geeignet ist, in das religiöse Leben des gesctzestrenen Judcnthums tief einzuschneiden, unsere Gcwiffcnsfreiheit ist bedroht, unsere religiösen Gefühle sind verletzt, die Zukunft von tausenden Gymnasiasten ist gefährdet, wir können an die Existenz einer solchen Verfügung immer noch nicht glauben und beschwören den Minister, falls sie wirklich erlassen ist, dieselbe zurückzunehmen, und nun koninit dieses „edle Organ" mit der frechen Insinuation , die „rabbinische Presse" schlage Lärm, um der Regierung Verlegenheiten zu bereiten nnd sie' dem Anslande gegenüber zu discreditiren um der Sache einen antisemitischen Anstrich zu geben und sie als Waffe in dem bevorstehenden Wahlkampfe zu gebrauchen!! Der deutsche Sprachschatz liefert kein geeignetes Wort um diese Verleumdung, um diese unerhörte Verdrehung der Thatsachen genügend zu brandmarken. Es ist kaum mehr nöthig, das übrige Lügengewebe m zerreißen; auch nicht ein Buchstabe des Beyauptetcn beruht auf Wahrheit. Sollte es dem Verfasser unbekannt sein, daß bereits im dritte Gebote deS Dekalogs die Worte: „Du sollst keinerlei Arbeit thu n" verzeichnet stehen, daß schon die Bibel jede Arbeit als Sabbatentweihnng mit der Todesstrafe belegt, und daß unter den 39 Kategorien von Arbeiten d a s S ch r e i b e n sich befindet? Sind die Worte des Dekalogs „rabbinische Albernheiten? Sollte es dem Verfasser ferner unbekannt sein, daß Rabbi Moses Jsserles jedwedes Schreiben am Sonnabend streng verbietet, nur, daß er das Verbot der nichthebräischen Schrift nicht als mosaisch