Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1884)
- Date
- 1884-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Angedenken noch lange nach seinem Tode. — Daß der Sohn, der Enkel und Urenkel' der Fürsten, der Weisen Israels von frühester Jugend an nur mit den weisesten Männern seines Volkes verkehrt hat, ist selbstverständlich. D'brnn p 'nVu 'w ^2, alle meine Tage bin ich groß geworden unter Weisen. Nicht nur als' Knabe und Jüngling ist er unter den Weisen Herangewächsen, sondern auch als Mann, das heißt, er hat sich selbst im Mannesalter noch bemüht, von den Weisen zu lernen. Ein Satz, den ein solcher Mann aus seiner Erfahrung geschöpft hat, ist gewiß von großer Wichtigkeit, und dieser Satz lautet: „Ich habe in Bezug auf die Dinge, die den Körper betreffen, nichts Befferes gefunden als Schweigen." Maimonides theilt die Reden, die sich auf Irdisches beziehen, in vier Klassen. Die erste Klaffe, wie Verleumdung, Lüge, Flüche, unsittliche und zweideutige Reden sind ganz und gar verwerflich. Die zweite Klasse bilden solche Reden, die zwar anscheinend gut sind, aber zmn Verwerflichen führen; wenn Jemand z. B. seinen Nebenmenschen lobt, um den Tadel der Andern herauszufordern vb chtyb 'T1? 82 -p -proDU»!T2n 1N2L'2 D1K HDD' imu. Auch derartige Reden sind verwerflich. Von ihnen spricht der Weise nicht; sie sind durch die Thora verboten, und wir haben schon wiederholt hervorgehoben, daß in dieser Maßechtha nicht vor durch die Thora verbotenen Dingen gewarnt wird. — Die vierte Klasse, die wir hier zunächst erwähnen wollen, umfaßt solche Reden, die der Mensch nothwendig zu seinem Lebensunterhalt und zu seinen Geschäften braucht; auch von diesen ist hier nicht die Rede. — Die dritte 5tlasse umschließt die meisten und gewöhnlichen Redeweisen des größten Theils der Menschen. Es ist die Unterhaltung von gleichgiltigen Dingen, deren Besprechung nicht den geringsten Nutzen hat weder für uns noch für Andere, deren Besprechung ebenso gut unterlassen werden könnte und weiter keinen Zweck hat als die Zeit todtznschlagen. In Bezug auf sie ist es, daß der Weise Schweigen empfiehlt. Wie viel Gutes und Großes könnte geschaffen werden in der Zeit, die mit unnützen Reden verbracht wird! In dem. Begriffe Schweigen liegt ein Doppeltes: Schweigen ans eigener Initiative, und Schweigen selbst dann, wenn mail herausgefordert wird. Das Letztere ist viel schwerer als das Elftere. Nicht allein unnütze Reden nicht führen, sondern auch, auf das unnütze Geschwätz seichter Menschen nicht eiugehen! Es gibt aber ein Drittes, und das ist das Allerschwerste: Aus boshafte Angriffe nicht entgegnen, auf Schmähungen nicht erwidern, zum Verlästertwerden schweige». Das ist zwar unendlich schwer, aber ganz außerordentlich empfehlenswerth. Derjenige, der seinen Lästerern gegenüber zu schweigen versteht, der erspart sich vielen Aerger und großenVerdruß. Botzugsweise hierauf beziehen sich die Worte des RabbonSchkmeou NvDVQ 2U2 '5>82Q fcAi. „Und ich habe für den Körper, das heißt für die Gesundheit des Körpers, nichts Befferes gefunden als Schweigen." Es gibt nichts Schädlicheres als Aerger, Verdruß, Aufregung und Zorn. Wer seinen Lästerern antwortet, fordert sie nur heraus, ihre Schmähungen zu vervielfachen; wer ihnen gegenüber schwelgt, entwaffnet sie, und in Bezug darauf hat schon der weise König gesagt: inVpK2 Vü2 M hvt „Antworte dem Thoren nicht nach seiner Thorhekt!" Auch unsere Weisen haben eingerichtet, daß wir am Schluffe des täglichen Hauptgebetes etwas Aehnliches uns zu Herzen führen. Dort heißt es: nc-iD i2iD Tßcn jnn wS tcü '-fe* 'Tin ^2) 10p 'u'0n onrvw* ^ppVi „Mein Gott, bewahre meine Zunge vor Bösem und meine Lippen vor trügerischen Reden, und denen, die mir fluchen, möge meine Seele schweigen; so wird meine Seele wie der Staub der Erde zu Allem sein." — Alle treten die Erde mit Füßen; aber es schadet ihr nicht. Ebenso wird es Dir nicht schaden, wenn man Dich verlästert und Du dazu schweigst. Die Größe des Mannes, der im ruhigen Bewußtsein seiner Unschuld seinen Verlästerern gegenüber schweigt, schildern unsere Weisen wiederholt auf das Herrlichste (Sabbat 88b. Joma 23 a. Gittin 36b. Baba Bathra 8a.) p'N'v jnoin pD’itsr pViy p'm p&ji 2Q18 2inin jrpty piO'2 pneen N2N8Q pcnijr nnn222 wn ndvQ ramm „Die sich beschämen lassen, aber Andere nicht beschämen, die Beschimpfung anhören und nicht entgegnen, die so thun aus Liebe zu Gott und freudig das ihnen angethanene Leid entgegennehmen, von ihnen heißt es in der heiligen Schrift: Und die Ihn lieben, werden sein wie die Sonne, die da aüfgeht in siegender Kraft." (Richter C. 5. V. 31). Hast Du, lieber Leser, an einem Sommermorgen von einer Höhe aus die Sonne ausgehen sehend Aus der Tiefe steigen die Nebel empor und bedecken den östlichen Rand des Horizontes.- Man meint, sie wollten die Sonne verdunkeln und ihre glänzenden Strahlen trüben. Immer dichter wird der Nebel, immer finsterer der Horizont, da