Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1884)
- Date
- 1884-08-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Laternen in den Straßen — es gab damals in M. noch kein Gaslicht — verbreiteten nur geringe Helle. Der Himmel war von düstern Wolken verhängt. Nachdenklich schritt Ludwig seiner Wohnung zu. Es hatte einmal wieder einen recht heftigen Zwist zwischen ihm und seiner Braut gegeben. Ludwig hatte sich geweigert, beim Abendbrode die zum Pudding gereichte Weinsauce zu genießen und war dafür von seinem Schwiegervater verspottet und von seiner Braut mit Vorwürfen überhäuft worden. Zwar hatten sie sich schließlich, wie immer bisher, wieder versöhnt, aber es war doch ein Mißton in seiner Seele zurückgeblieben. Plötzlich wurde Ludwig aus seinem Sinnen durch lautes Schreien emporgescheucht. Ein junges Mädchen lief eilig die Straße entlang, von zwei trunkenen Studenten verfolgt. Ludwig eilte hinzu und trat den Studenten entgegen. „Meine Herren," sagte er, „warum belästigen Sie die Dame, die doch augenscheinlich nichts von Ihnen wissen will?" „„Was gehts Dich an, Jude,"" schrie der eine Student. „„Komm morgen auf meine Bude! ich habe ein Paar alte Hosen zu verhandeln."" „Aus dem Wege," rief der Andere „damit uns das Täubchen nicht fortfliegt. Wer Nachts allein umherstreift, ist keine Dame!" „Gleichviel," entgegnete Ludwig. „Das Mädchen flieht vor Ihnen. So lassen Sie sie in Ruhe!" „„Packe Dich. Jude, oder . . Der Student griff Ludwig an die Kehle. Dieser aber schleuderte den Trunkenen zurück, so daß er in den Rinnstein fiel; der Andere, der seinem Gefährten zu Hilfe kommen wollte, stolperte und bettete sich neben ihm. Das ganz erschöpfte Mädchen war unterdeß stehen geblieben, um Athem zu holen. Ludwig näherte sich ihr. „Ach, Herr Bär," sagte sie zitternd, „wie kann ich Ihnen genug danken!" „Kommen Sie, mein Fräulein, schnell," sagte Ludwig, „ehe jene Beiden wieder aufstehen; ich werde Sie nach Hause begleiten. Wo wohnen Sie?" „„Ich heiße Ottilie Seefeld."" „Ah, Sie sind die Tochter des Vanquier Seefeld! Da haben wir ja nicht weit zu gehen." „„Ich war bei meiner Tante, die nicht ganz wohl ist. Es war Niemand da, der mich nach Hanse hätte begleiten können. Ich .dachte, ich könnte den kurzen Weg allein zurücklegen; da wurde ich von den beiden Studenten, verfolgt. Me kan» ich Ihnen genug danken, Herr Bär?"" „Es ist nicht der Rede werth." „„Doch, doch, jene waren zn zweien und Sie allein — Sie hätten leicht den Kürzeren ziehen können."" 7 - - - „Die beiden jungen Leute waren betrunken. Da war es leicht, sie zu überwinden. Wir sind schon da. Soll ich läuten?";;: „,Jch habe einen Hausschlüssel. : Nochmals, Herr Bär, spreche ich Ihnen meinen innigsten, heißesten Dank aus."" Sie hatte unterdeß aufgeschlossen und war kn das Haus geschlüpft. Ludwig kehrte in seine Wohnung zurück. Als er durch die Straße ging, in der ihm vorher das kleine Abenteuer passirt war, hörte er lautes Schnarchen. Es waren die beiden Studenten, die im Rinnsteine eingeschlasen waren. (Fortsetzung folgt.) Wenn Du mit einem „o" liestmich. So schuf zuerst mich Gottes Hand, Und sanft erleuchte ich das Land. Mit „au" diente dem Höchsten ich Und dankte oft dem Herrn der Welt, Daß Er in Gnade uns erhält. Heschet Schapero, Memel. Auflösung des „Scherz- Räthsel" kn Nr. 67: rwion — innert (ein Fünftel). Nichtige JknMm ein: Lehrer Schlesinger in Mergentheim. Rabbiner Dr. I. Eisner in Neustupow. Moses Ahron Bürger in Schütt-Szommerein. gp* Die Fortsetzung der EMhlung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilagen^ Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Main;. — Expedition große Bleiche Nr. 40. Druck nnd Verlag von OScar Lehmann in Mainz. : *