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Der Israelit · 1884-08-28 · Heft 69 (28.8.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 69 (28.8.1884)
Date
1884-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1149 bald in dieser, bald in jener Weise noch sehr häufig zu Tage. Manchmal dachte Ludwig mit Bangen daran, wie sich ihm die Zukunft bei derlei Conflicten gestalten werde. Ferdinand, sein Freund uud Vertrauter wußte ihn stets zu beruhigen. „Ihr werdet Euch schon mit einander zurechtsinden," sagte er. „Eins.muß sich in das Andere schicken. Jetzes muß ein wenig nachgeben, und da kommt Ihr schon in der Mitte zusammen; es sind ja keine ernste Principien, wenigstens bei Dorothea nicht, die einfach so ist, wie sie erzogen worden. Ist sie erst Deine Frau, so wird sie lsich in allen Dingen Deinen Anschauungen anbequemen." „„Und wenn sie es nicht thun wird?"" „Warum sollte sie es nicht thun? Du, als kluger Mann, wirst sie schon zu nehmen wissen. Schöne Kleider, kostbare Spitzen, Diamanten und Perlen üben großen Einfluß auf die Anschauungen der Damen. Ein hübsches Geschenk, irgend eine niedliche, aber doch werthvolle Kleinigkeit wird Dir in Allem, was Du wünschest, die Nachgiebigkeit Deiner Gattin sichern." „„Ich weiß nicht, ob Dorothea zu dieser Art von Damen gehört und ob die Gleichgiltigkeit gegen gewisse Vorschriften unserer heiligen Religion nicht tiefere Wurzeln bei ihr geschlagen hat, als Du meinst. Was mich am meisten bekümmert, ist, daß ihr Vater seiner Nachlässigkeit und Bequemlichkeit den Anschein von einer gewissen Grundsätzlichkeit zu geben sich bemüht. Solche Erscheinungen sind immer tief zu beklagen. Ersonnen, um das eigene Gewissen zu beschwichtigen, hüllen sie sich nur zu gern in einen gewissen Nymbus, welcher der Umgebung imponirt. Ich fürchte, Dorothea hält die Sophismen ihres Vaters alle für lautere Wahrheit."" „Gesetzt nun, es sei Alles so, wie Du sagst, mein theurer Freund, wie kannst Du es ändern? Kannst Du Dich entschließen, Dein Verhältnis; zu Dorothea aufzulösend". „„Nein, das vermöchte ich nicht über mich zu bringen. Ich liebe Dorothea mit aller Gluth meiner Seele. Lieber möchte ich sterben als ihr entsagen.""~ - * - „Dann mußt Du die Dinge eben nehmen, wie sie sind und mit großer Klugheit verfahren, um Dorothea allmählich an 'Deine Anschauungen zu gewöhnenDu darfst namentlich im Anfänge nicht zu strenge auftreten.". „„Ich lasse sie ja gerne gewähren in Allem, was sie selbst bekifft. Dagegen kann ich mich doch nicht von ihr bestimmen lassen, die religiösen Vorschriften zu verletzen. Nicht ich bin es, der auf sie einzuwirken sucht, sie verlangt von nur, daß ich die rabbinischen Satzungen übertrete. Sage Du selbst, lieber Freund, kann und darf ich da nachgebend"" „Nun, ich dächte ein Mädchen wie die Dorothea Frank wäre auch wohl eines kleinen Opfers werth." „„Nennst Du das ein kleines Opfer, wenn ich meine religiöse Ueberzengung aufgeben würde?"" - „Davon ist nicht die Rede. Nur vorübergehend sollst Du nachgiebig sein." „„Nicht um alle Schätze der Welt, nicht um mein ganzes Erdenglück würde ich mich einer muthwilligen Verletzung des Religionsgesetzes schuldig machen."" „Du nimmst die Sache zu streng. Wahrlich Du bist vor alten andern Menschen glücklich zu preisen. Jung, gesund, reich, in glänzender und geachteter Stellung, Bräutigam des schönsten, besten, liebenswürdigen Mädchens — ich begreife nicht, wie Du Dich selbstquälerischen Schrullen hingeben kannst! Du mußt Dich in die Launen Deiner Braut fügen!" „„In allen Beziehungen wurde ich das gerne thun, nur nicht in dem, was Ehre und Eharakler und Religion ankifft."" „Thue, wie Du willst; ich habe Dir meine Ansicht mitgetheilt. Noch einmal rathe ich Dir: entweder löse das Lerhältniß, oder sei klug und nachgiebig, und lasse es. zu keinem Conflicte kommen." Ferdinand verabschiedete sich, seinen Freund in nachdenklicher Stimmung znrücklaffend. „Es wäre undankbar gegen Gott," sprach Ludwig vor sich hin, „wenn ich mein Glück durch Verletzung Seiner heiligen Gebote erkaufen wollte. Du hast mir so viel gegeben, Allgütiger, hast mich nicht verlassen, da ich eine hilflose Waise war, führe auch jetzt mich den rechten Weg! Hilf mir, daß ich jede Versuchung überstehe und nicht stranchle auf meinem Lebenspfade! Lenke Du das Herz des geliebten Mädchens, damit es uns möglich werde, in Friede und Eintracht den hohen Zielen zuzustreben, die Du den Kindern Deines Volkes gesteckt hast!" Das Gebet hatte ihn wunderbar gestärkt. Freudigen Muthes machte er Toilette, um seine Braut aufzusuchen und den Abend in ihrer Gesellschaft zuzubringen. Es war bereits spät geworden, als Ludwig das Haus seines Schwiegervaters verließ. Die

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