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Der Israelit · 1884-08-28 · Heft 69 (28.8.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 69 (28.8.1884)
Date
1884-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1146 Berlin, 26. August. Die Ministerialverfüguug betreffs des Schreibens an Sonnabend u. s. w. ist bereits exakt jur Ausführung gekommen. Soweit bekannt, haben die schriftlichen Abiturientenarbeiten an sämmtlichen hiesigen Gymnasien Donnerstag oder Freitag begonnen, so daß an Sonnabend geschrieben wird; zufällig befindet sich unter den diesmaligen jüdischen Abiturienten kein einziger, dem sein religiöses Gewissen verbietet, den Sabbat zu entweihen. Doch dürften die gesetzestreuen Schüler, welche in den nächsten drei Semestern vor dem Examen stehen, nach Dutzenden zu zählen sein. Inzwischen bleibt das Aufsehen, welches die Verfügung hervorgerufen hat, nach wie vor bedeutend, zumal vis jetzt noch kein Grund für die drakonisch strenge Maßregel des Ministers gefunden werden konnte. Es dürfte von Interesse sein zu erfahren, daß vor einigen Monaten der russische Eultusminister die Gymnasialdirektorcn angewiesen hat, nicht nur auf die jüdischen Schüler bei den Extemporalien u. s. w. Rücksicht zu nehmen, sondern auch dieselben vom Schreiben am Sonnabend abzuhalten event. den Eltern Kenntniß hiervon zu geben. Qstrowo. Unsere Gemeinde sowie das ganze Judenthum hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Herr R a b b i n c r D r. Frei m a n n verschied Donnerstag an einer Darmverschlingung, nach einer Krankheit von fünf Tagen. Sonntag, 24. August fand die Beerdigung statt, zu der gegen ein Dutzend MfaDbtiicr zugegen waren. Sein Tod hat hier allüberall die schmerzlichste Theilnahme erregt. Nenstettin, 24. August. In unserer Stadt bat vorgestern Abend ein Ereigniß stattgefundcn, welches die Gcmüther in Erregung versetzt. Es wird darüber der „Rat.-Ztg." berichtet: Der hiesige Schmiedcmeister Winegge betrat um diese Zeit gegen 7 Uhr den Laden deS in der Preußischen Straße wohnhaften jüdischen Kaufmanns Abraham Bchrcnd, um sich daselbst zu rcstanriren. Der Gcschäftslehrling, welcher den Winegge genauer kannte und schon zu wiederholten Malen sich mit selbigem kleine Scherze erlaubt haben soll, glaubte das auch diesmal thnn zu können und begoß denselben, wie er bereits dem llntersuchungSrichter eingeräumt hat, mit Spiritus, aber eben einzig und allein in der Absicht, diese seine Handlungsweise als Scherz gelten lassen zu wollen. Was darauf weiter vorgegangen ist — ob nämlich der Lehrling dem Winegge beim Anzündcn einer Eigarre mit einem brennenden Streichholz zu nahe gekommen, oder ob jener rein ans Ucbcrmnth Streichhölzer in Brand setzte nnd dieselben, wie behauptet wird, beim Anreiben stets nach dem Winegge hin dirigirte, bleibt noch anszulären — genug. Wineggcs Kleider standen plötzlich in Hellen Flammen. Trotzdem das Feuer bald gelöscht wurde, war der Aermste dennoch von den schrecklichsten Brandwunden fast am ganzen Körper bedeckt, denen er auch nach schrecklichen Qualen soeben erlegen ist. Gesteht der zur Hast gebrachte Lehrling Rothmann zu, den Winegge mit Spiritus begossen zu haben, so bestreitet er andererseits auf das Entschiedenste, das Unglück durch Ruchlosigkeit veranlaßt, namentlich die Kleider angezündet zu haben. — Die Stimmung in der Stockt ist eine erregte; schon vorgestern Abend, nach geschehener Verhaftung des Lehrlings, hatte sich eine bedeutende Menschenmenge aus dem Markt angesammelt, ohne allerdings Excesse zu begehen. Für heute hegte man ernstere Befürchtungen. Trotz des gestern erfolgten Ablebens des Winegge haben sich dieselben glücklicherweise nicht bestätigt. Am Abend waren die Straßen zwar sehr belebt, es fanden auch vor dem Behrcndschen Hause größere Ansammlungen statt, zu Ausschreitungen kam es indeß nicht. — Die fortgesetzte Untersuchung hat ergeben, daß der Lehrling seine Handlung im Uebermuth begangen und von keiner böswilligen Absicht dabei geleitet worden ist. Schweiz. Basel. Die AgitaUon gegen die Schechitah hat auch in den hiesigen Tagespreisen schon verschiedene unliebsame Polemiken hervorgernsen, wie sie überhaupt die inländische Journalistik ungemein beschäftigt. Hier konnten wenigstens die Vertreter der Schechitah so gut wie die Gegner zum Worte komnien, was anderwärts vielfach nicht der Fall ist. Man sucht eben künstlich eine Stimmung gegen das rituelle Schlachtversahren der Israeliten zu schagen. Da die unbefangenen, vorurtheilssreien Blätter selbstredend nicht eine Schlachtmethode perhorresciren können, die voll den größten Autoritäten der Beteriilärknnde nicht nur als keine Thierqnäkerei, sondern als überaus empfchlenswerth bezeichnet wird, so identificirt man die Parteinahme für das Schächten mit dem politischen Liberalismus, dem jene Blätter folgen, während die conservativen und nlttamontanen Zeitungen init allen Mitteln gegen die Zulässigkeit des Schächten» agitiren. Durch Verquickung dieser rein religiösen Angelegenheit mit politischen Dinge» erklärt sich das lebhafte Interesse, das der ganzen Sache geschenkt wird und die Leidenschaftlichkeit, die dabei vielfach zum Ausdruck kommt. Während also die Organe, die sonst das religiöse Moment, natür-

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