Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1884)
- Date
- 1884-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1145 belehrten zu appelliren. Wir glauben uns nicht zu täuschen, daß die in Bewegung gesetzte Strömung gegen die Juden in manchen Directoren die Ansicht gereist hat, die bisher geübte Rücksicht vertrüge sich nicht nicht mit den Interessen der Schule, und daß diese alsdann in der Form von Vorstellungen an den Herrn Minister zum officiellen Ausdruck gekommen ist. Wir sind überzeugt, wenn an den Herrn Minister bezügliche Gegenvorstellungen gelangen, wenn nachgewiesen wird, daß die bisherige Rücksichtnahme dem Gang des Unterrichts keinen Eintrag gethan, wenn weiterhin gezeigt wird, daß die Schüler, für welche diese Rücksicht geübt, in ihrer überwiegenden Mehrzahl zu den vorzüglichsten der betreffenden Anstalten gezählt haben, daß der Herr Minister gern bereit sein wird, seine Verfügung zu wiederufen, und die Beibehaltung der bisherigen Praxis zu empfehlen. Der Herr Minister hat sich in allen seinen Maßnahmen bisher als ein praktischer Mann bewährt, der nur von sachlichen Gründen sich leiten läßt. Sicherlich ist er aber nicht der Mann, der selbst auf positiv religiösem Boden stehend, Andere, und wäre es auch nur eine Minderzahl, in ihren religiösen Gefühlen kränken will. In diesem Sinne wäre eine Bittschrift an den Herrn Minister abzufaffen und durch eine Corporation oder etwa zwei in Berlin ansässige Glaubensgenossen von Einfluß überreichen zu lassen. Wir dürfen wohl annehmcn, daß eine solche Bittschrift auch von Männern unterzeichnet werde, die nicht dem orthodoxen Judenthum angehören, denn wie wir oben gezeigt, berührt die Verfügung in ihren Folgen nicht nur diese, sondern die ganze Judenheit insgesammt. Daß das „D. Tgebl." und die „Germania" die ersten Blätter waren, die den Inhalt der Verfügung mittheilten, zeigt, wer Capital daraus schlagen wird, und wie dies dann geschehen wird, darüber braucht man nicht in Zweifel zu sein. Ob dann nicht auch der Gcmeindetag eine solche Masscnpetition zu unterstützen, berufen wäre, das dürfte derselbe in Erwägung ziehen. Wir werden wohl bald im Besitz des offiziellen Wortlautes der besprochenen Verfügung sein und hoffen dann, sogleich die Schritte thnn zu können, die wir oben als die nothwendigen bezeichneten. Indessen wäre es uns lieb, wenn wir inzwischen die Ansichten unserer Freunde über unser» Vorschlag hören könnten. Wir stellen unser Blatt dem weitgehendsten Meinungsaustausch in dieser Angelegenheit zur Verfügung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Merchingen, 24. August. Herr Dr. Hcilbut, unser allbeliebter Rabbiner, wurde gestern plötzlich im blühendsten Mannesalter vom Tode dahingerafft. Der Verstorbene war ein Schüler Dr. Hildesheimers, war anfangs in Tarnowitz Prediger und wurde schließlich hier als Rabbiner angestcllt. Seine wahre Frömmigkeit, seine gediegene wissenschaftliche Bildung sowie sein liebenswürdiger Charakter werden ihm in den Herzen aller, die ihn kannten, ein unauslöschliches Andenken bewahren. Berlin, 19. August. Ein Kreis von Männern der Wissenschaft ans verschiedenen Ländern hat sich gebildet, um den ehemaligen hebräischen literarischen Verein: „Mekize Nirdamim" zu neuem Leben zu erwecken. Der Verein wird seinen Sitz in Berlin haben und von Herrn Dr. A. Berliner geleitet werden, in Gemeinschaft mit den Gelehrten: I. Derenbourg (Paris); Ehrenreich (Rom); D. Günzburg und Harkawy (Petersburg); Halberstam (Biclitz); Jastrow (Philadelphia): Kaufmann (Budapest); Neubauer (Oxford). Die klangvollen Namen, welche dieses Comite repräsentiren, dürften Vertrauen genug erwecken und förderndes Entgegenkommen allseitig erwarten lassen. Ein ausführlicher Prospekt, welcher unserer Zeitung nächstens beigcgeben wird, soll unsere Leser über die Einzelheiten des verdienstvollen Unternehmens unterrichten, das sicher von jedem Freunde jüdischer Wissenschaft mit herzlicher Freude begrüßt werden wird. Berlin, 26. August. Vor Kurzem wandte sich der Vorstand des Ncnstettincr .Kriegervereins im Einverständnis; mit dem Gros seiner Mitglieder an den präsidirenden Vertreter des deutschen Kriegerbnndcs in Berlin, von dem sämmtliche patriotischen Vereine rcffortiren, mit der Bitte, den Juden das Recht zu versagen, sich in den .Kriegerbund anfnehmcn zu lassen. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Der Vorsitzende des deutschen Kricgcrbundes, Herr Oberst z. D. von Elpons, sandte kurz und präcise einen drastischen Bescheid des Inhaltes, daß der.Kriegerverein zu Neustettin vom heutigen Tage ab ausgeschlossen sei aus dem deutschen Kriegerbunde, der unter Kameraden keine Glaubensunterschiede kenne und dulde.