Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1884)
- Date
- 1884-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1147 lich nur, wenn es sich uut das ihrige handelt, in allererster Reihe betonen, hier zu einem modernen Kreuzzug gegen das Schächten Hetzen, sind es lediglich die liberalen Zeitungen, welche hie und da eine von Seiten der Israeliten zugestellte Entgegnung bringen. Diese Entgegnung dringt aber nicht in die Kreise, welche von der konservativen und klerikalen Presse gegen das Schächten aufgestachelt werden, so daß in der That ein anderer Weg gesucht werden muß, die öffentliche Meinung in wahrheitsgemäßer, objectiver Weise über das Schächten aufzuklären. Der Vorschlag des Herrn Rabbiner Dr. Ehr mann in Nr. 61 dieser Blätter, eine Sammlung und Vervollständigung der Gutachten zu Gunsten des Schächtens zu veranstalten und dieselbe durch eine Massenauflage zu verbreiten, erscheint daher in der That in hohem Grade beachtuugswerth, und die Sache verdiente wohl seitens der Schweizer Gemeinden in Erwägung gezogen werden. Leider stehen dieselben in keinerlei Verbindung untereinander, aber vielleicht drängt diese Ealamität dazu eine solche anzubahncn. Wir glauben, daß die Initiative eines einzigen Mannes von Einfluß und Ansehen, wie z. B. des Präsidenten der hiesigen Gemeinde, Herrn Drei fuß-Neu mann genügte, um eine solche Centralisirnng anzuregen und mit Gottes Hilfe auch zu erreichen. Ein solcher Anschluß wäre auch in sonstiger Hinsicht vielfach erwünscht. Herr Dr. Ehr mann ist jedoch im Jrrthume, wenn er glaubt, daß die Schweizer Israeliten einen reichen Ueberfluß an geeigneten Federn besitzen, um die Schcchitah-Angelegenheit mit der Einsicht und Umsicht, zugleich aber auch mit der Entschiedenheit zu vertreten,, von der jeder Satz seines erwähnten Aufsatzes zeugt. Ein großer Theil derjenigen, welche wohl die erforderliche stilistische Gewandtheit besitzen, steht dem religiösen Leben, zu dem die Schechitah ja gehört, zu fern und fremd gegenüber, mit dafür vor des Forumder öffentlichen Meinung zu..treten, während diejenigen, die der Sache näher' stehen, doch nicht die erforderliche Routine in dem nöthigcn Maaße besitzen. 5 - Er rächt sich bei dieser ganzen Misöre empfindlich, daß die Rabbinate der hauptsächlichsten Schweizer Getncinden verwaist sind. Denn cs verhehlt sich hier Niemand, daß wir in Betteff der Schcchitah- Angelegenheit schweren Kämpfen entgegen gehen. Als dieselben in den sechziger Jahren begannen nnd in den siebziger Jahren wieder atlf's Neue entbrannten, waren die Herren Dr. Kayserling nnd Engelbert auf dem Posten, deren schriftstellerischer Thätigkeit nnd deren rastloser Energie es nächst Gott zu verdanken ist, daß die Gegner der Schechitah das Feld räumen mußten. Heute können die vitalsten Lebcnsintcreffen der Schweizer Jndenheit in frivolster Weise angetastet werden und die sämmtlichen Schweizer Gemeinden besitzen außer Herrn. Dr. Engelbert keinen einzigen Seelsorger, der den Willen nnd die Fähigkeit hat, den unseren Heiligthümern keck hingeworfenen Handschuh aufzunehmen. E n g l a n d. - London. Allem Anscheine nach beginnt die. Stöcker'sche Aussaat während seines hiesigen Aufenthalts Früchte zu tragen. Englische Zcitttngcn berichten, daß dieser Tage ein junger Deutscher (Ehrist) vor Gericht gestanden und verurtheilt würde, weil er einen Inden mit Steinen beworfen. Sein Vater hatte ihn dazu mit den Worten aufgemundcrt: Schlage den verfluchten Juden nieder! Die Zeit in gekommen, daß wir in derselben Weise mit ihncst verfahren wie die Russen. Der Verteidiger des Klägers hob hervor, daß wenn dieser Vorgang nur ein zufälliger gewesen wäre, er keine Anklage erhoben hätte, abex nach Aussagen von beglaubigten Zeugen sei es klar, daß in dem Stadtviertel, wo die ärmere, jüdische Bevölkerung wohnt, diese häufig von Christen, namentlich von Deutschen angcfallcn und mißhandelt' wird. Der Vater des Angeklagten war aus gleichem Grunde schon früher zn zwei Monat Gefängnis; verurtheilt worden' London. Als Seitenstück zu der wohlwollenden Gesinnung gegen die Inden seitens der Exkaiserin Engenie von Frankreich veröffentlicht Rabbiner Joel Rabinowitz folgende Thatsache: Zur Zeit, als die Kaiserin nach dem Zululande reiste, um die Stätte, wo ihr Sohn gefallen, zu besuchen und seine Leiche nach England überznführcn, lag mies meiner Gemeindemitglieder in der Kapstadt (Afrika) schwer krank darnieder. Der Kranke hatte aus den Zeitungen vernommen, daß die Kaiserin von ihrem Leibarzt Dr. Scott begleitet sei und er wünschte dringend denselben zn consultiren. Auf meine Verwendung sandte die Kaiserin nicht nur sogleich ihren Arzt, sondern der menschcnfrenndliche Arzt wiederholte auch seine Besuche, ohne irgend welche Bezahlung anzunehmen. Als Gegenstück zu der Intoleranz der brasilianischen Regierung erzählt genannter Rabbiner, daß zur Zeit der russischen Verfolgung er sich an mehrere Kauflente, Herausgeber von Zeitungen und Geistliche in Rio (Brasilien) gewandt, um sie zn