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Der Israelit · 1884-08-25 · Heft 68 (25.8.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 68 (25.8.1884)
Date
1884-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1133 Wohnungen und Straßen dringend ans Herz gelegt. Man ist seiner Aufforderung pünktlich nachgekommen. Die guten Folgen dieser Anordnung sind schon jetzt bemerkbar, indcin die Gesnndheitsverhältuisse im Judenviertel sich wesentlich gebessert haben. im Aus denHLeöcn eines ortyodoXen Uaööiners. Skizze von vr. Sta . . . (Fortsetzung.) (11. Capitel.) . Ein Vermittler. Rebb Jauno, der Possenmacher — wie, der Schammes von den guten Einwohnern in M... genannt wurde — war noch ganz polnisch gekleidet. Ein langer Kaftan, dessen ursprüngliche Farbe selbst dem geschicktesten Chemiker zu constatiren schwerfallen dürste, hüllte seine wohlgenährte, aufgedunsene Gestatt. Eine pclzartige Mütze, die aber die Zeit so gegerbt hatte, daß nur noch die herrliche Haut übrig geblieben, bedeckte seinen Kopf. Ein langer, ungepflegter, rother Bart wallte bis zu feinem Gürtel herab. Seine Nase war lang und dick, und der Schnupftabak, den er haufenweise in die Naslöcher zu schütten Pflegte, trug nicht wenig zu der musterhaften Sauberkeit seines Bartes bei. Kurz und gut, Rebb Jauno, der Possemnacher, war die Reinlichkeit und Sauberkeit selbst. Aber so schmutzig auch sein -äußeres Wesen war, so rein und unbefleckt war sein gutes, edles Herz. Er pflegte es selber zu sagen, dieser gute Mensch, daß er ein großer Amhorez') sei, der nicht einmal ganz correkt in Tephiloh*) zu lesen im Stande ist. Seine Eltern starben früh und seine Kindheit war verwahrlost. Roch in ganz jugendlichem Alter kam er aus Polen nach wo der Parneß3) Mitleid mit dem Jüngling, dem es 1) Unwissender. 2) Gebeibuch. 3) Vorsteher. . widerstrebte zu betteln, empfand und ihn zum Unter« schammes erhob, eine Würde, die dem Rebb Jauno damals als die höchste erschien, da er keinen andern Herrn über sich, als den OberfchannneS kannte. Wer beschreibt jedoch seine Freude, als er zu der Herrschaft und Würde eines Oberschamnies befördert wurde. Seine Simchoh') — wie er selbst geftand — war so groß, daß er beinahe geweint hatte, würden ihn die Thränen seiner Frau nicht erinnert haben, daß er Mann sei. Aber welche Fülle von Güte und Edelsinn war in dieser schmutzigen Hülle aufbewahrt? Jeder Arme, der M... passirte, mußte bei ihm zu einer Mahlzeit eingeladcn werden. Gar manches Geldstück wanderte alsdann aus der Tasche des armen Schammes in den Geldbeutel seines Gastes. Er kannte jede arme und nothleidende Familie in der Stadt und sorgte, dem Unglücklichen und Elenden Hilfe 31t verschaffen. Bei einer Lewajo5) lief er ohne Schuhe, in Strümpfen, mit der Ehewro Kadischoh ^-Büchse vor dem Draini* 7 8 9) und mit weinender Stimme rief er „Zdokoh tazil mimowes3). Auf einer Hochzeit war er der Ausgelassenste und Fröhlichste aller Gäste, was ihm auch den Namen, der.Possemnacher, eingebracht hatte. „Vorüch hanimzoim»)" — schrie Rebb Jauno schon in der Thnre und streichelte seinen Bart; dann nahm er ein Blatt Papier ans seiner Brusttasche. ' „Ich komme dem Rabbileben" — begann er zu lesen — „iimitbto10 *) zu sein, daß die Chasene") der Tochter des Rebb Schräge Fuchtmanleben mit dem choscheven **) BochurI3) Jesochor Wolfteben Punkt halb zwei gefeiert wird. Der Rebbelebeu wird also gebeten die Kowed") zu schenken und sich zu der bestimmten SchohIS) in der Schul eiuzufinden!" Rebb Jauno pflegte alle amtliche Mitthcitunge» zuerst zu stilisiren und sie dann abzulesen. „Es ist gut, Herr Fichte!" — sagte Dr. Stein etwas gelangwcitt, nachdem Rebb Jauno seine schriftliche Kundgebung fertig gelesen hatte. „Ich heiß mich Rebb Jauno, Rebbelebeu!" — sagte Rebb Jauno und schaute Dr. Stein an, als ob er bezweifle, daß ein Rabbiner einen solchen Jrrthum begehen dürfe. — „Ich kann den Familiennamen gar nicht leiden, Rebbelebeu 1" „Nun Rebb Jauno" — lächelte Dr. Stein — 4) Freude. .! 5) Leichenbegängnis^. C) Beerdigungsgenossenschast. 7) Sarg. 8) Wohlthätigleit errettet vom Tode. 9) Gegrüßt seien die Anwesenden. IO) Kund zu geben. 11) Hochzeit. 12) vorzüglicher. 13) Jüngling. 14) (*f>ve. 15) Stunde.

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