Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1884)
- Date
- 1884-08-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1132 Pretzbnrg, 12. August. Ju der gestern abgehaltenen städt. Verwaltnngsausschuß-Sitzung berichtete der Schulinspector, über seinen Besuch der. Talmud-Thora-Schule und Jeschiba und drückte sich hierüber folgendermaßen aus: Die Talmud-Thora- Schule besteht aus 4 Jahrgängen, in welcher die ans den 6 Klaffen der Elementarschulen ausgetretenen Schüler im Uebcrsetzen des Talmuds uiiterrichtet werden. Der Unterricht dauert täglich 7 Stunden und wird von vier Lehrern geleitet. Diese Schule wird nicht von der israelitischen Gemeinde, sondern durch die Dotation Einzelner und vom Schulgelde erhalten. Nach Beendigung dieser Schule treten jene Schüler, welche sich weiter bilden wollen, in die sogenannte Jeschiba ein, wo sie dann 6—9 Jahre den Vorlesungen und dem Unterricht des Oberrabbiners beiwohnen. Die Jeschiba ist also nicht ein Seminar fürNabbiner, sondern dieselbe ist eigentlich eine in.zwei Semester getheilte Religionsunterrichts- Schule für alle Jene, die sich den Talmud sind ien ergeben wollen. Der Rabbiner hält seinen Vortrag nach seinem Belieben, gewöhnlich 3—4 Mal wöchentlich, wo er die einzelnen Kapitel des Talnmds verliest unb erklärt und die an ihn gestellten diesbezüglichen Fragen beantwortet. Die Hörer der Jeschiba bestehen daher nicht nur aus jimgen Leuten, sondern oft auch schon aus ganz bejahrten Männern, die sich blos ein gründliches Wissen des Talnmds aneignen wollen. Die ursprüngliche Verordnung des hohen Ministeriums, laut welcher in die Jeschiba nur solche Schüler hätten aufgen o m men werden sollen, die 4 Mitt e ls ch n l k l a s s e n a b s o l v i r t e n, w u r d e ganz r i ch t i g d a h i n g e ä n d e r t, d a s; nicht die in die Jeschiba eiutretenden Schüler, sondern nur Diejenigen, die Rabbiner w e r d c n wollen, 4 Mittelschnlklaffen a b s o l v i r t haben müsse n. Derjenige Schäler der Jeschiba, welcher Rabbiner werden will, muß sich'dann erst einer eigenen Prüfung vor dem Oberrabbiner unterwerfen. Frankreich. Paris. Baron Hirsch sandte den Armen des heiligen Landes' 30000 Fr. In seinen! Begleitschreiben erwähnte er, das; nach Anssage der Aerzte in diesen! Jahre die Armen eine bessere Verpflegnng als sonst bedürfen, und er dies Geld für diesen Zweck verwendet wissen wolle. R u ß las d. Petersburg, 15. August. Gegenwärtig tritt bei uns wieder die heikle Judensrage in den Vordergrund. Abgesehen von den immer und immer wieder bald hier, bald dort zu. Tage kommende» Feindseligkeiten gegen die Juden, wie z. B. in Reval, in Njeschin (Gouvernement Tschernigow) ». f. w., hat man bei uns, als gelte es für die Berliner Ausweisungen „in Folge der focialistischen Tendenzen des russischen Jndenthums (wie ein hochconfervatives Berliner Blatt sich auszudrücken beliebte) ein Pendant zu schaffen, auch Maßregeln ergriffen, um den „jüdischen Sozialismus" auch kn Rußland nach Möglichkeit auszurotten, und zwar auf indirectem Wege. Indem man sich hinter den Buchstaben des Gesetzes gesteckt, welches sagt, daß den Kindern jüdischer Eltern nur diejenigen Mittelschulen zu besuchen, welche sich in dem Orte befinden, in welchem die Eltern Aufenthaltsrecht besitzen, gestattet fei, schiebt man den: Strom derselben in die Schulen, namentlich in Gymnasien und Realschulen, einen Riegel vor und glaubt dadurch auch der Ausbreitung des »jüdischen Sozialismus" einen Damm zu setzen. Eine anderweitige, dasselbe Ziel verfolgende Beschränkung der Lernfreiheit geht von der Universität Kiew aus, welche den Antrag gestellt, die Zahl der jüdischen Studirenden der Medickn auf */,-» der Gcsammtzahl der Studirenden zu fixiren. In dieser Sache hat das Ministerium die Entscheidung noch nicht gefällt, doch ist wohl anznnehmen, daß sie dem Gesuche der genannten Hochschule willfahren wird, ungeachtet dessen, daß das Gesetz den Inden im ganzen Reiche und in jeder Hochschule nach ihrer Wahl ihre Bildung fortznsetzen gestattet. Bei uns kümmert inan sich jedoch um dergleichen gesetzliche Bestimmungen nicht, und speziell in Hinsicht auf die Juden liegt ein einschlägiger Präcedenzfall bereits im Kriegsininisterinm vor, wo der Kriegs- Minister Waunowsky ganz willkürlich und im Widerspruche mit dem klaren Wortlaute des Gesetzes angeordnet hat, daß unter den Militärärzten nicht mehr als 10 Percent Juden sein dürfen. Afrika. Fez. (Marocco.) In einer Gemeindeversammlung hat der Hanptlehrcr der hiesigen Alliance- Schule, Herr Benoliel, auf die Eholeragefahr hingen wiesen und den Mitgliedern die Reinigung ihrer