Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1884)
- Date
- 1884-08-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1128 p p^nom 21 NL'p hoi« ta'Voj pi .niiOi8' in'p'? min 781 poon' . „Nabbou Gamliel sagte: Verschaffe Dir. einen Lehrer und entziehe Dich dem Zweifel und verzehnte nicht zu häufig nach ungefährer Schätzung." Der erste Theil des Ausspruches Nabbon Gamliels stimmt genau mit den Worten des Josua ben Perachjah überein; man muß daher erörtern, weßhalb Nabbon Gamliel die Worte des Weisen wiederholt hat, der ihm um mehr als ein Jahrhundert voraugcgangen. Die Beantwortung dieser Frage ergibt sich aus dem Zusammenhänge mit den Zeit- Verhältnissen. Während wir oben die Worte des Josua ben Perachjah gleichsam aus sich selbst erklärten, müssen wir hier die Zustände der damaligen Zeit zur Erklärung heranziehen. Die beiden sich einander gegenüberstellenden Schulen Hillels und Schammais standen in ihrer höchsten Blüthe. Die Lertheidignng der von einander abweichenden Lehrmeinungen forderte den Scharfsinn ihrer Vertreter heraus. Bis dahin war die Tradition übernommen worden, ohne daß irgend welche Meinungsverschiedenheiten Platz hatten greifen können. Der Schüler wich nicht von der Seite seines Lehrers, wie einst Josua nicht von der Seite seines Lehrers Moscheh sich entfernte. Eine unrichtige Auffassung der überkommenen Lehren war in Folge dessen ausgeschlossen.' Bei jeder Anwendung derselben fragte der Schüler den Lehrer, der dann etwaige Unrichtigkeiten und Jrrthümer sofort berichtigte. Zweifel und Meinungsverschiedenheiten konnten in Folge dessen nicht aufkommen. . xhv ’KDty N'21 nn '1'Q>n 121L'2 ,iiv8 *b pis h: iidV 8^ ,pis . pTX 8^>8 Die Schüler der Schulen Hillels und Schammai's pflegten nicht genügend den Umgang mit ihren Lehrern, und dadurch entstanden Zweifel und. verschiedene Auffassungen. Deßhalb mahnt Nabbon Gamliel poDn p p^nom 21 ntrp „verschaffe Dir einen Lehrer, einen Meister, der Dir immer zur Seite steht-und entziehe Dich so dem Zweifel. Vertraue nicht zu viel Deiner Auffassungsgabe, Deinem Gedächtnisse, Deinem Scharfsinne; es ist möglich, daß Du nicht recht verstanden hast, cs kömmt vor, daß das Gedächtnis; trügt und der Scharfsinn irrt; daher halte Dich an Deinen Lehrer und entziehe Dich dem Zweifel. - niivi8 iti»p*? min *?8i. „Und verzehnte nicht häufig nach ungefährer Schätzung!" Wenn Du einen Haufen Getreide vor Dir Haft, so wirst Du wohl als geübter'Landwirth wissen, wie viel Malter derselbe beträgt. Schätzest Du den Getreidehaufen auf huirdert Malter, so scheidest Dü zehn Malter als Zehnten ans. Aber es kan» doch sein, daß Du Dich in Deiner Schätzung um ein Weniges irrst, daß es 105 oder auch nur 95 Malter sind. Hast Du nun von 105 zehn abgeschieden, so hast Du zu wenig verzehntet; hast Du aber von 95 zehn abgeschieden, so befindet fich im Zehnten Korn, das der Verhütung nicht bedurft hätte. In beiden Fällen hast Du das Rechte nicht getroffen. So ergeht es mit alten Dingen, die der ungefähren Schätzung nnterkkegen. Es könnte ja Jemand, meinen, daß er fich dem Zweifel dadurch aut Besten entzieht, wenn er alle zweifelhafte Dinge nach der strengen Seite hin entscheide. Aber auch das ist nicht immer gut, wie das Beispiel von dem Zehnten beweist. So lehren auch unsere Weisen. (Ehulin f. 44 b.) 7D2 1)281' 8in DQSpVnD'hs nnim V^V :2läl"': '2 Raschi erklärt diesen Ausspruch dahin, daß, wenn Jemand in seinem eigenen Hause einen zweifelhaften Fall zu entscheiden hat, er erschwerend bestimme. Nabbenu Nissim weist diese Erklärung zurück, da dies nicht besonders Verdienstliches sei und auch der angeführte Vibelvers nicht paffe. Erbeutet daher diese Stelle folgendermaßen: Wenn Jemand - nur wenig gelernt hat, so'muß'er bei vorkommenden, zweifelhaften Fällen selbst Dasjenige, was erlaubt ist, für unerlaubt erklären. Hat aber Jemand mit heißem Bemühen das Studium der Thora gepflegt, so kann er in Folge feines großen Wissens - das Richtige herausfiuden und Dasjenige, was erlaubt ist, auch für erlaubt erklären, trotzdem der Anschein anfänglich dagegen spricht, und in Bezug auf eine Solchen heißt es kn der heiligen Schrift: Wenn Du genießest die Frucht Deiner Mühen, das heißt, wenn ein zweifelhafter Fall Dir vorkönmit, und Du kannst ihn in Folge Deines großen Wissens so entscheiden, daß der fragliche Gegenstand zum Genüsse erlaubt wird, dann Heil Dir und wohl Dir, Heil Dir in dieser Welt, denn Du darfst genießen, was andern,, minder Gelehrten, unerlaubt erscheinen würde, und wohl Dir kn der zukünftigen Welt, da Du durch Dein eifriges Bemühen um das Thorastudium Dir die ewige Seligkektrrwirbst. In diesem Sinne mahnt Rabbon Gamliel: Verschaffe Dir einen Lehrer, und entziehe Dich dem Zweifel; dann brauchst Du. nicht nach'ungefährer Schätzung zu entscheiden. (Fortsetzung folgt.)