Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1884)
- Date
- 1884-08-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1114 Ludwig lächelte. Der Kellner brachte das verlangte Wasser nicht, und Ludwig ließ das für ihn bestimmte Brod ruhig liegen. Das Concert war zu Ende; man erhob sich, um den Heimweg anzutreten. „Bezahle!" flüsterte Dorothea ihrenr Bräutigam zu. „„Heute, am Sabbat?"" fragte Ludwig erstaunt. „„Man wird mir Credit gewähren, und morgen in aller Frühe lasse ich die Schuld berichtigen."" Dorothea machte eine sehr ungnädige Miene. Herr Frank zog seine Börse und bezahlte, was die Gesellschaft verzehrt hatte. Die Sonne war untergegangen; vom Gebirge her wehte ein frischer, kühlender Wind. „Ah, das ist schön," sagte Dorothea, „und noch schöner ist es, daß Ulan den lästigen Sonnenschirm nicht mehr braucht. Willst Du ihn mir nicht tragen, lieber Ludwig?" „„Ich bedaure,"" entgegnete dieser, „„Dir diese Bitte abschlagen zu müssen. Wir sind hier vor dem Thore der Stadt, und man darf hier nicht tragen."" „Was heißt das?" „„Es ist uns verboten, am Sabbat außerhalb der Thore der Stadt Lasten zu tragen."" „Und ist mein Sonnenschirm eine so große Last?" „„Das Religionsgesetz unterscheidet nicht zwischen kleinen und großen Lasten."" „Das sind ja eigenthümliche Gesetze, von denen ich noch nie gehört habe." „„Es wird mir eine Freude sein, Dich in diesen Dingen zu unterrichten."" „Ich bin der Schule entwachsen und bedarf des Unterrichts nicht mehr." „„Du bist in allen Dingen vollkommen, Geliebte. Es sind ja nur ganz kleine Lücken, die ich in Bezug auf Deine religiöse Bildung entdecke. Glaube mir, es wird auch zu Deinem Glücke beitrügen, wenn Du Dich bemühest, den Vorschriften unsrer heiligen Religion in jeder Beziehung zu genügen. Wenn die Liebe Lehrmeisterin ist, so lernt man rasch und leicht."" - Er sah sie dabei so liebevoll an, daß sie ihren Aerger vergaß und ihm zärtlich die Hand drückte. „Gehst Du mit hinaus zu uns?" fragte Dorothea, als sie am Frank'schen Hause angelangt waren. „„Nein,"" entgegnete Ludwig, „„ichmuß mich heute von Dir verabschieden. Ich gehe in die Synagoge und von da nach Haufe, um die über Sabbat eingelausene Correspondenz zu öffne». Da wird es spät. Morgen werde ich so glücklich sein, den Nachmittag wieder in Deiner Gesellschaft zubringen zu können."" „Das ist recht! Wir wollen morgen Nachmittag eine Spazierfahrt machen. Bringe Deine Schwestern mit und auch Deinen Freund. Papa miethet einen großen Wagen, und dann fahren wir Alle nach St." „„So sei es. Gute Nacht, mein süßes Lieb!"" „Gute Nacht, mein Geliebter! Komme morgen nicht zu spät!" „„Gleich nach dem Mittagessen."" „Willst Du nicht bei uns speisen?" „„Ich kann nicht; ich habe nwrgen bis über Mittag hinaus viel zu thun; aber um drei Uhr spätestens werde ich mich mit den Meimgen einfinden."" Unterdeß waren auch die Andern herbeigekommen. Man verabschiedete sich. Herr Frank besuchte nur am Sabbatmorgen die Synagoge. (Fortsetzung folgt.) SiHsvZ ' MÄilxssl. Ich kenne ein dreisilbig' Wort, Nimmst Du von dem ein Sechstel fort. Wird noch ein Fünftel bleiben. In solchem wird's viermal genannt. Dem kleinen Kind ist's schon bekannt, Drum mag's die Lösung schreiben Xanten. Adolph Oster. Auflösung erfolgt in Nr. 60. Die Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 26. August zngegangen, in der folgenden Rümmer veröffentlicht. Auflösung des Räthsels in Nr. 65: Armuth. — 'irr Motte. "Tr 'n Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint kn der nächsten Nummer. Hierzu zwei Beilage». Verantwortliche Redaktion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Re. 45. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz.