Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1884)
- Date
- 1884-08-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1110 „Alls Langenthal wurde mir die Nr. 185 des Oberamergauer Tageblatts zngefchickt, in welchem aus meinem Aufsatze „Humanität oder Animalität?" in Nr. 61 des „Israelit" einige Bemerkungen zum Gegenstände der Besprechung gemacht lvcrden. Bei dieser Besprechung haben sich einige llncorrccthekten eingeschlichen, für deren Richtigstellung ich im Interesse der Wahrheit um Veröffentlichung nachfolgender Zeilen ersuche. Das Gutachten des verstorbenen Direktors Zanggcr zu Gunsten des Schächtens, wird in dieser Besprechung einer abfälligen Kritik unterzogen, und dabei behauptet, das; die. Juden auf dessen Gutachten so viel Gewicht legen. — Inwieweit diese Kritik anfechtbar ist, soll hier nicht erörtert werden, wohl aber erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß nicht die Juden, sondern die Polizeidirection in Zürich (damals Herr Regierungsrath Benz) zuerst Zangger nm ein Gutachten betr. des Schächtens ersuchte. In diesem bei Kayserling abgedruckten Gutachten heißt es wörtlich: „Die in Zürich wohnenden oder vielleicht andere bei der Sache interessirten Hebräer scheinen in meine Unbefangenheit oder Sachkenntnis; kein volles Vertrauen gesetzt zu haben und sie stellten an die Polizeidirection das Gesuch um Ernennung eines zweiten Experten in der Person des Prof, der Physiologie an hiesiger Universität, Herrn Dr. A. Fick, was genehmigt wllrde." Sollte nun die Hinfälligkeit des Zangger'schen Gutachtens in Wirklichkeit so sicher bewiesen sein, wie dies thatsächlich auf Grund des einen imOberamergauer Tageblatt mitgetheiltcn Falles doch nicht so ohne Weiteres behauptet werden kann, so ist doch jedenfalls daraus kein Schluß auf alle übrigen Gutachten zu ziehen und daraus zu folgen;: „Wie solche Gutachten entstehen und wie viel Werth ihnen beizumeffcn ist." Mit einer solchen Behauptung greift inan die wissenschaftliche Ehre der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Veterinärkunde ganz Europa's in schwer zu verantwortender Weise an, denn diese sind cs, die einstimmig das Schächten nicht als Thierqnäterei, sondern zum Theil sogar als allgemein empfehlenswerth bezeichnet haben. Es wird zwar eingewendet, das sämmtliche fachwissenschaftliche Autoritäten, die Kayserling aufzählt, Viviscktoren sind, in deren Augen das bedeutend mildere Schächten keine Thierquälerei sein könne. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Trebur. (Hessen). Vergangene Woche sollte auf dem hiesigen Rathhanfe die Neuwahl dreier Vorstandsmitglieder der hiesigen Religionsgemeinde stattfinden; es wurde jedoch keine einzige Stimme abgegeben. Der Großherzogl. Hessische Kreisratz zu Groß-Gerau hatte nämlich durch den hiesigen Bürgermeister bekannt machen lassen, daß aus 0 zu wählenden Gemeindemitgliedern er 3 Vorstandsmitglieder ernennen würde. — Hiergegen machte sich nun einstimmig eine Opposition geltend, dahingehend, daß die hiesige isr. Gemeinde die nämlichen Rechte, wie die zu Groß-Gerau, die vermittels einer direeten Wahl ihren Synagogen-Vorstand ernennt, beansprucht. — Sollte diesem begründet und berechtigten Verlangen nicht entsprochen werden, so finden sich hoffentlich in unserer Mitte Männer, die ein Gesuch um directe Wahlordnung an die hessische Regierung einreichen werden. E. G. Berlin, 13. August. Ein nächtlicher Skandal im Cafö Central in der Jerusalemerstraße beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht. In der Nacht zum 11. Mai, Morgens gegen 2 Uhr, kam es in dem gedachten Cafb zu einem gewaltigen Skandal, der in eine blutige Prügelei «Mief. Heber die Veranlassung zu dieser stürmischen Scene gehen die Behauptungen der betheiligten Parteien weitauseinander. DerWirth des Lokals sagt ans, daß in. jener Nacht ein Trupp von Antisemiten nach vorheriger Verabredung vor der Thür in kleinen Trupps in das Caffee gekommen sei, sich an verschiedenen Tischen niedergelassen und mit den anwesenden Israeliten Streit angesangen habe, der dann schließlich in Folge des Schlachtrufes „Juden raus" in Thätigkeiten übergegangen sek. Die Gegenpartei behauptet, daß sie von den anwesenden jüdischen Glaubensgenossen meuchlings überfallen worden sei. Sie seien an jenem Abend gemeinsam aus einem Verein gekomnien und kn jenes Cafb getreten, um noch eine Schale Kaffee zu trinken. Als einer von ihnen die antisemitische „Wahrheit* ans seiner Tasche gezogen, sei ein gewisser Gramann auf denselben losgegangen, um chm darüber Vorhaltungen zu machen; daran habe sich ein Tumult eknüpft, es wurden die Rufe „Besuchte Christenunde!* und „Juden raus!'" laut »nd die jüdischen Gäste hätten unter Assistenz der Bediensteten des