Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-08-21 · Heft 67 (21.8.1884) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 67 (21.8.1884)
Date
1884-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449470--20689-2510231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1109 dennoch nicht, Gott zu ehren, indem Du Sein Ebenbild freundlich aufnimmst! Mit diesem Wahlspruche Schammais steht sein Benehmen den drei Proselyten gegenüber, von denen wir in einem der früheren Capitel berichtet haben, nicht im Widerspruch. Gewiß hat Schammai auch diese freundlich empfangen und er hat. sie erst hinweggejagt, als sie, seiner Ansicht nach, Ungebührliches von ihm verlangten. Empfange jeden Menschen mit ftcundlichem Angesichte! lehrt der Weise; Ungebührlichkeiten aber brauchst Du Dir nicht gefallen zu lassen. Empfangen aber mußt Du selbst den geringsten und unbedeutendsten Menschen mit freundlichem Angesichte; denn er ist, ebenso wie Du, im Ebenbilde Gottes erschaffen worden. (Fortsetzung folgt.) Zur Agitation gegen das Schächten in der Schweiz. Daß der Gerichtspräsident von Aarwangen vier Experten zu einem Gutachten über das Schächten aufgefordert hat, welches dasselbe in schärfster Weise verurtheilen soll, habe ich Ihnen bereits mitgetheilt. Eine gewisse Sorte von Blättern scheint aber trotzdem über den Ausfall des Richterspruchs noch nicht beruhigt zu sein und hetzt unablässig fort, um die öffentliche Meinung gegen das Schächten einzunehmen. — Die Art und Weise, in der es geschieht, muthet dem Publikum allerdings eine große Unwissenheit und Leichtgläubigkeit zu, und es ist jedenfalls von Interesse die ganze Kampfesweise an einer Probe aus dein reichen uns vorliegenden Material zu kennzeichnen. In Langenthal, dem Orte, wo das Verbrechen begangen wurde, einen Ochsen durch Schächten zu quälen, erscheint eine Zeitung „Das Oberamergauer Tagblatt," welches sich in seiner Nummer vom 6. August; folgendermaßen vernehmen läßt: Langenthal. Aus Mainz erhalten wir eine Nummer des „Israelit," Centtalorgan für das orthodoxe Judenthum. In derselben wird die in der Schweiz in letzter Zeit lebhaft besprochene Frage des Schächtens behandelt, nnd alle Israeliten aufgefordert, ihren ganzen Einfluß aufznbieten, daß nicht die jetzt von Langenthal ausgegangene Bewegung gegen das Schächten obsiege. Wir wollen auf zwei Punkte des ziemlich langen Artikels kurz eintteten. Alle Vertheidiger des Schächtcns stützen sich immer auf die Gutachten, welche der Rabbiner Dr. Kayserling in den 60er Jahren von einigen Professoren einholen ließ und in denen, allerdings das Schächten als eine nicht thierquälerische Tödtnngsart dargestcllt wird. Wie solche Gutachten entstehen und wie viel Werth ihnen bcizumcffen ist, wollen wir unfern Lesern an einem kleinen Beispiele zeigen. Im Kanton Zürich hatte ein Metzgerbursche ein Rind zu transportircn. Es war Sommerzeit, folglich heiß nnd die Bremsen lästig, kein Wunder also, daß das Rind unruhig wurde. Der Metzgerbursche stieß nun dem Thiere sein Messer in beide Augen nnd blendete cs, wegen welcher That ihn der Thierschutzvereiu verklagte. Der nun verstorbene Herr Director Zangger, derselbe, auf dessen Gutachten zu Gunsten des Schächtcns die Juden so viel Gewicht legen, wurde vorn Gerichte ebenfalls eingeladcn, sich darüber zu äußern, ob die That des Metzgerbnrschen als Thicrquälerei zn betrachten sei. Und was sagte Hr. Zangger: Das Blenden des Rindes habe mir den Zweck gehabt, dasselbe ruhiger 31t machen und könne deshalb nicht als Thierquälerei angesehen werden. Dein Richter mochten über diese Auslegung, trotz des berühmten Namens des Herrn Zangger, einige gelinde Zweifel erwachen nnd er verurthcilte den Metzgerbnrschen zn einer Buße von zwanzig Franken. Der Leser niag hienach beurthcilen, wie die Aeußerung des Herrn Zangger in der Gntachtensammlung .Kayserlings anzusehen ist: das Schächten sei keine Thicrqnälerei. Die Professoren und die fachwissenschaftlichen Autoritäten, die Hr. Dr. Kayserlkng nin.khre Meinung befragte, sind Bivisektoren, das ist genug gesagt. Wer Thiere bei lebendigem Leibe zu zerschneiden pflegt, kann natürlich nicht zngeben, daß das, gegenüber der Vivisektion, freilich bedeutend mildere Schächten eine Thierquälerei sei. Ein weiterer Punkt, den die Israeliten immer hervorheben, ist die angebliche Bcdrängung der Gewissen. Der „Israelit" behauptet, seine Glaubensgenossen würden durch die Abschaffung des Schlichtens 311m Vegetarianismus verdammt. Das wäre allerdings schrecklich, wenn es wahr wäre. Wer aber wird das glaubend Wenigstens die Bevölkerung von Langenthal nicht, die alle Tage sehen kann, wie die glanbensstrengen Israeliten Alles essen, was gut schmeckt, vom zarten Kalbskotelet bis zum Schweinsrippcli nnd der Bratwurst, aus der Küche eines christlichen Wirthcs. Darauf ist nun dieses Mal „Zur Abwehr" eine Antwort erfolgt, und zwar von Herrn Rabbiner Dr. Ehrmann selber, die mit großer Ruhe und Sicherheit, gewürzt mit feiner Ironie diesen Insinuationen mit folgenden Worten entgegen tritt:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.