Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1884)
- Date
- 1884-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1108 Gutes tljiui, da die Summen, welche öffentlich gespendet werden, größer zu sein pflegen als die Spenden, die man ohne vorangegangenes Gelübde gibt, so könnte durch das wenige Sprechen das Geschehen des Guten geschmälert werden; deßhalb warnt die heilige Schrift und spricht: „Hüte, was aus deinen Lippen hervorgeht, das heißt: sprich wenig; thue aber, wie Du gelobt haben wurdest dem Ewigen, Deinem Gotte. Gib das, was Du als 112, Gelübde, hast aussprechen wollen, als mi2, freiwillige Gabe mit gutem freudigem Herzen. Wenn Du auch nicht durch ein 112, Gelübde, Dich verpflichtet hast, so handle so aus freiem Antriebe, wie wenn Du, dem Zwange der Oeffentlichkeit nachgcbcnd, es versprochen hättest." (ö. B. M. C. 23, B. 24. Vergleiche hms? emo zu unsrer Mischnah). Derjenige, welche viel verspricht und wenig hält, bringt sich in den Ruf eines unzuverlässigen Menschen und fügt oft Anderen den größten Schaden zu. In unvergleichlicher Weise schildert das der weise König in seinen Sprüchen (C. 25, V. 19.) :nirr DVQ 1222 1212212 r2l))2I2 *7212 HJ721 p' „Ein loser Zahn und ein wankender Fuß — so ist die Zuversicht auf einen Treulosen am Tage der Roth." — Wenn Jemand einen kranken Zahn im Munde hat, er weiß eben noch nicht, daß dieser Zahn krank ist; plötzlich beißt er darauf, so erschüttert ein furchtbarer Schmerz seinen Körper vom Scheitel bis zur Zehe. Wenn Jemand auf einem kranken Fuß sich stützen will, so verursacht er sich nicht allein Schmerzen — er fällt auch um. Gerade so ist Derjenige, der viel verspricht und wenig hält. Wir wollen das an einem Beispiele klar machen. Einem wenig bemittelten Manne bietet sich die Gelegenheit zu günstigem Einkäufe von Maaren, deren Preis jedoch sein Vermögen überschreitet. Er geht zu einem reichen Bekannten und stellt ihm die Sachlage vor. „Kaufe nur, sagt dieser, ich werde Dir schon aushelfen." — Und der Arme thut so im Vertrauen auf den reichen Freund und läßt sich in Verbindlichkeiten ein, denen er aus eigenen Mitteln nicht genügen kann. Aber da der Tag des Zählens kommt, zieht sich der reiche Freund zurück; er hat hundert Ausreden, sein gegebenes Wort nicht zu halten. Zu spät erkennt der Anne, daß es ein hohler Zahn war, mit dem er hat beißen, ein kranker Fuß, auf den er sich hat stützen wollen. Die Gläubiger kommen und nehmen ihm Alles; zu ganz geringen Preisen werden in öffentlicher Versteigerung die Maaren verschleudert, für die er sonst ganz anständige Summen hätte erzielen können. Er geräth in die bitterste Armuth, sein guter Name ist dahin, und er muß Noch leiden mit Weib und Kind. Das Alles hat der unzuverlässige Freund verschuldet, der viel versprochen und wenig gehalten hat. . - „Mache das Studium der Thora zu Deiner feststehenden Beschäftigung, sprich wenig und thue viel, und empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesicht!" Wenn Jemand das weltumfassende Studium der Gottcslehre zu feiner Hauptbeschäftigung macht, so meint er häufig, schon damit allein seinen Pflichten genügt zu haben; deßhalb fugt der Weise warnend hinzu: Sprich wenig und thue viel; denn der eigenlliche Werth der Thorakenntniß spricht sich in gottgebotenen Thaten aus. Viel lernen, viel thun — bleibt da noch Zeit zum freundlichen Verkehre mit den Mitmenschen? Allein die dritte Same, auf der das Weltall ruht, die allgemeine Menschenliebe, ist nicht minder groß und wichtig als die beiden andern Säulen. Da sitzt der Gelehrte über seine Folianten gebeugt, sinnend und forschend, kämpfend oftmals mit der Noch des Lebens; denn die Zeit, die Andere zur reichlichen Beschaffung ihres Unterhaltes verwenden, widmet er dem Studium .der Gotteslehre. Dabei werden chm Ehrenämter übertragen, die er zum Wohle seiner Mitmensche« verwaltet. Durch solche zeitraubende Beschästkgung läßt er jedoch die für das Studium bestimmte Zeit sich nicht kürzen, denn diese muß ja eine feststehende sein; er schmälert sich lieber die Sttmden des Schlafs und der Erholung. Und mm kommen noch Leute zu ihm, geringe, unbedeutende Menschen, die den großen, berühmten Mann kennen lernen wollen oder irgend ein anderes für ihn gleichgilttges Interesse haben, das sie zu ihm führt. Wäre es da dem überbeschäftigten Manne, der einen großen Theil der Zeit, die Andere schlafend oder mit Zerstreuungen verbringen, opfert, um seinen vielfache» Pflichten zu genügen — wäre, es einem solchen Manne zu verdenken, wenn er die lästigen Besuche, die faden und langweiligen Schwätzer barsch und uufteundlich zurückweisen möchte? Aber der wahrhaft Fromme muß auch diese mit Geduld und Sanftmuth zu ertragen wissen. Jeder Mensch, auch der geringste und unbedeutendste, ist im Ebenbilde Gottes erschaffe». Du ehrst den allmächtigen Gott, wenn Du seinem Ebenbilde mit Liebe rmd Freundlichkeit entgegenkömmst. Daher empfange jeden Menschen mit freundlichem Angesichte. Wenn Du noch so sehr beschäftigt bist, wenn Du Deine Zeit ausMst mit den wichtigsten Dingen, mit wissenschaftlicher Forschung und gottgefälligen Thun, so versäume