Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1884)
- Date
- 1884-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Serlaue zu Ur. 66 des Israelit. Leitender Artikel. Neöer Kekigio» und retigiöfen Sinn der Mnzett. Von Dr. H.Sänger. V. Aehnlich den Gefühlen, von denen das Kind den Eltern gegenüber beseelt fein soll, ähnlich den Pflichten, die das Kind den Eltern gegenüber zu erfüllen hat, müssen unsere Gefühle und Verpflichtungen gegen unfern himmlischen Vater sein, nur in noch verstärktem Grade. Ehrfurcht und Liebe, Gehorsam und Dankbarkeit müssen das Kind beseelen. Die Eltern müssen dem Kinde ein Heiligthum sein. Dadurch, daß sie ihm das Leben gegeben, es erziehen, ernähren, für es sorgen und es überwachen, müssen sie der Inbegriff des ihm am Nächsten und Höchsten Stehenden auf Erden sein. Asse seine Wünsche und Steigungen hat es zurückzudrängen, wenn es befürchten muß, nicht nach dem Sinne der Eltern zu handeln. Alles, was sie ihm sagen, hat es zu 4hun. In ihrer Nähe und Gegenwart hat es nur auf die Eltern zu achten, ihre Wünsche zu erfüllen, Alles, was ihnen mißfallen könnte, zu unterlassen. Wissen die Eltern doch gewiß, was sie ihren Kindern sein wollen, und wie sie wünschen, daß ihre Kinder voll und ganz das Verhältniß zu ihnen erfassen möchten. Wie ihre Kinder ihnen das Theuerste und Kostbarste auf Erden sind, so wollen auch sie von den Kindern betrachtet werden. Ich weiß nicht, ob Viele heute von sich behaupten können, sie seien von diesen kindlichen Gefühlen ihrem himmlischen Vater gegenüber durchdrungen. Man hält es für überflüssig, zu Gott zu beten; Ihm im Gebete täglich zu danken fiir Leben und. Gesundheit, für seine reichlichen Spenden und den Segen, den Er unseren Bemühungen und unserem Fleiße angedeihen läßt; zu danken in Anerkennung Seiner großen Schöpfung, die uns zum Genüsse, zur Bedienung freisteht; Ihn an zu erkennen als den Schöpfer dadurch, daß wir die Schöpfung würdigen und rühmen und den Meister loben und preisen für Sein großartiges, bewundernswerthes Werk. Das Alles halten Viele für überflüssig. Was sie dagegen einwcnden, ist hinfällig; das kindliche Gefühl allein ist hier ausschlaggebend, und das geht eben ab. Was nützt und frommt unser Dank und unsere Anerkennung? frägt man. Dürste ein Kind seinen Eltern gegenüber so denken? Sie sind ja wohl auch nicht auf das Kind angewiesen, denen ja auch nicht gedient ist mit des Kindes Dank und Anerkennung und Lob. Gott, so sagt man, stehe zu erhaben. Und doch ist Er der Vater der Schöpfung. Warum soll Er nicht seiner Geschöpfe Dank und Lob und Liebe wollen? Ist es nicht auch auf uns von erhebendem, veredelndem, verbesserndem Einfluß? Das Kind muß seinen Eltern stets 311 Diensten stehen, auch wenn es für sich lebt, seinen eigenen Heerd sich gegründet hat. Auch Gott haben wir zu dienen, müssen stets in Seinen Dienst uns stellen. Wie ein gutes, wohlerzogenes Kind Rücksicht auf seine Herkunft zu nehmen hat, mn seinen Eltern keine Schande zu machen; wie es sich befleißigen muß den Lehren und dem Beispiel der Eltern nachzu-> leben: ebenso haben wir Rücksicht zu nehmen auf unsere Abstammung, haben dem Beispiele zu folgen, das der Schöpfer uns in Seiner Schöpfung vorgeführt hat, indem Er Vollkommenes, Gutes geschaffen. Gerade so wie ein Kind seinen Beruf verfehlt, wenn es all diese Pflichten gegen seine Eltern verabsäumt, ebensowenig werden wir gute, edle Menschen sein können, ebensowenig unsern Menschenberuf erfüllen, wenn wir nicht im Sinne unseres erhabenen Schöpfers leben. Nur das ist ein braves Kind, das seine Eltern ehrt und liebt, das dankbar und gehorsam ist, und nur wer all diese Bedingungen gegen seinen himmlischen Vater erfüllt, der allein ist religiös. Das Kind, das wohl seine Eltern anerkennt als seine Erzeuger, all ihre Liebe und Sorgfalt, all ihre Wohlthaten empfängt, aber nicht erwiedert, das verleugnet dennoch seine Eltern. Und jede Anerkennung Gottes, die in nichts weiter besteht, als in diesen Worten ohne Inhalt, ist soviel wie keine, ist eine Verleugnung. Weil das Verhältniß zwischen uns und unserem Schöpfer nur ein natürliches und so leicht verständliches ist, er^ kennt auch die Menschheit in ihrer großen Mehrheit dasselbe an. Und der moderne Jude will eine Aus-