Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1884)
- Date
- 1884-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1094 ganzes Sinnen nnd Trachten auf die Synagoge concentriren, und sie sich zufrieden geben, wenn diese gefüllt ist, — wenn ich die Ursache in der nicht unberechtigten Angst erblicke, die leere Synagoge möchte ein Beweis für die Entbehrlichkeit der Herren sein, die in derselben als Rabbiner fungiren: so fährt Herr G. auf, ob meiner niedrigen Gesinnung, die sich nicht einen Rabbiner denken könne, welcher sich für „Hebung des religiösen Sinnes" auch ohne egoistische Hintergedanken interessire? Ob ich mir keinen solchen Rabbiner denken könne? Wohl kann ich mir solche denken, wohl weis; ich, das; Männer ihre ganze Existenz ausgegeben, weil man sie an ihrem Wirken, den religiösen Sinn zu heben, durch Anrufung der politischen Machthaber tatsächlich gehindert hat. Die haben aber nicht in der Concession an die Gesetzesverletzung die Hebung des religiösen Sinnes gesehen; die wollten nicht sich nnd ihre Gemeinde durch eine gefüllte Synagoge über den religiösen Sinn in der Genieinde h'mwegtäuschen. Ich kenne die Alten, ich kenne die Neuen, jene sagten: „Lieber gehe ich mit Weib und Kind betteln, als daß ich durch eine Handlung in der mir anvertrauten Gemeinde nur den Schein aufkonnncn ließe, der Bruch mit einer Vorschrift der Thora sei irrelevant, weil er ja eben Thatsache sei;" die Neuen sagen: „Ich bleibe; geschehene Dinge sind nicht zu ändern, und wir werden uns schon zu helfen suchen!" Nun aber hält mir Herr Dr. G. ferner noch vor, ich hätte „diese Schuld," d. h. seinen Vorschlag seiner Kandidatur in Cassel in die Schuhe geschoben und fängt dann an, auf die „erbärmlichen Menschen" mit dein es der „Israelit" zu thun hat, loszuziehen. Aber warum lesen Sie denn so schlecht, verehrter Herr? Habe ich gesagt, daß Sie den Vorschlag gemacht haben, um in Cassel zu reüssiren? Habe ich nicht vielmehr gesagt, Sie würden in Cassel reüssiren, da Sie diesen Vorschlag gemacht haben. Das ist doch wohl etwas Anderes. Daß Herr Gotthelft, der sich ja warm für die Sache interessirt, und dem die Angelegenheit Herzenssache ist, es wahr und ehrlich meint, ist ja über jeden Zweifel erhaben, und da wird er doch gewiß alles aufbieten, dem Manne zum Rabbinate zu verhelfen, in welchem er den Därmen Vertreter seiner Ideen sieht, welche er für solche hält, die am besten dem allgemeinen Wohle dienen. Dies ist sein Recht; das wird ihm Niemand verübeln dürfen. Auf diese Gefahr habe ich hingewiesen, und wer meine Worte mit Ruhe liest, wird auch nichts Anderes aus denselben herausfinden Annen. Bis jetzt konnte ich so ziemlich dem Herrn Dr. G. in seinen Klagen und Beschwerden folgen, jetzt aber wird es schwierig, denn von da ab beginnt ein Conglomerat meiner Sätze, aus dem ich mich nicht mehr heraussinden kann. Er kehrt das Oberste zu Unterst, um mit einer Waffe zn chleudern, deren nach dem eigenen Ausdruck des Herrn G. der gebildete Mensch sich nicht bedient. Doch lassen wir das. Mitten unter den „elenden Verdächtigungen" findet Herr Dr.G. auch ein „gesundes Weizenkorn". Natürlich bin ich da das blinde Huhn, das dieses Weizenkorn gefunden, wahrscheinlich sei es mir selbst unbewußt, denn es sei nur so nebenbei hkngeworsen. Daß ich diesen Gedanken an den Schluß meines Artikels gestellt habe, dürste Herrn G. eigentlich schon belehren, daß ich in diesem die Point desselben erblicke. Wenn es aber Herr G. Vergnüge» macht zu glauben, ich hätte mit diesem Gedanken mehr Glück als Verstand gehabt, nun, so mag er in diesem Glauben selig werden. Dieser Gedanke ist der, daß einem Verlangen nach religiöser Belehrung an einem andern Tag als am Sabbat, weil man an diesem durch das Geschäft gehindert sei, von einem gewissenhaften Rabbiner nicht Folge geleistet werden dürfe. Die Auseinandersetzung des Herrn Dr. G., der es nicht allein als gestattet, sondern als fiir das religiöse Bewußtsein fördernd ansieht, wenn sin einer solchen Lage der Rabbiner sich entgegenkommend zeigt, hat mich nicht überzeugen können. Daß man ein solches Entgegenkommen als eine Concession an den Chillul Schabbos ansehen wird, das einzufehen, dazu braucht man doch nicht allzu scharfsinnig zu sein, daß man aber bei einem solchenEntgegenkommendurch Rede und Lehre auf Rehabilitirung des Schabbos wird hinwirken können, das zu glauben, dazu gehört in der That entweder eine große Beschränktheit oder eine Fähigkeit sich in Jllussionen einzuwkegen, um welche ein Erwachsener nicht mehr zu beneiden ist. Hier könnte ich nun eigentlich meinen „Trostartikel" schließen, wenn nicht der Herr Redakteur, der vier Spalten lang Herrn Dr. G. reden ließ und dabei erst einmal in einer Redakttonsbemerkung zu Wort gekommen ist, noch dem Arttkel ein Schwänzchen in einer zwetten Bemerkung angehängt hätte, in welcher er für dir lange Selbstbeherrschung, die er. bisher gezeigt, sich verdientermaßen entschädigt. Diese Bemerkung lautet: .Das; der .Israelit*, trotzdem wir in der redaktionelle» Nachbemerkung zn dem G.'schen Vorschlag in Nr. 2? nnL prinzi-