Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1884)
- Date
- 1884-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1093 Wissenschaft verwehrt. Nur Gott allein weiß und kennt sie ganz. Daher heißt dieser Theil der Gotteslehre vorzugsweise "7 min. Den offenbaren Theil der Gotteslehre hingegen hat uns Gott ganz und gar überliefert; der Mensch ist befähigt, durch angestrengten Fleiß und unermüdliche Ausdauer ihn vollständig in sich aufzunehmen. Daher kann man in Bezug darauf sagen: vrnin, unsre Lehre, innn seine Lehre, “jnTin, deine Lehre rc, Sie gehört dem, der in ihr forscht. Daher lehrt der Psalmist iüdh 'i nuro on Wohlgefallen mag der Fromme an der Thora haben, die vorzugsweise -7 min heißt; unablässig forschen aber soll er in der Thora, die, imin, ihm voll und ganz zu eigen ist gegeben worden. Und in derselben Weise belehrt uns Schammai yzp ^mm rnry „mache Deine Thora zur feststehenden Beschäftigung." Widme nicht den größten Theil Deiner Zeit dem Eindringen in die Geheimnisse der Gotteslehre: wohl magst Du Dich mit Liebe manchmal auch diesem Studium hingeben; aber Dein vorzüglichstes Mühen, Dein unablässiger Fleiß'gelte der offenbaren Gotteslchre; feststehend sei und bleibe immerwährend Deine Beschäftigung mit Bibel und Talmud. (Fortsetzung folgt.) ßin Hrost-Artikel. 8. Als Antwort auf den „Tischo b'Ow-Artikel" in Nr. 31 der „Jsr. Wochenschrift" können wir wohl nichts Besseres thun, als mit einem „Trost-Artikel" auftuwarten. Herr Dr. Goldschmidt-Weilburg, dessen famose Sabbat-Sonntag-Eompagnie-Jdee ich in Nr. 55 u. 56 d. Bl. beleuchtet habe, hat in . Nr. 31 der „Wochenschrift" eine „Erwiederung" veröffentlicht, welcher der Nedacteur den Namen eines „Tischo b'Ow-Artikel" gegeben hat. Daß dieser Artikel in niir keine Tischo b'Ow-Stimmung hervorgerufen, mag wohl einestheils daran liegen, daß ein guter Freund mir die betreffende Nummer erst nach mtv 7vn2 zugeschickt hat, andererseits durfte aber der Tenor des ganzen Artikels die NQM-Stimmung sogar noch gesteigert haben. Denn er hat mich belehrt, daß meine Worte nicht umsonst gesprochen waren, da sie da saßen, wo sie sitzen sollten. Sehen wir uns diese „Erwiederung" genauer an. Herr Dr. Goldschmidt will gefunden haben, daß ich schimpfe. Wo denn? zeigen Sie mir doch, geehrter Herr, ein einziges Schimpfwort in nieinem Artikel! „Schimpfen an und für sich ist eine häßliche Sache. Ein gebildeter Mensch wird immer ohne solche Mittel auskonnncn." Das sind Ihre Worte Herr Dr.! u. Sie haben Recht. Da finde ich aber nun in Ihrem Artikel, daß Sie reden von „erbärmlichen Menschen," mit denen es eine jüdische Zeitschrift («eil. der „Israelit") zu thun hat. Das nennen Sie wohl nicht geschimpft. Da kommt auch so ein Wort wie „ehrloser Schurke" vor, das gehört wohl zu Ihren feinsten Complimenten. Das Citat aus Jean Paul, daß „Hunde" einen feineren Sinn für Personen als für Sachen haben, soll wohl auch eine artige Liebenswürdigkeit sein. Ei, ei, Herr Goldschmidt, ein gebildeter Mensch, so meinten Sie doch, könne ohne Schimpfen auskommen. Ich muß aber zur Ehrenrettung des Herrn G. hinzufügen, daß diese Art höflicher Ausdrucks- Weise und guten Tones in der Atmosphäre der „Wochenschrift" zu liegen scheint. In einer Schlußbemerkung, mit der ich mich noch besonders beschäftigen werde, citirt der Nedacteur einen Vers aus Jesaia gegen mich 121 -n*A -junn ottf 'in; und um einen Genossen im Schimpfen zu haben, läßt er den Propheten sagen: „Wehe über dieses Gelichter u. s. w." Und in derselben Nummer, in welcher Herr Dr. G. seinen instructiven Vortrag über die Unanständigkeit des Schimpfens hält, eines Mittels, dessen der Gebildete sich nicht bedient, in derselben Nummer wird der „Israelit" mit der Bezeichnung „Latrinenblatt" bedacht. Unwillkürlich wird man hier an jene guten Leutchen mit den Kropfhälsen erinnert, welche die auslachten, welche die Natur nicht mit dem hübschen Anhängsel am Halse ausgestattet hatte. Zuerst bemängelt Herr G., daß ich die Idee des Herrn Gotthelft in Eassel zu einer „Frucht der Berliner Rabbiner-Versammlung" gemacht habe. Wird es dem Herrn Goldschmidt vor dieser Idee so bange, daß er laut Protest gegen beir Gedanken erhebt, als könne sie im Schoße derselben gezeitigt worden sein? Seien Sie jedoch unbekümmert, wenn ich selbst hervorgehobcn, daß Sie die Idee des Herrn Gotthelft bearbeitet haben, so kann ich diese Idee doch nicht als ein Kind oder als eine Frucht der Rabbinerversammlung erklärt haben. Hätten Sie mit ruhigem Blute den Eingang zu meinem Artikel gelesen, so würden Sie erkannt haben, daß ich nicht diese Idee, sondern die Zubereitung derselben, Ihre auf der Versammlung nicht gehaltene Rede über die Hebung des religiösen Sinnes als die Frucht dieser Versammlung bezeichnet. Wenn ich die Ursache der befremdenden Erscheinung, daß die Rabbiner der Rcformrichtung ihr