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Der Israelit · 1884-08-14 · Heft 65 (14.8.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 65 (14.8.1884)
Date
1884-08-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Beilage;u Nr. 63 -es Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Gericht. Azariah, ein nationales Werk, von Rev. M. Hast in London. Der Begründer der alt-jüdischen Musik war König David; er war der Inspirator, er richtete Musikschulen ein und für jedes Instrument waren Musiklehrer. Assaf, Hemaiin und Jedathan waren die Obersten des Gesanges und Vorsänger. Chananjah war Vorbeter; er mußte die religiösen Melodien einstudiren, er sang Alles vor und die Harfner sangen ihm nach. Seitdem hat sich die Musik in Israel eingebürgert und wurde stets von Juden, mit Vorliebe betrieben. Der weit berühmte Ober-Cantor des englischen Reiches Rev. M. Hast ist von der Statur mit manigfachen Fähigkeiten begabt, und er verstand es, uns durch sein.allbeliebtes nationales Werk „Azariah" in die alt-babylonischen Zeiten zu versetzen. Mr.Hast theilt sein Oratorium in 4 Abschnitte ein, welche im ganzen 30 Piecen enthalten. Zuerst werden wir in die Zeit versetzt, als viele Familien aus der Gefangenschaft nach Palästina zurückkehren. Viele, selbst streng religiöse Männer verzweifelten jedoch an einer glücklichen Realisirung des Lieblingsplanes, Jerusalem wieder zu erbauen. Eine Anzahl derselben ging daher nicht nach Palästina, sondern wandte sich unter Anführung Azariahs (Basso), einem Sproß aus der königlichen Familie nebst dessen Gattin Judith, (Alto) seine Tochter Sulamith (Soprano) und deren Bräutigam Emanuel (Tenor) gen Westen zu den Inseln. — In einem gediegen, prächtig ausgestatteten Quartett, mit Ehor, hören wir das inA-moll geschriebene „Fare well, Jerusalem“ (Lebe wohl, Jerusalem). Nach kurzer Einleitung werden die Leiden der Kolonisten während der Seereise geschildert, und die Emigranten erwidern auf die Ermahnungen und Aufmunterungen der couragirten Sulamith in wohlgelungenen, melodischen Weisen. Endlich gelang die Gesellschaft an das Ziel ihrer Wünsche, sie kommen zur neuen Heimath. — Azariah, begleitet von dem Chor der Frauen, dankt dem Allmächtigen für feine Güte. — Doch kurz nach der Ansiedelung schon, machte sich eine feindselige Haltung gegen die neuen Ankömmlinge bemerkbar. Man verdächtigte ihre Religion, deren fremde Eeremonien Allen ein Dorn im Auge war. — Als nun gar judenfeindliche Stimmen aus den Nachbarländern zu ihnen drangen, begann bald eine allgemeine Judenverfolgung. Die Spitze richtete sich, wie sich denken läßt, gegen Azariah und seinen Anhang. Er aber verlor sein Gottvertraucn nicht, sondern hielt fest an dem Glauben seiner Väter und Brüder. Je stärker man nun gegen ihn ankämpfte, desto energischer erfolgte seinerseits die Vertheidigung seines Glaubens und seiner Religions- Vorschriften, deren heilsame Gründe und erhebende Lehren er den Nichtjuden erklärte. Azariah's überzeugende Reden verfehlten ihre Wirkung nicht und' bald verwandelte sich der Haß in Freundschaft. Tief gerührt dankt Azariah dem allmächtigen Gotte seiner Väter für die gnadenvolle Lenkung der Geschicke. — Es gehört in der That, ein großes musikalisches Verständniß dazu, bei einem solchen Werke die Klippe einer gewissen Eintönigkeit z» vermeiden. Der berühmte Componist des Werkes Azariah hat es verstanden, fast jeden einzelnen Accord auf dem festen Boden des Contrapunktes streng melodiös zu bearbeiten. Man kann das ganze Werk ohne jegliche Ermüdung hören. Die Recitative und Solis sind im höchsten Maße gelungen; selbst die Begleitung enthält eine sehr schöne Melodie. Das ganze Werk entspricht vollkommen der hohen Würde des Studiums. Die Londoner Zeitungen sprechen sich sehr lobend über das Werk aus. Mit großer Spannung erwartet man nun das bereits angekündigte Werk „Moses Tod" von demselben Componiften. Ich wünsche, daß der auch im Umgang sehr beliebte Autor noch recht lange die Zierde unseres Beamtenthums bleiben möge, damit wir noch recht viele Fruchte seiner unermüdlichen Thätigkcit genießen können! *?22 H 71212' HtH 121.1 '3 : 1 v "r. vt: v - tt- : nnir in n"m tit nteb ^221 TiiryD London, 8. August 1884. Leo Rosenfohn, Cantor, seminaristisch geprüfter Religions- und Musik-Lehrer.

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