Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1884)
- Date
- 1884-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1084 Der Schreibkrampf ist ein modernes Hebel. Es bedroht zwar nicht das Leben, ist aber nichtsdestoweniger für manchen, der mit der Feder sein Brod erwerben soll, eine Lebensfrage. Bisherige Versuche, das Leiden durch Electricität, Ruhe u. dergl. zu bekämpfen, blieben in den meisten Fällen erfolglos; eine rationelle Heilung galt für unmöglich. Neuerdings nun gelang es Herrn I. Wolff in Frankfurt a. M. durch eine neue Methode, deren Grundzüge er in einem soeben bei M. Diesterweg, Frankfurt a. M. erschienenen Schriftchen (mit Abbildungen. M. 1.—) dargelegt hat, zum Ziele zn gelangen. Seine großen Erfolge finden in glänzenden Zeugnissen erster medicinischer Autoritäten — Bardcleben, Billroth, Esmarsch, v. Nußbaum —, durch die anerkennendsten Berichte aus ältlichen Vereinen und in Fachblättern, welche dem Schriftchen beigegeben wurden, ihre Bestätigung. Wir verfehlen nicht, hiermit auf dasselbe hinzuweisen. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Prag. Bei der am 4. Aug. stattgefundenen constituirenden Sitzung der neugewählten Handels¬ und Gewerbekammer wurde, wie in diesen Blättern schon erwähnt, Herr Gottlieb Bondy einstimmig von allen anwesenden Kammermitgliedern zum Präsidenten gewählt. (Nur seine eigene Stimme wendete er einem andern Kammermitgliede zn.) Sowohl das Ergebniß der Wahl, wie auch die Antrittsrede des neugewählten Präsidenten wurde mit lebhaftem Veifatte aklamirt. Gestatten Sie mir, darauf hinzuweisen, wie sich der „Pokrok", bekanntlich das Organ des Herrn Dr. Rieger, des Führers der Böhmen, an leitender Stelle über diese Wahl äußert. Es heißt n. A. daselbst: „Auch das ist uöthig zu bemerken, daß der Präsident der jetzigen Handelskammer ein Jude ist; ein Ehrenmann, längst bekannt durch seine hervorragende und verdienstliche Thätigkeit tut öffentlichen Leben, ein Matttt, der allgemeltt und insbesondere nt Handels- und Gewerbekreisen hochgeschätzt, und für diese neue Stellung ausgezeichttet qualifizirt ist, nebst bcn hier schon angeführten Gründen auch deshalb, weil er sich als mehrjähriges Mitglied der Handelskamnter durch gründliche vott ihm erstattete Referate auszeichnete, sowie auch deshalb, weil er sich sowohl um die jetzige Wahlordnung, als auch um das Ergebttiß der letzten Kammerwahlen hervorragettde Verdienste erwarb. Hiebei ist nöthig zu constatiren, daß gerade er auf einen so wichtigen, hervorragenden Posten berufen wurde, als neuerlicher Beweis, daß die böhmische Nation in bürgerlichen und politischen Angelegenheitetr gar keinen Unterschied der Consesston kennt; wenn manche unserer Landsleute, den Juden, ehrlichen Mätmern und ordentlichen Kaufleuten hie und da tticht Sympathien entgegenbrachten, so muß dies ausschließlich der antiböhmischen Gesinnung und der antiböhmischen Handlungsweise der letzter» zugeschrieben werden (?). Wer sich von uns nicht ausschließt, oder sich uns nicht feindlich entgegenstellt, der ist unter utts, wie einer der Unsrigen, und wer Qnalification und Verdienste hat, wie gerade Gottlieb Bondy, dem sind auch die besonders ehrenden und hervorragenden Würden zugänglich." Dieser spccielle Fall uttd die sich daranknüpfeudett Aeußeruugen der Organe aller Parteischattkrungen illustriren so recht detttlich die Lage der Juden in Böhmen. Hier im Wohnorte des Professor Rohlittg habett seine Lehren ttahezu keitten Anklang gefunden. Hier herrschte, zum Ruhme der hiesige» Bevölkerung sei es gesagt, das beste Einverrtehmen zwischen Christen und Juden, als rittgsum der Antisemitismus, wie ein Alles verheerender Orkan wüthete, trotzdem doch hier zn den anderswo vom Antisemitismus als Ausrede benützten Uutständen (beispielsweise die soziale Bedeutung der Juden) — auch noch politische Momente hinzukamen.' Unter den Bewohnern Böhmens waren, wie bei der Bolkszähluttg im Jahre 1880 konstatirt wurden, 92,998 Inden, also 1,69% der Gesammtbevölkerung, eilt Verhältnis, wie es vielleicht nur vott Rttßlattd und Polen übertroffen wurde. In Kunst uttd Wissenschaft, im Handel und in derJndttstrie, seitdem es ihnen möglich ist, auch tu der Landwirthschaft, nehtnen die Juden Böhmens eine hervorragettde Stellmtg eilt, doch wird ihnen dies vott ihren Mitbürgent nur als lobenswerth angerechnet. Und sollte einmal ein Jude einen Fehler begehen, so macht die hiesige Bevölkerung mcht, wie leider dies so häufig an andern Orten geschieht, die lobettswerthe Gesammtheit für die Thaten Eittzelner verantwortlich. I. S. Kraus. Ho l l a nb. , Amsterdam, im August. Bei der Sitzung der Häupter der Universität Edinburghs unter dem Vorsitze von Lord Jnglis, dem Präsidenten des Obergerichtshofes von Schottland, wurde dem Herrn Professor T. M. C. Affer, hier, ein Ehrendiplom überreicht.