Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1884)
- Date
- 1884-08-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1682 und schriftlichen Anträgen. Ludwig wies für seine Person alle Vorschläge zurück; sein Herz hatte schon gesprochen; aber auch die Schwestern wollten auf Anträge, die ihren Bermögensverhältuissen entsprachen, nicht eingehcn; sie waren ihnen alle nicht glänzend genug. Der Bruder wollte die schöne, liebenswürdige Dorothea heirathen, die einzige Tochter des reichen Großhändlers Salomon Frank, und dadurch sein Vermögen verdoppeln, ein großes, vornehmes Haus ausmachcn, glänzende Gesellschaften geben, während sie sich mit kleinbürgerlichen Verhältnissen begnügen müßten! Nein, lieber wollten sie ledig bleiben! Dorothea Frank war in der That ein sehr begehrenswerthes Mädchen. Jung, schön, gebildet, liebenswürdig und voraussichtlich Erbin eines großen Vermögens, war sie viel umworben. Ludwig Bär liebte sie seit langer Zeit. — Aber erst jetzt durste er es wagen, seine Augen zu ihr zu erheben. Dorothea war das Ideal seiner Gedanken, und trotzdem warnte ihn eine innere Stimme vor einer Annäherung. Sein Onkel hatte das junge Mädchen nicht mit günstigen Augen angesehen. In der Zeit, in welche unsere Geschichte fällt, vor etwa vierzig Jahren, waren die rcltgiöfcii Gegensätze im Judenthume vielfach noch nicht so grell zu Tage getreten wie in der Gegenwart. Jakob Bär. ein strengfrommer Mann, hatte seinen Neffen seinen Grundsätzen gemäß erzogen und dieser war steudig und gern dem Beispiele des Onkels gefolgt. In dem Hanse des Großhändlers Frank herrschte, wie man damals zu sagen pflegte, eine freiere Richtung. Das Geschäft war am Sabbat geschlossen. Die Leute aber behaupteten, daß hinter den geschloffenen Thüren manches Dringende trotz des Sabbats erledigt werde. Herr Frank, seine Frau und seine Tochter gaben öffentlich Geld aus am Sabbat. Wohl war die Haushaltung nach dem jüdischen Neligionsgesetze eingerichtet; aber die rabbinischen Vorschriften in Bezug auf Wein, Milch, Käse re. wurde» nicht beobachtet. „Ich fürchte", hatte Jakob Bär oftmals gesagt, „daß Dorothea Frank dem Judenthume, das heißt, dem echten, rechten Judeuthunie ganz entfremdet wird. Sie ist ein glänzender Schmetterling, aber nicht geeignet, als Gattin und Mutter zu beglücken." So lange sein Oheim lebte, mußte Ludwig daher seine Gefühle für Dorothea zurückdrängen. Jetzt durste er um die Geliebte seines Herzens werben. Ludwigs bester Freund war Ferdinand Kopst, der als Procurist in einem sehr bedeutenden Bankhause eine geachtete Stellung eknnahm. Ihm hatte er die Gefühle feines Hebens anvertraut. Jetzt theilte er ihm auch feine Gedanken mit. „Thorheit", sagte Ferdinand, „ein Mädchen ist Minnich*) Liebt sie Dich — und nach Allem, was ich über sie gehört habe, wird sie Niemanden zum Manne wählen, den sie nicht liebt, — so wird sie ganz so leben, wie Du es wünschest." Diese Meinungsäußerung Ferdinands war für Ludwig so überzeugend, daß er noch an demselben Tage um Dorothea anhielt. Bet der Tochter sowohl, wie bei den Eltern fand seme Bitte Gehör, und das Verlobungsfest wmde auf das Glänzendste gefeiert. (Fortsetzung folgt.) Auf blauen Meereswogen Komm ich daher mögen In majestät'scher Pracht. Doch muß mein fürstlich Zeichen Vor einem Auge weichen. Bin ich wie düstre Nacht. Ndr.-Wöllstadt. A. Harris, Lehrer. Auslösung erfolgt in Nr. 67. Die Namen der richtig Lösenden werden, wenn uns solche bis längstens Dienstag Vormittag den 19. August zugegangen, in der folgenden Nummer vero^ sentlicht. Auflösung des Räthfels in 9fr. 63: eh — v'dN *) „Minnich" nennt man im jüdischen Dialect solche Speisen, die weder mit Fleisch oder Fleischartigem, noch mit Milch oder Milchartigem bereitet sind; man darf sie also z» Fkeisch- oder zu Milchspeisen essen. In Folge dessen hat das Wort die Bedeutung von „unentschieden". WI- Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nunnner. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche Rr. 4L. Druck und Vertag von Oscar Lehmann in Mainz.