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Der Israelit · 1884-08-14 · Heft 65 (14.8.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 65 (14.8.1884)
Date
1884-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Verschossen und vergessen.') i. „Weine nicht, »rein Sohn! Ich weiß es, Du liebst mich treu und aufrichtig, und die Erbschaft, die ich Dir hiuterlasse, bietet Dir keinen Trost für die Trennung, die Gott über uns verhängt hat. Du liebst mich, wie ein Kind seinen Vater liebt." „„Und wie sollte ich nicht, geliebter Onkel! Bist Du mir doch stets ein liebreicher Vater gewesen von meiner frühesten Kindheit an, da der unerforschliche Rathschluß Gottes mir rasch nacheinander beide Eltern nahm! Du hast mich zu Dir genouunen, hast mich mit der größten Sorgfalt exogen, hast mich in Dein Geschäft eintteten lassen und mir immer das größte Vertrauen belviesen."" „Und wie hast Du dieses Verttauen verdient! Erst durch Deine Umsicht, durch Deine Intelligenz, durch Deine unablässige Thätigkeit hat mein Geschäft den größten Aufschwung genommen, und wenn ich Dich zum Universalerben eingesetzt, so habe ich Dir nur das gegeben, was von Rechtswegen Dir gehört. Deinen beiden Schwestern habe ich jeder 5000 Thaler ansgesetzt; es genügt, sie anständig zu versorgen. Du sollst nicht mehr hiuzufügen, damit der Betrieb des Geschäftes keine Einbuße erleide. Was ich sonst noch an Legaten ausgesetzt habe, ist im Vergleich mit meinem Gesammtvermögen unbedeutend, so daß Dir noch ungefähr 100,000 Thaler verbleiben."" ,,„O, mein geliebter Onkel, das; Du noch eine lange Reihe von Jahren Dein Vermögen selbst verwalten möchtest!"" „Gott hat es anders beschlossen, mein liebes Kind, und es ist recht so. Ich bin alt und lebcnssatt, und die Alten müssen den Jungen Platz machen. Daur haulech wedanr bo, ein Geschlecht geht und ein anderes Geschlecht konuut. Wer einmal gegangen ist, der ist verschollen und vergessen, und wenn er wiederkäme, so würde er seinen Platz ausgefnllt finden und sich im höchsten Grade unglücklich fühlen. — Ich sterbe gern und folge freudig meiner geliebten, mir um viele Jahre vorangegangeuen Gattin. Dir habe ich es zu danken, daß ich mich niemals vereinsamt fühlte; Du bist mir stets wie ein getteuer Sohu gewesen. Möge es *) Nachdruck verböte». Uebersetzuugsrecht Vorbehalten. Dir Gott vergelten und Dich recht glücklich werden lassen! Und nun, mein Kind, laß die frommen Männer eintrctcn, damit sie mir die Sterbegebete vorsagen!" Jakob Bär war gestorben, und sein Reffe Ludwig Bär hatte die Erbschaft angetreten; sie hatte sich genau so herausgestellt, wie der Verstorbene gesagt hatte. Als LudwigsEltern kurz nacheinander durch eine in ihrem Wohnorte grassirendc Krankheit hinweggerafft worden waren, blieben drei kleine Waisen zurück, Ludwig und seine beiden jüngeren Schwestern, Antonie und Mathilde. Vermögen war nicht vorhanden, und ohne den Onkel Jakob Bär in M. hätten die Kinder einem Waisenhause übergeben werden müssen. Wie wir bereits erfahren haben, nahm Jacob Bär den Knaben zu sich; die beiden Mädchen ließ er in einem Töchterpensionatezu Lehrerinnen hcranbilden. Antonie hatte eine Stelle als Gouvernante übernommen, während Mathilde als Gesellschafterin bei einer alten Dame diente. Beide fühlten sich in ihren Wirkungskreisen nicht behaglich. Antonie verstand es nicht, ihren Zöglingen gegenüber die nöthige Autorität zu wahren, und so wurden ihr Unterricht und Erziehung zur Qual; Mathilde litt sehr viel unter den Launen ihrer Herrin. Beide hatten wiederholt den Onkel ersucht, sie zu sich zu nehmen. Dieser aber hatte ihren Bitten kein Gehör gegeben, weil er fürchtete, sic würden die Anwesenheit in seinem Hause dazu benützen wollell, auf seine letztwilligen Verfügungen einzmvirken. Vergebens hatte Ludwig den Onkel zn veranlassen gcsllcht, den Bitte» der Schwestern nachzugeben. Diese aber nieinten, ihr Bruder mache alle Anstrengungen, sie von dem Hanse des Oheims fern zu halten, damit er der alleinige Erbe werde. Durch die Bestkjnmungen des Testaments, welches das große Vermögen so ungleich vertheilte, glaubten sie, ihre Bermnthnngen bestätigt zu finden. Ludwig hattte nichts Eiligeres zu thun, als seine Schwestern zu sich kommen zu lassen und sie in sein Hans aufzuuehmen. Ihm gegenüber verheimlichten die beiden Mädchen ihre Gesinnungen. Wenn sie aber Abends ihr gemeinsames Schlafzimmer aufsuchten, so schalten sie weidlich auf den falschen Bruder, der sie um den ihnen gebührenden Authcil an dem Vermögen des Oheims gebracht habe. Ein schöner, junger, gebildeter, tüchtiger Mann, in Besitze eines großen Vermögens und eines lucrativen Geschäfts, zwei junge, hübsche Schwestern desselben, — wie verlockend für die Thätigkeit der Schadchom'm! Es regnete förmlich von mündlichen

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