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Der Israelit · 1884-08-14 · Heft 65 (14.8.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 65 (14.8.1884)
Date
1884-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ließet Metigion und religiösen Sinn der Menzett. Von D r. H. S ä n g e r. IV. . Mit dem Glauben an Gott ergibt sich sofort der Begriff der Religion, wie er bei alten Völkern, bald stärker und tiefer, bald schwächer und oberflächlicher, sich findet. Religion entspringt dem Gefühle nnd dem Bewußtsein der Abhängigkeit des Menschen von einer höheren Macht. Und unser Verhältnis; zu dieser höheren Macht bezeichnen wir mit dem Worte: Religion. Erkennen wir in dieser höheren Macht nicht nur den Schöpfer, nicht nur den Richter, Lenker und Leiter des Weltalls, sondern auch den Allvater; erkennen wir weiter einen steten Zusammenhang, eine fortwährende Abhängigkeit, ein fortdauerndes, inniges Band mit Ihm; erkennen wir als Aufgabe unseres Lebens die Pflicht der Dankbarkeit, der Anbetung, des Gehorsams diesem unserem Allvater gegenüber; erkennen wir für uns eine geistige Aufgabe, an deren Erfüllung wir mit allen Kräften und Fähigkeiten anzustreben haben; suchen wir diese Aufgabe in Einklang zu bringen mit unserer Ausnahmestellung unter der ganzen Welt der Geschöpfe, die alle nur irdische Triebe, uur irdische Genüsse, nur irdische Zwecke haben entsprechend ihrer natürlichen Anlage, während der Mensch als besonderes und gesondertes Geschöpf mit seinem Doppelwesen, ein Doppeldasein zu führen hat, für sich nnd seinen höheren Schöpfer: dann muß sein Leben sich innerhalb eines großen Pflichtenkreises, innerhalb gesetzlicher Bahnen sich abspielen, kann nicht durch eine bloß ideale Anerkennung Gottes seiner hohen Stellung genügen, seine Aufgabe erfüllen. Nnd wahrlich nicht. die Zahl der Gesetze, die gerade die jüdische Religion ihren Bekennern dictirt, vermindert ihren Werth, ebensowenig wie der Staat nicht deruncivilisirtere ist, dessen Gesetze alle Gebiete, alle Thätigkeitcn seiner Unterthanen überwachen und regeln will. Wenn die jüdische Religion also große Anforderungen an ihre Bekenner stellt, große Pflichten ihnen auferlcgt, so stellt sie zugleich dieselben auf eine mehr als gewöhnliche Stufe, weist ihnen ihre Aufgabe höher an. Und seit Jahrtausenden war die Auffassung des Judenthums über den Menschenberuf und die Mcnschenaufgabe eine solch hohe. Es sieht im Menschen nicht blos das Geschöpf, nicht blos den Diener, nicht blos das Kind, das bevorzugte Geschöpf seines Schöpfers, sondern dessen Verwalter und Stellvertreter auf Erden. Und dieser Auffassung hat sich das Judenthum nicht zu schämen. Ausgehend von dieser Auffassung, bildet nnd entwickelt sich nun sein ganzes religiöses Leben. Es gibt für den Juden keine G e f ü h l s r e l i g i o n, wie man gerne die Religion heute auffassen möchte, denn solche Auffassung hat ihre bedenkliche Seite, sondern unsere Religion besteht in einer großen Pflicht. Nichts in unserem Leben, in unserem Denken und Thun darf es geben, was nicht beeinflußt wäre von dem Gedanken an Gott. Es gibt für uns absolut nichts, was recht wäre, ohne daß es in Einklang stände mit unseren! Gottesbcgriffe. Und darmn nimmt unsere Religion den ganzen Menschen für sich in Anspruch, von zarter Kindheit bis in's Greisenalter, von Morgens früh bis Abends spät, in seinen wichtigen Unternehmungen, die für sein ganzes Leben entscheiden, wie auch in den alltäglichsten Vorkommnissen. Kein Moment des Lebens hätte Zweck nnd Bedeutung ohne Gott. Gott ist für uns nicht ein unfaßbarer Begriff, so daß nur besonders bevorzugte, begnadete Menschen Ihn begreifen, sondern Er lebt nnd webt in unserer Mitte und gerade deshalb steht Er doch für uns so hoch über Allem, weil wir Ihn als den Allmächtigen kennen, als den Allvater lieben und verehren, aus dessen Hand Alles kommt. Das Judenthnm zieht volle Consequenz für sich ans seinem Gottesbegriffe. Werfen wir nun einen Blick ans das religiöse Leben der Juden in nnserer Zeit. Wir dürfen wohl nach einem religiösen Leben forschen, so lange Jemand noch von sich behauptet, daß er Religion habe, nnd wir dürfen nach dem jüdischreligiösen Leben forschen, solange Jemand noch behauptet, er gehöre dem I u d c n t h u m e ait, er habe denselben Gottesbegriff; wie das jüdische Volk ihn seit Jahrtausenden besitzt. (Fortsetzung folgt.) Eine späte Ehrenrettung. (Schluß.) A m st e r d a m, l 0. September 1878. „Das ist inehr, unsäglich mehr als ich je ahnen konnte, was ich gestern sah, oder eigentlich mitlebte, vor meinen Augen, in meiner Seele das ganze Leben eines Jahrhunderts unter den von der spanischen Inquisition befreiten Juden. Die stolzen, geistig strammen Männer, die wunderbare Frau, anzuschauen wie eine mächtige Fürstin, wie eine Mutter der Makkabäer, sie blickten mich an. Spinoza sagte selber, die Dinge begreifen, heißt alle

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