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Der Israelit · 1884-08-14 · Heft 65 (14.8.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 65 (14.8.1884)
Date
1884-08-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1076 Nachdem Hillel seine Studien unter Schemaja und Abtalion vollendet hatte, kehrte er in seine Heimath, nach Babilon, zurück. Es konnte nicht fehlen, daß sein großen Wissen hier Aufsehen erregte. Bald verbreitete sich sein Ruf über sein ganzes Hcimathland, und um den Gefahren zu entgehen, welche die Berühmtheit mit sich bringt, wiederholte sich Hillel stets einen andern Wahlspruch in der Sprache seiner Heimath. „Wer den Namen auszudehnen sich bemüht, das heißt, wer, von Ruhmsucht erfaßt, nach Ruhm dürftet, verliert seinen Namen." Es ist wohl zu vermuthen, daß man dem wissensgekrönteu Manne , die höchsten und wichtigsten Aemter der Gemeinde auvertrauen wollte, Acmtcr, deren getreue Verwaltung das Fortschreiten im Studium hindern würden. Hillel aber wies alle diese Ehren von sich, indem er sprach: „Und wer nicht fortschreitet, geht zurück, und wer nicht lernt, macht sich des Todes schuldig, und wer die Krone als Werkzeug benutzt, vergeht." Als Hillel später zum Pesachfeste nach Jerusalem pilgcrte, wurde er gegen seinen Willen zum Fürsten erhoben. Wir haben bereits mitgetheilt, daß cs das einzige Mal war, da er, der Sanftmüthige, der Geduldige, in Zorn gerieth. Nachdem er aber dieses große und heilige Amt übernommen hatte, wählte er für dieses einen Wahlspruch, der ihm und seinem ganzen Volke zum Segen gereichte. Den ersten Hohenpriester Aharon nahm er sich zum Vorbilde. Die Liebe zum Frieden und die Erstrebung des Friedens wurden die Grundlagen seines Wirkens. Alle Gottesgebote lehren unsere Weisen (DiW’n 'ö p« -pi), kommen an uns heran: wenn Du siehst, wenn Du triffst, wenn Du ein Vogelnest findest, wenn einHausDu bauest— sobald eineMizwah an Dich herankömmt, so bist Du verpflichtet, sie zu üben; anders aber verhält es sich mit dem Frieden; von ihm heißt es: Suche den Frieden und jage ihm nach. — Welch ein erhabener Grundsatz, wie so ganz des Fürsten würdig! Er, der an der Spitze des Volkes steht und dessen sittliche und religiöse Angelegenheiten zu leiten hat, kann durch die Liebe zum Frieden unendlich viel Gutes erwirken, unendlich viel Böses abwenden. Und nun gar in der von Bürgerkriegen, Bruderzwist und allerlei Parteiungen zerrissenen Zeit, in welcher Hillel lebte, während der Herrschaft des Usurpators Herodes! Es ist sehr wahrscheinlich, daß es Hillels Friedensliebe war, welche damals das jüdische Volk vor Vernichtung schützte und den Untergang des jüdischen Staates um volle hundert Jahr hinausschob. — Die Friedensliebe hat aber nur dann Werth und Bedeutung, wenn sie nicht auf Bequemlichkeit, auf Furcht vor Zank und Hader, sondern auf reiner, wahrer Menschenliebe beruht, und diese äußert sich wiederum in dem Bestreben, die Menschen der Gotteslehre zuzuführen. Daher fügt Hillel hinzu: „Liebe die Menschen und nähere sie der Thora." Diesem Wahlspruche gemäß lebte und wirkte Hillel bis ins höchste Atter, während der ganzen vierzig Jahre, die er an der Spitze seines Volkes sein heiliges Amt verwaltete. Achtzig vorzügliche Schüler, die später die hervorragendsten Männer in Israel wurden, verdanken .ihm die Größe ihres Wissens. Als der Bedeutendste unter ihnen wird uns Jonathan ben Usiel genannt, der geniale Uebersetzer der Bücher der Propheten, ohne dessen Uebersetzung uns viele Stellen unverständlich geblieben wären. Als der Geringste (vielleicht auch der Jüngste) wird uns Rabbon Jochanan ben Sackai bezeichnet, von dessen Geiste und Bedeutung zu sprechen, wir später Gelegenheit haben werden. __ Das liebevolle, freundliche und segensreiche Wirken Hillels eroberte ihm die Herzen von ganz Israel, und wie man einst Esra eine» zweiten Moscheh genannt hatte, so bezeichnete malt Hillel jetzt als den zweiten Esra. Das ganze Volk liebte ihn, wie die Kinder ihren Vater, lieben,, und als er einst in einer halachischen Discüssiön seinem' Genossen Schammai mtterlag und dessen von Hillel abweichende Lehrmeinungen — es waren 3, nach Jeruschalmi 4 — zu Gesetzesvorschristen erhoben werden mußten, da war jener Tag ein Tag des Trübsals für die ganze Nation; so sehr verehrte mall Hillel, daß man sein Unterliegen als ein nationales Unglück empfand. Als er kin hohen Alter starb, beweinte ganz Israel seinen Tod. Sein Sohn Schinieon wlirde fein Nachfolger in der Fürstenwürde. Es war das erste Mal, daß der Sohn dem Vater in diesem hohen Amte folgte. Zehn Geschlechter hindurch, ungefähr 400 Jahre lang, blieb die Fürsteuwürde erblich in der Familie Hillels bis zur Aufhebung dieses Alntes durch die Wucht schwerer und trauriger Zetten. — So wurde Hillel der Grüllder einer eigenartigen Dynastie, und Me zehn Fürsten aus seinem Hause gehörten zu den größten und edelsten Männern aller Zette». (Fortsetzung folgt.) . -i-. •••(:. *:

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